SCO v. IBM: Unendlicher Rechtsstreit zieht nach New York​

Xinuos hat den Geist der SCO-Klage gegen IBM wiederbelebt. Ein Gericht auf den US Virgin Islands wäre zwar zuständig, schickt den Fall aber nach New York.

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Blick vom Wasser auf The Battery an der Südspitze Manhattans, im Vordergrund die Fähre "Christopher Columbus"

Blick auf The Battery, Manhattan - hierher können die Zeugen leichter reisen als auf die Jungferininseln.

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

Inhaltsverzeichnis

2003 hat die SCO Group wegen Linux IBM verklagt: IBM hätte im Rahmen geistiges Eigentum von SCO übernommen und lizenzwidrig in Linux eingebaut und solle dafür eine Milliarde Dollar zahlen. SCOs Erfolg bei Gericht war enden wollend. Dennoch wurde 18 Jahre prozessiert. Der Geist des Verfahrens lebt in einem neuen Prozess weiter. Das neuste Kapitel der unendlichen Geschichte ist die Verlagerung des jüngsten Verfahrens von den Amerikanischen Jungferninseln nach New York. Weil das bequemer sei.

Eigentlich ist SCO längst pleite und das berühmte Verfahren SCO v. IBM abgeschlossen. Der epische Rechtsstreit hat bislang hunderte Berichte auf heise online und in den Zeitschriften c't und iX gezeitigt, davon rund 300 von heise-Autor Detlef Borchers. SCO verklagte alle möglichen Firmen, darunter Red Hat, Novell und DaimlerChrylser. Zeitweise waren 17 Verfahren im Themenkreis SCO v. IBM gleichzeitig anhängig.

Nachhaltig war dieses Geschäftsmodell nicht. Nach einer schweren Schlappe für SCO im Streit mit Novell im Jahr 2007 musste SCO 2008 Konkurs anmelden. 2011 wurden die von der Firma gehaltenen Rechte sowie bestehende Wartungsverträge mit Kunden in 82 Ländern versteigert. Es gab zwei Bieter: Ein Unix-Fan bot achtzehn Dollar, eine eigens gegründete Firma namens Unxis bot 600.000 Dollar und erhielt den Zuschlag.

Unxis versprach, die müden Vorwürfe der SCO-Group gegen IBM nicht neu aufzuwärmen. "Unxis hat keine Absichten, Klagen in Verbindung mit den Assets der SCO Group anzustrengen", sagte CEO Richard Bolandz damals zu Zdnet, "Bei uns geht um Weltführerschaft bei Technik, nicht um Gerichtsprozesse." Tatsächlich hat Unxis nur bestimmte Rechte, Verträge und einen winzigen Rest Mitarbeiter übernommen. Der Gerichtsprozess SCO v. IBM wurde noch viele Jahre vom SCO-Masseverwalter in Schwebe gehalten.

Das mit der Weltführerschaft bei Technik hat für Unxis noch nicht so recht geklappt. Auch eine Umbenennung in Xinuos, Managementwechsel und mehrere Umzüge haben den entscheidenden Durchbruch bislang nicht gebracht. Inzwischen residiert Xinuos in einem Technikpark auf den Amerikanischen Jungferninseln und hat ein neues Geschäftsmodell entdeckt: das der SCO Group. Zum 1. April 2021 (!) verklagte Xinuos IBM und deren Tochterfirma Red Hat.

Die Begründung liest sich ebenso abenteuerlich wie die Anstrengungen der SCO Group: Xinuos habe mit Openserver und Unixware bis zum Jahre 2008 (!) den Markt der Unix- und Linux-Server dominiert, während IBMs Servergeschäft zurückging. Durch "ungesetzliche Schritte" hätten beide Firmen Xinuos vom Markt verdrängt und geistiges Eigentum gestohlen. Schließlich habe IBM Red Hat übernommen, um weiter Verbraucher und innovative Konkurrenten "schikanieren" zu können.

Erhoben hat Xinuos die Klage beim US-Bundesbezirksgericht der Jungferninseln (Xinuos v. International Business Machines & Red Hat, Az. 3:21-cv-0031, US District Court of the Virgin Islands). Xinuos fuhr sechs Anwälte auf, IBM und Red Hat fünf. Nach neunzehneinhalb Monaten kam jüngst die erste bedeutsame Entscheidung des Inselgerichts: Das Verfahren wird an das US-Bundesbezirksgericht für das südliche New York übertragen.