Scharfe Kritik an Luca-App nach Zeugensuche der Polizei

Nachdem die Mainzer Polizei Daten aus der Luca-App zur Zeugensuche in einem Fall missbraucht hatte, hagelt es erneut scharfe Kritik an der Tracking-App.

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(Bild: Camilo Concha/Shutterstock.com)

Von
  • Bernd Mewes

Politiker von Grünen und FDP rufen dazu auf, die Luca-App von Smartphones zu löschen, und fordern, den auslaufenden Vertrag mit der Culture4Life GmbH – dem Unternehmen hinter der Luca-App – nicht zu verlängern. Die Landesregierung von Baden-Württemberg will die Zusammenarbeit fortsetzen.

Vorausgegangen waren erneut Bedenken, als die Mainzer Polizei für das Auffinden von Zeugen bei Ermittlungen auf Daten von Nutzern der Luca-App zugegriffen hatte. Daniel Karrais, der digitalpolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion Baden-Württemberg, kritisierte die Datenschutz- und Sicherheitsprobleme der App. Weiter würden die baden-württembergischen Gesundheitsämter die Daten kaum noch zur Kontaktverfolgung nutzen, auch die Gastronomie verzichte weitgehend.

"Was die Warnung und die Nachverfolgung angeht, ist die Luca-App mausetot", sagte Alexander Salomon, netzpolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion im Landtag von Baden-Württemberg. Für die einjährige Nutzung der Software bis März zahle das Land einen Betrag von 3,7 Millionen Euro, erklärte Karris. Die offizielle Corona-Warn-App (CWA) sei eine gute Alternative. Seit einiger Zeit bietet auch die CWA Check-in-Funktion für Veranstaltungen und Gastronomie.

"Deinstalliert die #LucaApp. Sofort. Und dann umgehend die #coronawarnapp nutzen", twitterte Salomon am Samstag, Karris stimmte ihm auf Twitter zu.

Auch die Piratenpartei Rheinland-Pfalz fordert, dass der Vertrag der Luca-App mit dem Land nicht für ein weiteres Jahr verlängert wird. Die Kosten stünden in keinerlei Relation zum bisherigen Nutzen, zudem würden durch die Datensammlung Begehrlichkeiten seitens der Behörden geweckt, die nicht mit dem Grundgesetz und einem rechtsstaatlichen Verständnis vereinbar seien, heißt es in einer Mitteilung der Piratenpartei.

Der aktuelle Vorfall sei lediglich der jüngste "in einer Reihe von Flops im Zusammenhang mit der Luca-App", so die Piratenpartei weiter. "Das Vertrauen in die Luca-App war und ist grob fahrlässig." Warnungen und Hinweise der Partei und entsprechende Hinweise zahlreicher Organisationen wie dem CCC seien von der Landesregierung vehement beiseite gewischt worden. Die Empfehlung der Piraten lautet ebenfalls CWA – mit ihr stehe "eine weitverbreitete, lizenzfrei nutzbare, offene und datenschutztechnisch unbedenkliche Alternative" zur Verfügung. Auch der Bundestag empfiehlt die CWA zur Kontaktverfolgung.

(bme)