Satellitenbilder zeigen: Zerstörung des Amazonas erreicht 2022 tragischen Rekord

Die Zerstörung des Regenwalds im brasilianischen Amazonasgebiet hat 2022 bereits in der ersten Jahreshälfte alle Rekorde gebrochen, wie Satellitenbilder zeigen.

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Das Schwinden des Regenwalds im Amazonasgebiet erreicht 2022 einen traurigen Rekord.

(Bild: BATMANV / shutterstock.com)

Von
  • Kathrin Stoll

Satellitenbilder sollten dabei helfen, die letzten unberührten Wälder der Erde vor illegaler Abholzung zu schützen. Sie zeigen: Zwischen Januar und Juni 2022 wurden 4000 Quadratkilometer Wald im Amazonasgebiet zerstört. Das entspricht fünf Mal der Fläche von New York City.

Der Rückgang des Amazonas wird seit sieben Jahren mithilfe von Satelliten erfasst. Bisher war er in keinem Halbjahr seit Beginn der Aufzeichnungen nach dieser Methode größer.

Für die derzeitigen Rekordwerte gibt es offenbar zwei Hauptgründe. Im Juni 2022 gab es ungewöhnlich viele Brände, die in einem solchen Ausmaß und Intensität eigentlich eher im August oder September entstehen. Während der ersten Jahreshälfte herrscht im Amazonas Regenzeit. Zusätzlich wurde ungewöhnlich viel Wald gerodet. Traditionell ist auch die Abholzung in der zweiten Jahreshälfte höher. Während der trockeneren Zeit ist es einfacher, abgelegene Gebiete über unbefestigte Straßen zu erreichen.

Im Oktober finden in Brasilien die Präsidentschaftswahlen statt. Der amtierende Präsident Jair Bolsonaro wird für eine zweite Amtszeit kandidieren.

In der ersten Jahreshälfte des Jahres 2018, dem Jahr vor Bolsonaros Amtsantritt, war die abgeholzte Fläche laut der brasilianischen NGO IPAM – die Abkürzung steht für Amazon Environmental Research Institute – rund 80 Prozent kleiner. Während seiner Amtszeit wurden riesige Flächen Regenwald zugunsten von Landwirtschaft und Rinderzucht gerodet. Landwirtschaftliche Produkte und Rindfleisch zählen zu Brasiliens wichtigsten Exportprodukten.

Gegenüber AP sagte IPAMs wissenschaftliche Leiterin, Ana Alencar: „Diejenigen, die den Amazonas kontrollieren, wollen ihn nicht erhalten.“ Der Wald habe im heutigen Amazonasgebiet keinen Wert mehr.

Der größte Raubbau fand 2022 im Bundesstaat Amazonas statt. In der Vergangenheit hatten die Bundesstaaten Para und Mato Grosso den größeren Verlust an Waldfläche zu verzeichnen. Amazonas liegt tief im Regenwald und war bisher im Vergleich zu anderen Amazonasgebieten relativ unberührt geblieben.

Der Amazonas gilt als komplexes Ökosystem und ist Lebensraum zahlreicher gefährdeter Arten und indigener Völker.

(kst)