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Sachsen: Polizei registriert mehr Cybercrime-Fälle – hohe Dunkelziffer vermutet

(Bild: JARIRIYAWAT/Shutterstock.com)

Immer mehr Firmen werden Opfer von Cyberkriminalität. Viele zeigen das jedoch gar nicht erst an, weil sie etwa einen Image- und Vertrauensverlust befürchten.

Der Schaden geht in die Millionen: Im Jahr 2020 hat die sächsische Polizei 3120 Fälle von Cyberkriminalität im engeren Sinne erfasst. Das waren 465 mehr als im Jahr zuvor, aber weniger als in den Jahren 2018 (3196 Fälle) und 2017 (3675). "Es gibt nach wie vor ein sehr kleines Hellfeld und ein riesiges Dunkelfeld", schätzte Innenminister Roland Wöller (CDU) die Zahlen und ihre Schwankungen ein. Das habe vor allem mit dem Anzeigeverhalten zu tun. So seien Firmen meist zurückhaltend, eine Cyberattacke anzuzeigen, um keine Kunden zu verlieren. Mit dem E-Business – der elektronischen Geschäftsabwicklung – würden die Einfallstore für Kriminelle immer größer: "Das beschäftigt die Polizei immer mehr."

Nach Angaben des Innenministeriums entwickelt sich dieser Bereich der Kriminalität "sehr dynamisch". Die Experten unterscheiden dabei zwischen Cybercrime im engeren und weiteren Sinne. Im engeren Sinne betreffe das beispielsweise Computerbetrug und das Ausspähen von Daten. Straftaten, bei denen Informations- und Kommunikationstechnik zur Planung, Vorbereitung oder Ausführung zum Einsatz kommt, würden dagegen der Cyberkriminalität im weiteren Sinne zugerechnet. Hierbei sei die Deliktbreite deutlich größer und reiche von Beleidigung bis zum illegalen Verkauf von Waffen oder Drogen im Internet.

Computerbetrug etwa durch vorheriges Ergattern von Passwörtern und anschließende Betrugshandlungen standen in Sachsen 2020 mit 2842 Fällen (2019: 2427) an der Spitze bei Cyberkriminalität im engeren Sinne. Der von der Polizei des Bundeslandes festgestellte finanzielle Schaden betrug dabei rund 2,7 Millionen Euro. 2019 und 2018 waren es etwa 3,4 Millionen Euro beziehungsweise circa 2,4 Millionen Euro.

Als Paradebeispiel für Cyberkriminalität gilt ein Cyberangriff auf die Leipziger Firma Spreadshirt [1] im Sommer 2021. Unbekannten gelang es, Zugriff auf den Server des für seine T-Shirt-Drucke bekannten Unternehmens zu bekommen. Dabei wurde auch auf die Kundendaten zugegriffen. Da das Ermittlungsverfahren noch nicht abgeschlossen ist, halten sich die Ermittlungsbehörden mit Details zurück.

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Zur Bekämpfung der Computerkriminalität hatte das Landeskriminalamt 2014 das "Cybercrime Competence Center Sachsen" gegründet – auch mehrere andere Bundesländer zogen ungefähr zu dieser Zeit nach. Mit seinen mittlerweile 91 Spezialisten unterstützt es polizeiliche Ermittler in den Bereichen IT-Forensik, Telekommunikationsüberwachung oder bei der Auswertung großer Datenmengen. Darüber hinaus werden dort komplexe und herausragende Ermittlungsverfahren zum Thema Cybercrime geführt.

(tiw [3])


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https://www.heise.de/-6335583

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Cyberkriminelle-greifen-auf-Kundendaten-von-Spreadshirt-Co-zu-6135384.html
[2] https://www.heise.de/hintergrund/Cybercrime-Erpressung-auf-neuem-Niveau-4867430.html
[3] mailto:tiw@heise.de