Schluss mit Cloud und Support für Osrams smarte Lightify-Leuchtmittel

Ab September wird das Smart-Home-Lichtsystem dümmer, weil der Hersteller dessen Server abstellt. Lokal lässt es sich aber vorerst weiter per App bedienen.

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(Bild: Osram)

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  • Berti Kolbow-Lehradt
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Osram läutet für den smarten Teil seines Lightify-Systems jetzt das Ende ein. Am 31. August schaltet die Firma die entsprechenden Cloud-Server ab. Danach lassen sich die zentrale Steuereinheit namens Lightify-Gateway und die damit verbundenen ZigBee-Leuchtmittel nicht mehr außerhalb des WLAN-Heimnetzes anfunken, per Sprachbefehl bedienen und mit den Clouds von Dritthersteller vernetzen. Gleichzeitig verkündet Osram das Support-Ende für Geräte-Firmware und die Steuer-App.

Wer die Leuchtmittel weiterverwenden möchte, sitzt nach dem Stichtag aber nicht zwangsläufig im Dunkeln. Sie sind nicht automatisch Elektroschrott, sondern lassen sich eingeschränkt weiternutzen.

Außer in einem Abschiedshinweis zum Lightify-System beschreibt der Hersteller in einer Funktionsübersicht, wie die Komponenten nach dem Stopp der Smart-Home-Server noch steuerbar sind. Namentlich kappt Osram den Kontakt zu Amazon Alexa und Google Home, wodurch ab dem 1. September Sprachbefehle passé sind. An anderer Stelle kündigt der Hersteller das Ende des Fernzugriffs an, so dass auch Funkstille herrscht, wenn die Leuchtmittel auf andere Weise über nicht näher genannte Cloud-Schnittstellen mit Dritthersteller-Apps gekoppelt sind.

Lokale Bedienfunktionen sind nicht betroffen. Die Lightify-Leuchtmittel lassen sich demnach vorerst auch weiterhin per App einzeln oder in Gruppen ein- und ausschalten, dimmen, färben sowie mit Lichtszenen und Timern programmieren. Steuerzubehör wie Schalter und Steckdosen bleiben ebenfalls erreichbar. Die Option, ein Gateway nach einem Reset wieder einzurichten und damit neue Geräte anzulernen, bleibt laut Funktionsübersicht bestehen.

Der Liste zufolge stellt Osram sogar in Aussicht, Firmware-Updates für das Gateway und die schaltbaren Komponenten prinzipiell weiter liefern zu können. Das steht nicht zwingend im Widerspruch zum Abschalten der für die Smart-Home-Funktionen zuständigen Cloud-Server. Um neue Software zu verteilen, reicht dem Hersteller ja eine Verbindung zu einem Wartungsserver, der nicht mit einem persönlichen Nutzerkonto verknüpft ist. Das ist nach dem 1. September aber wohl nur Theorie. Denn wiederum auf der Developer-Seite von Lightify schreibt Osram: "Ab diesem Zeitpunkt werden auch keine Updates mehr erscheinen."

Eine Zukunft hat das System unter Osram definitiv nicht. Der Konzern hat sich 2016 aus dem Geschäft mit smarten Konsumentenprodukten verabschiedet und dieses an das Unternehmen Ledvance übergeben.

Ledvance verkauft nun unter der Produktmarke "Smart+" Leuchtmittel und Schaltkomponenten, die zu Lightify-Modellen baugleich sind und ebenfalls mit ZigBee funken. Eine passende Steuerzentrale bietet das Unternehmen nicht. Vielmehr hat es parallel ein Sortiment mit WLAN aufgebaut, das generell keine Vermittlungsstelle zum Router braucht.

Das Lightify-Gateway hat keine der Parteien vorangetrieben, sodass die betagte Technik nicht mehr mit der Evolution von ZigBee und heute üblichen Schaltzeiten Schritt halten könne. Jetzt sei das Gateway so veraltet, dass die Anschlussfähigkeit an andere Smart-Home-Systeme nur mit unangemessen hohem Aufwand aufrechtzuerhalten wäre, begründet Osram das Aus für Serverbetrieb und Support.

Wer das Lightify-Gateway weiterverwenden möchte, sollte bis zum 31. August zwingend die aktuelle Firmware aufspielen, rät Osram. Steuereinheiten mit Versionen älter als 1.1.3.53 verweigern sonst nach dem Abschalten der Cloud ihren Dienst. Wichtig ist auch ein Update der Steuer-App, wenn eine Version älter als 2.1.0 installiert ist.

Generell ist zu empfehlen, die Steuer-App auf die zuletzt veröffentlichte Version 4.0.4 zu aktualisieren, damit sie so lange wie möglich zu Android und iOS kompatibel bleibt. Ab dem 1. September will sich Osram ausdrücklich nicht mehr darauf festnageln lassen, dass die Anwendung auf künftigen Generationen der Betriebssysteme läuft.

Diese Aussagen unterstreichen, dass Nutzer nach dem Stichtag mit keinerlei Herstellersupport mehr rechnen sollten. Doch weil Lightify auf den grundsätzlich offenen Funkstandard ZigBee basiert, sind sie nicht auf Osrams Gateway und Software angewiesen.

Die Leuchtmittel lassen sich auch mit anderen ZigBee-Gateways verknüpfen. Beispielsweise sind sie bisher problemlos mit der Hue Bridge koppelbar und sprechen auch auf praktisch alle Funktionen der Steuer-App an. Dass die Kompatibilität bestehen bleibt, wenn Philips Hue das eigene Gateway weiterentwickelt, ist aber nicht gegeben. Firmware-Updates für Komponenten von Dritthersteller gibt es darüber bisher nicht.

(tiw)