Samsung will offenbar OLED-TVs anbieten und auch selbst produzieren

Samsung verhandelt mit LG Display über OLEDs für TVs, während Samsung Display selbst OLEDs fertigt. Die Rolle Chinas in diesem Tohuwabohu analysiert Barry Young

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(Bild: Gerd Altmann via Pixabay)

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  • Barry Young

Samsungs Präsident Han Jong-hee hat vor kurzem zugestimmt, OLED-Panels mit farbverstärkenden Quantenpunkten, sogenannte QD-OLEDs, in den hauseigenen Fernsehern zu verwenden. Fast ein Jahr lang vertrat er den Standpunkt, die Technik sei unvereinbar mit Samsungs aktueller Strategie. Diese sah bisher Folgendes vor:

  • LCDs mit LED-Hintergrundbeleuchtung für das untere Ende
  • LCDs mit Quantenpunkten im Backlight für das mittlere Segment
  • QD-verstärkte Mini-LED-LCDs für das obere Segment
  • MikroLED-Fernseher für die "Ein-Prozentler".

Um Samsung Electronics dazu zu bringen, die hauseigenen QD-OLED-Panels ins Programm zu nehmen – was bisher keine andere TV-Marke getan hat – verlängerte Samsung Displays den Zeitplan für die Schließung seiner verbleibenden LCD-Fabriken von März bis Ende dieses Jahres. Offenbar war es Präsident Han, der zuerst diesen Kompromiss unterbreitet hatte.

Zu "Advanced TVs" zählt DSCC die OLED-TVs, LCD-TVs mit Quantenpunkten-Film (QDEF), QD-OLEDs, Dual Cell LCD-TVs, MikroLED-TVs und MiniLED-TVs sowie 8K-TVs.

(Bild: Quelle: DSCC)

Samsung Displays (SDC) hat im südkoreanischen Asan eine Produktionslinie Q1 der Generation 8.5 mit einer Kapazität von 30.000 Substraten pro Monat aufgebaut; diese läuft seit Dezember letzten Jahres im Pilotbetrieb. SDC erwartet bis Mitte 2021 Prototypen und ab 2022 mit der Massenproduktion beginnen zu können. Mitarbeiter von Samsung Electronics (genauer, aus der TV- und Monitorsparte Samsung Visual Displays) hatten Bedenken geäußert wegen der hohen Panelkosten und der Schwierigkeit, noch eine weitere Technik in das TV-Sortiment zu nehmen.

Barry Young

Barry Young ist Präsident und CEO der OLED Association, wo er die Entwicklung von Standards für die OLED-Display- und Beleuchtungsindustrie vorantreibt. Er ist zugleich CEO von Young Market Research (YMR) und war Mitbegründer von DisplaySearch (heute IHS Markit). Während seiner Amtszeit bei DisplaySearch verfasste er die Markt- und Technologieberichte zu OLEDs, flexiblen Displays und kleinen/mittleren Displays.

Das neuerliche Interesse von Samsung Electronics an QD-OLEDs wurde durch die veränderten Lieferketten für TV-Panels geweckt. Diese reichen bis Anfang 2019 zurück, als die Produktionskapazitäten für TV-Panels schneller stiegen als die Nachfrage. Die Überkapazitäten brachten sowohl Samsung Displays als auch LG Displays dazu, Produktionsstätten in China zu verkaufen und zu planen, alte LCD-Fabriken in Korea entweder zu schließen oder sie auf OLEDs umzustellen.

Dann kam die Pandemie und das Heimarbeits-Phänomen steigerte die Nachfrage nach Notebooks und Monitoren. In der Folge verlagerten die Panelhersteller die LCD-Produktion von Fernsehern zu Notebooks und Monitore, wo der Umsatz pro Quadratmeter höher ist. Dies führte zu einer Verknappung bei den TV-Panels, woraufhin deren Preise in den letzten acht Monaten um 50 bis 70 Prozent stiegen. SDC und LGD verzögerten daraufhin ihre LCD-Auslaufpläne.

Allerdings steigt die Anzahl der Fabriken der Generation 10.5 in China, das Notebook- und Monitorwachstum entspannt sich und es wird erwartet, dass die Preise für TV-Panels in der zweiten Jahreshälfte 2021 wieder sinken. Das würde Samsung Displays und LG Displays in die Lage versetzen, zu ihrer LCD-Ausstiegsstrategie zurückzukehren.

Die beiden Tabellen zeigen die Art der Lieferprobleme von Samsung Electronics:. 2019 und 2020 lieferte China 32 Prozent respektive 31 Prozent der TV-Panels an Samsung, der Anteil von Samsung Displays nahm zugleich ab. Im diesen Jahr könnte die LCD-Panel-Kapazität von SDC um 20 Prozent sinken, wodurch Samsung Electronics noch abhängiger von chinesischen Panel-Herstellern würde. Sollte SDC seine LCD-Fabriken komplett schließen, würde sich der Anteil Chinas um 10 Millionen Panels erhöhen und auf über 50 Prozent des TV-Geschäfts von Samsung Electronics ansteigen. Jede offene oder verdeckte Aktion der chinesischen Produzenten, die Verkäufe an Samsung zu reduzieren, wäre dann verheerend fürs Geschäft.

Samsung Electronics bezog in den vergangenen Jahren bereits sehr viele LCD-Panels aus China.Durch den Verkauf eigener Fabs an CSOT wird sich der Anteil weiter erhöhen.

(Bild: Quelle: Omdia)

Der weltweite Panelmarkt.wird von den chinesischen Panelherstellern BOE, CSOT und HKC dominiert.

(Bild: Quelle: Trendforce)

Die Strategie von Samsung Electronics, sich auf "Advanced TVs" (gemäß DSCC-Definition) zu konzentrieren, wird von chinesischen Herstellern ebenfalls bedroht, denn die primäre Quelle für 65-zöllige TV-Panels sind die vielen Fabriken der Generation 10.5 in China. China möchte künftig den profitablen Advanced TV-Markt dominieren, der einen Jahresumsatz von rund 20 Milliarden US-Dollar generiert und an dem Samsung derzeit einen Anteil von 50 Prozent hat.

Hier kommt Samsung Display ins Spiel, die immer noch LCD-Fabriken betreiben, aber zugleich 12 Milliarden US-Dollar in OLEDs mit Quantenpunkten (QD-OLEDs) investiert haben, obwohl es noch keine Zusagen von irgendwelchen TV-Herstellern gibt. Samsung Electronics schlug SDC vor, seine LCD-Produktion bis mindestens Ende dieses Jahres zu verlängern und versprach im Gegenzug, QD-OLED-Panels für die hauseigenen TVs zu verwenden. SDC stimmte der Verlängerung zu, da es verzweifelt nach Kunden für seine QD-OLED-Panels sucht und die Massenproduktion von LCDs in seiner LCD-Produktionslinie der Generation 8 in Asan bis mindestens Ende 2021 fortsetzen wird.

Aber die neue Kooperation ist nicht das Ende der Geschichte. Auf dem Fuße dieser QD-OLED-Ankündigung folgte ein unbestätigter Bericht der koreanischen MTN, dass Samsung Electronics und LG Display einen bedingten Vertrag über den Kauf von bis zu einer Millionen OLED-Panels in der zweiten Jahreshälfte 2021 und bis zu vier Millionen Panels im Jahr 2022 abgeschlossen haben. Samsung Electronics hat den Bericht vage dementiert (es gab ein Interview der IT Chosun mit dem Präsidenten von Samsung Electronics, der sagte, dass es "nur Gerüchte" seien - Anm. B. Raikes). Allerdings haben sich Samsung Electronics und LG Display seit über einem Jahr regelmäßig getroffen, um über den Kauf von OLED-Panels durch Samsung Electronics zu verhandeln.

Präsident Han Jong-hee (links) von Samsung Electronics and Präsident Choi Joo-seon von Samsung Display.

(Bild: Quelle: ETNews)

Der letzte Knackpunkt war die Marketingstrategie: Samsung kritisiert seit Jahren die Alterungsprobleme und geringeren Leuchtdichten der OLEDs von LG, während LG mit dem schlechteren Kontrast, der geringeren Farbqualität und den langsameren Reaktionszeiten der Samsung-LCDs kontert. Die Unternehmen konnten sich nicht darauf einigen, wie sich diese Marketingstrategien zurücknehmen lassen.

Angesichts der aktuellen Kapazität bei LG Displays würde die zusätzliche Nachfrage von vier Millionen Panels die gesamte Produktion für LG Electronics, Sony und Samsung Electronics um rund 30 Prozent übersteigen – ganz zu schweigen von den Bedürfnissen der übrigen 15 TV-Markenhersteller. LGD würde der Auftrag helfen, die Erweiterung der Generation 8.5-Fabrik im südkoreanischen Paju um 30.000 Substrate/Monat zu rechtfertigen und das leere Gen-10.5-Gebäude in Paju auszustatten. LG Displays Fortschritte beim Testen des Tintenstrahldruckerverfahrens für OLEDs (IJP) verkompliziert das Ganze allerdings, weshalb sich der Kauf von Equipment (möglicherweise von Tokyo Electron) verzögern könnte.

SDC kann die Aktion von Samsung Electronics positiv sehen, da sie Samsungs Einstieg in den OLED-TV-Markt beschleunigt, während das Unternehmen auf die Ergebnisse des QD-OLED-Experiments wartet. Alternativ könnte man die Aktion aber auch als Zweifel von Samsung Electronics an der SDC-Strategie sehen, da QD-OLEDs hinter dem Zeitplan zurückliegen und auch teurer sind als OLED-Panels von LGD – die sogar noch günstiger wären, wenn LG Display eine Gen-10.5-Fab für Ink Jet Printing hätte.

Für Samsung Electronics ist es von größter Wichtigkeit, sich bei den LCD-Kapazitäten aus Chinas Würgegriff zu befreien. Nach dem aktuellen Stand wird es noch Jahre dauern, bis die MikroLED-Technik in Preisregionen von 2000 bis 4000 Dollar ankommt. Das wird aber nötig sein, um im High-End-Fernsehmarkt konkurrieren zu können (wenn überhaupt).

Jüngst stellte Samsung seinen MikroLED Consumer TV vor, ein 110-zölliges 4K-Gerät für stolze 155.000 US-Dollar (150.000 Euro).

Sollte es bis 2025 dauern, einen wettbewerbsfähigen Preis von 4000 US-Dollar für ein 65"-MikroLED-TV mit 8K-Auflösung zu erreichen, und machen die MikroLEDs dabei 80 Prozent der Panelkosten aus, müssten die LED-Emitter in den nächsten vier Jahren um 99 Prozent gegenüber den heutigen MikroLED-Kosten fallen. Offensichtlich braucht Samsung Electronics einen Back-up-Plan!

Dieser Artikel erschien zuerst auf Display Daily

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(uk)