Schlafender Tesla-Fahrer muss vor Gericht

Ein Kanadier stellt seinen Tesla auf Autopilot, rast den Highway hinunter, und legt sich schlafen. Nun drohen ihm zehn Jahre Haft.

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Rasender Tesla S auf dem Highway 2 in Alberta, Kanada. Darin zwei schlafende Wichte (nicht im Bild).

(Bild: RCMP)

Von
  • Daniel AJ Sokolov

So etwas hatte die königlich-berittene Polizei Kanadas (RCMP) noch nicht gesehen: Ein Auto ohne Insassen rast mit 140 km/h Albertas Highway 2 hinunter, obwohl nur 110 km/h erlaubt sind. Ein Verkehrspolizist nimmt Verfolgung auf, mit Blaulicht. Weiter voraus fahrende Fahrzeuglenker machen folgsam Platz. Da beschleunigt das verfolgte Auto, ein Tesla S, auf 150 km/h.

Am Ende der Verfolgungsfahrt am 9. Juli stellt sich heraus, dass der Tesla durchaus Insassen hat. Der 20-jährige Lenker aus der Nachbarprovinz Britisch-Kolumbien hatte allerdings den irreführend als "Autopiloten" vermarkteten Fahrerassistenten aktiviert, seinen Sitz flach- und sich darauf schlafen gelegt. Detto der Beifahrer.

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Deswegen sah es von außen so aus als sei das Auto leer. Und als die vorausfahrenden Fahrzeuge zur Seite wichen, sah der "Autopilot" freie Bahn. Er beschloss, zu beschleunigen. Das Einsatzfahrzeug ignorierte der Computer.

Eigentlich soll der Tesla-Computer laufend sicherstellen, dass der Chauffeur bei der Sache ist. Der "Autopilot" ist nämlich kein automatischer Pilot. Immer muss ein Mensch am Steuer sitzen, den Computer überwachen und aus dem Fenster schauen. Allerdings ist diese Sicherheitsfunktion nicht trottelsicher. In diesem Fall war offenbar nachträglich eine Umgehungsvorrichtung installiert worden.

Der Kanadier bekam zunächst nur einen Strafzettel wegen Schnellfahrens und ein 24-stündiges Fahrverbot wegen Müdigkeit am Steuer. Am Donnerstag hat die RCMP aber mitgeteilt, dass Anklage wegen Gefährlichen Fahrens erhoben wurde. In Kanada ist das ein strafrechtliches Delikt (Criminal Code s. 320.13 (1)), auf das bis zu zehn Jahre Haft stehen. Verhandelt wird im Dezember.

Ein Verein von Tesla-Besitzern Albertas reagierte gegenüber dem öffentlichen kanadischen Rundfunk CBC entrüstet auf den Vorfall. Denn verantwortungslose Hacks zum Missbrauch von Tesla-Technik bringe alle anderen Tesla-Fahrer in Verruf.

(ds)