"Schädliche Wirkungen": Disney versieht mehrere Filmklassiker mit Warnhinweis

Disney zeigt bei manchen älteren Titeln seines Streamingdienstes einen Hinweis, wenn Stereotype und herabwürdigende Darstellungen enthalten sind.

Lesezeit: 2 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 317 Beiträge

Auf Disney+ wird vor manchen Filmen ein Hinweis gezeigt, der vor rassistischen und anderen Stereotypen warnt.

(Bild: Disney / The Walt Disney Company)

Von
  • Tilman Wittenhorst
Inhaltsverzeichnis

Der Unterhaltungskonzern Disney hat die Filme in seinem Streamingangebot Disney+ einer kritischen Prüfung unterzogen und versieht manche nun mit einem ausführlichen Warnhinweis, der auf enthaltene rassistische Stereotype und ihre negativen Auswirkungen auf die Gesellschaft aufmerksam macht. Anstatt solche Filme mit umstrittenen Darstellungen zu löschen, will Disney sie im Programm behalten und mit dem Hinweis zu einer Diskussion anregen, schreibt das Unternehmen.

heise online daily Newsletter

Keine News verpassen! Mit unserem täglichen Newsletter erhalten Sie jeden Morgen alle Nachrichten von heise online der vergangenen 24 Stunden.

Bereits Ende vergangenen Jahres hatte Disney manche Filme mit einer knappen und wenig aussagekräftigen Angabe versehen: "Dieses Programm wird so gezeigt, wie es ursprünglich erstellt wurde. Es kann veraltete kulturelle Darstellungen enthalten." Vor kurzem aber erweiterte und präzisierte das Unternehmen den Text und richtete außerdem eine Webseite ein, die den Schritt ausführlich begründet.

Der neue Hinweis lautet: "Dieses Programm beinhaltet negative Darstellungen und/oder Misshandlung von Menschen oder Kulturen. Diese Stereotype waren damals falsch und sind heute falsch. Anstatt diese Inhalte zu entfernen, wollen wir ihre schädliche Wirkung anerkennen, aus ihnen lernen und Gespräche anregen, um eine stärker integrative, gemeinsame Zukunft zu schaffen."

Zu einigen bekannten Filmklassikern erklärt Disney in dem Beitrag auch, warum dieser Hinweis beim Streamen vorgeschaltet wird. Im Zeichentrickfilm "Aristocats" von 1970 etwa werde eine "chinesische" Katze mit schrägstehenden, schmalen Augen und Hasenzähnen charakterisiert; sie spiele zudem Klavier mit Stäbchen und die Singstimme stamme von einem weißen Schauspieler, der einen asiatischen Akzent nachahme. Dies sei ein stereotypes Bild ostasiatischer Menschen als "immerwährender Ausländer". Außerdem enthalte der Film Dialogpassagen, die die chinesische Sprache und Kultur verspotteten.

Weitere Zeichentrickfilme, denen der Hinweis vorgeschaltet wird: "Peter Pan" (1953) enthalte stereotype Darstellungen amerikanischer Ureinwohner, die als "Rothäute" bezeichnet würden; außerdem persifliere die Titelfigur Kleidung und Verhalten der Ureinwohner und verhöhne sie dabei. In "Dumbo (1941) spiele die Gruppe der Krähen auf bestimmte musikalische Revuen an, in denen weiße Sänger mit schwarz geschminkten Gesichtern und in Lumpen sich über afroamerikanische Sklaven auf den Plantagen der US-Südstaaten lustig machten.