Saddam Hussein auf der No-Fly-Liste

Der US-Fernsehsender CBS will Einblick in die geheime amerikanische No-Fly-Liste erhalten haben und berichtet über seltsame Einträge.

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Von
  • Florian Rötzer

Terrorlisten gelten Geheimdiensten und Sicherheitspolitikern als wichtige Instrumente, um präventiv Terroristen erkennen und fangen zu können. Auch Deutschland wird endlich eine Antiterror-Datei bekommen. In den USA wurde nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in aller Eile eine "No-Fly-Liste" erstellt, um verdächtige Personen erst gar nicht in Flugzeuge einsteigen zu lassen. Dabei gab es schon immer einige Probleme, Kritik an Willkürlichkeit wurde schon früh laut. So wurde beispielsweise der eigentlich nicht unbekannte Senator Edward Kennedy am Fliegen gehindert, auch Kriegsgegner fielen unter das Verdikt. Schon Ende letzten Jahres war bekannt geworden, dass Zehntausende der auf der No-Fly-Liste geführten Personen bzw. Namen falsch waren.

Der amerikanische Sender CBS hat nun angeblich Einblick in die geheime No-Fly-Liste der US-Sicherheitsbehörden erhalten. Darauf sollen sich 44.000 Namen von Personen befinden, die als gefährlich eingeschätzt werden, weil sie in irgendeiner Form mit dem Terrorismus verbunden sein sollen. CBS berichtet, dass in der Liste beispielsweise auch der Präsident Boliviens aufgeführt ist. Zudem finde man hier zahlreiche Menschen, die bereits tot sind, oder Namen, die so verbreitet sind, dass sie Tausende von Flugpassagieren umfassen.

Jack Cloonan, ein ehemaliger FBI-Angestellter, sagte dem Sender, dass die Liste nach dem 11. September 2001 schnell zusammengestellt wurde. Jeder, der irgendwie mit dem Terrorismus verbunden ist, sollte auf sie kommen. Dazu lieferten verschiedene Behörden und Geheimdienste ihre "Hits". Dazu gehört auch Saddam Hussein, der eigentlich schon seit längerem im Gefängnis sitzt und kaum mehr per Flugzeug in die USA einreisen dürfte. Ob Osama bin Laden höchstpersönlich mit seinem Namen in die USA einreisen würde, dürfte sehr unwahrscheinlich sein. Auf der Liste befinden sich auch immer noch 14 der insgesamt 19 Selbstmordattentäter vom 11.9., die eigentlich tot sein sollten. Dafür finde man aber etwa die Namen von 11 Verdächtigen, die in Großbritannien wegen der geplanten Anschläge mit Flüssigsprengstoff auf US-Flugzeuge festgenommen wurden, nicht auf der Liste.

Immerhin wurden schon 144 Millionen US-Dollar für das Programm Secure Flight ausgegeben, das auf der Basis dieser Liste funktioniert. Auf der Liste finden sich Namen wie Gary Smith, John Williams oder Robert Johnson. Wer zufällig so heißt, wird kaum vermeiden können, besonders streng untersucht oder gar zeitweise an Flughäfen festgenommen zu werden. Und es sei auch unwahrscheinlich, so eine Mitarbeiterin beim Terrorist Screening Center des FBI, mit so einem Namen jemals wieder von der Liste gestrichen zu werden. (fr)