Problem-App im App Store soll Millionen eingebracht haben

Ein Programm mit einem 10 Euro pro Woche teuren Abo wird dank angeblich gefälschter Reviews viel verwendet. Das hat ein Entwickler entdeckt.

Lesezeit: 3 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 26 Beiträge

(Bild: IB Photography/Shutterstock.com)

Update
Von
  • Ben Schwan

Im App Store kursiert einmal mehr ein Programm unter Scam-Verdacht, mit dem – von Apple bislang unbehelligt – offenbar Millionen verdient wurden. Das kritisiert der bekannte Entwickler Kosta Elftheriou auf Twitter. Bis zu 13 Millionen US-Dollar sollen die Macher hinter einem Werkzeug demnach kassiert haben, das Lautsprecher im Umfeld über Bluetooth zusammenschalten soll, "um den Klang zu boosten". Die App, die über Jahre kostenlos war, verlangt mittlerweile einen Abopreis von 10 US-Dollar pro Woche, die nach einer nur dreitägigen Probephase eingezogen werden.

Die Macher hinter der problematischen App hoffen anscheinend, dass den Kunden die absurd hohe Gebühr nicht auffällt und sie das Abo zunächst weiterlaufen lassen. Es lässt sich wie üblich über die Einstellungen auf iPhone, iPad oder Mac per Klick kündigen – wie unter den Apple-Betriebssystemen vorgesehen. Das kritisierte Programm soll laut Elftheriou über 50.000 Bewertungen haben, die ein Gesamtrating von 4,3 Sternen ergeben – besser als Apples hauseigene Musik-App.

Viele davon sind angeblich gefälscht, ohne dass Apple dagegen vorgeht – oder sie stammen noch aus der Zeit, als das Tool kostenlos war. Aktuelle "echte" Reviews fallen hingegen zumeist negativ aus und fordern Apple sogar dazu auf, die App zu entfernen. Im US-App-Store erreichte das Programm zwischenzeitlich Platz 18 in der Musik-Sektion.

Der Fall des teuren "Lautstärke-Boosters" ist bei Weitem nicht das erste Mal, dass es solche umstrittenen Programme durch Apples App Review schaffen. Eleftheriou ist seit Jahren als App-Store-Kritiker bekannt, legt immer wieder Scam-Programme offen und liegt mit Apple zudem in einem direkten Rechtsstreit um Betrugsfälle in dem Online-Laden, die ihn selbst betroffen haben, weil eine seiner Apps einfach kopiert und teuer verkauft worden war.

Mehr von Mac & i Mehr von Mac & i

Noch in dieser Woche gab es zudem Vorfälle mit Klonprogrammen des aktuell beliebten Spiels "Wordle", die den App Store überfluteten. Während das Original kostenlos im Web zu zocken ist, bauten es Entwickler – auch unter dem Originalnamen – nach und verkauften es samt In-App-Abos über Apples Softwareladen. Mittlerweile soll der Konzern die Klon-Apps allerdings gelöscht haben.

[Update 13.01.22 10:24 Uhr:] Die Entwickler der umstrittenen Anwendung haben sich mittlerweile mit einem Statement gegenüber US-Medien gemeldet. Ihrer Ansicht nach ist die Preisgestaltung "transparent". Der durchschnittliche jährliche Abopreis liege über die Nutzer verteilt "bei rund 75 US-Dollar". Man habe das Feedback aber "laut und deutlich" gehört. Man habe in der Vergangenheit "mit externen Beratern" gearbeitet, die bei Marketing und "App-Store-Optimierung" geholfen hätten. "Hier gibt es Bedarf für mehr Aufsicht, daran arbeiten wir gerade." (bsc)