SCO vs. Linux: IBM soll 14,25 Millionen US-Dollar zahlen

Gegen Zahlung von 14,25 Millionen Dollar soll die unendliche Geschichte SCO vs. Linux zu Ende gehen. Sicher ist das nicht.

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(Bild: J0hnTV/Shutterstock.com)

Von
  • Detlef Borchers

Edward Cahn, Vermögensverwalter der Firma TSG (The SCO Group) hat ein Dokument am Konkursgericht des US-Bundesstaates Delaware eingereicht, nach dem der seit 2003 schwelende Rechtsstreit zwischen der TSG als Rechtsnachfolgerin des Unix-Produzenten SCO und IBM mit der Zahlung von 14,25 Millionen Dollar durch IBM beendet wird. Im Gegenzug verpflichtet sich TSG, keine weiteren Ansprüche an IBM geltend zu machen.

Die Einigung zwischen den beiden Parteien betrifft nicht die Ansprüche der Firma Xinuos. Diese hatte unter dem Namen uniXis im Jahre 2011 von TSG die Rechte und den Sourcecode der Produkte Openserver und Unixware aufgekauft, mit dem Versprechen, sich aus dem Rechtsstreit herauszuhalten. Das Versprechen hielt bis zum 1. April 2021: Da verklagte Xinuos IBM. Die Firma habe den Linux-Distributor Red Hat gekauft, um Konsumenten, innovative Konkurrenten und generell alle Innovationen "schikanieren" zu können. Auch Xinuos will Schadensersatz, weil Openserver und Unixware bis 2008 die führenden Unix-Systeme am Markt gewesen wären.

Die "unendliche Geschichte" um SCO und Linux ist um ein Kapitel reicher: mit dem Vergleich (PDF-Datei) zwischen IBM und dem Vermögensverwalter von TSG könnte der seit 2003 vor Gerichten geführte Streit zwischen IBM und SCO/TSG beendet werden. Wenn TSG dem Vergleich zustimmt, muss IBM innerhalb von fünf Tagen 14,25 Millionen Dollar überweisen und hat damit alle Ansprüche abgegolten, die vom gemeinsam mit SCO 1998 gestarteten Projekt Monterey stammen, das im Jahr 2000 abgebrochen wurde. Seit dieser Zeit behaupten SCO/TSG-Vertreter, dass Sourcecode aus dem Projekt in Linux auftauchte, ohne diese Behauptung belegen zu können. Das alles spielt mit dem Vergleich keine Rolle mehr.

Doch eine unendliche Geschichte hat bekanntermaßen kein Ende. Seit April 2021 gibt es einen neuen Kläger. Als der Vermögensverwalter Edward Cahn im Jahre 2011 in Salt Lake City das geistige Eigentum von TSG in einer Auktion zum Verkauf stellte, gab eine Investmentfirma namens Merchant Bridge und ein gewisser Steve Morris das Höchstgebot von 600.000 Dollar für SCO Openserver und Unixware ab. (Daneben hatte ein lokaler Unix-Fan 18 US-Dollar geboten.)

Steve Morris und Merchant Bridge gründeten zur Verwertung der Systeme die Firma uniXis und versprachen, mindestens 13 Millionen Dollar in UniXis und die Entwicklung des Unix-Betriebssystems zu investieren. Immerhin verfügte UniXis beim Verkauf im April 2011 noch über 32.000 Wartungsverträge in 82 Ländern für die Unix-Varianten Openserver 6 und Unixware 7 mit Großkunden wie der Kohle-Kraftwerksparte von Siemens. Bis zum Jahre 2013 passierte nichts, dann wurde UniXis in Xinuos umbenannt und der Firmensitz zog von Salt Lake City nach Las Vegas um. UniXis wie Xinuos veröffentlichten mehrere Pressemeldungen, in denen man sich vom Treiben der TSG Group distanzierte und sich als Entwickler von Betriebssystemen darstellte.

Anfang 2016 passierte schließlich wirklich etwas. Openserver X, auch Openserver 10 genannt, wurde von Xinuos veröffentlicht und als "modernes und leistungsfähiges" Unix angepriesen. Das war leicht irreführend, denn die Basis des neuen Betriebssystems war Free BSD. Xinuos sattelte damit auf Open Source um und auf ein Geschäftsmodell, das die alte SCO über Jahrzehnte erbittert bekämpft hatte. Der Schritt war auch für die alten Unix-Kunden ein Schritt zu viel. Deshalb produzierte Xinuos 2017 für sie "Definitive" Versionen von Openserver 6 und Unixware 7 und stellte danach offiziell die Entwicklung ein. 2018 wurde mit der "Definitive"-Version von Openserver 5 zum letzten Mal ein Unix-Code gepflegt und die Entwicklung eingestellt.

Heute residiert Xinuos in einem Technologiepark in St. Thomas auf den US-amerikanischen Jungferninseln und hat ein neues Geschäftsmodell entdeckt, das der SCO Group. Zum ersten April 2021 verklagte die Firma IBM und Red Hat. Beide Firmen sollen gegen Antitrust-Bestimmungen verstoßen und das Copyright von Xinuos verletzt haben. Die Begründung liest sich ebenso abenteuerlich wie die Anstrengungen der SCO Group. Danach habe Xinuos mit Openserver und Unixware bis zum Jahre 2008 die führende Marktposition im Marktsegment der Unix- und Linux-Server gehabt, während IBMs Server-Geschäft rückgängig war. Durch "ungesetzliche Schritte" hätten beide Firmen dann Xinuos vom Markt verdrängt und gestohlenes geistiges Eigentum von Xinuos genutzt, um den Markt zu dominieren. Schließlich habe IBM Red Hat gekauft, um weiterhin Konsumenten, innovative Konkurrenten und generell alle Innovationen "schikanieren" zu können.

(bme)