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Erinnern Sie sich? Verschwundene Marken aus der Welt der Fotografie (Update)

Aktuell zieht sich Samsung aus dem deutschen Fotomarkt zurück und folgt damit vielen anderen Marken. Manche Produkte tauchen heute noch als Gebrauchte auf Flohmärkten und Fotobörsen auf. Manche werden vermisst und andere sind eher heimlich verschwunden. Eine Übersicht von A biz Z.

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Mit dem Ende der Samsung-Fotosparte verschwindet gerade eine noch ziemlich junge Marke aus dem Fotohandel. Solch ein Verschwinden einer Marke ist jedoch keine neue Erscheinung, soetwas hat sich in den vergangenen Jahren mehrfach abgespielt, wenn auch der Abschied nicht immer so abrupt war, wie bei Samsung. Meist verlief er eher schleichend und wurde erst bemerkt, wenn es kaum noch Spuren gab.

Verschwundene Fotomarken (7 Bilder)

Balda Baldina (Springtubus) (Bild: Kurt Tauber, Kameramuseum)

In der Folge sollen in einem keinesfalls vollständigen Überblick Marken genannt werden, die in den letzten Jahren aus dem Fotohandel verschwunden sind. Manche Marken, wie die frühere Frankfurter Marke Adox kamen nach vielen Jahren mit eigenen Produkten wieder auf den Markt zurück. Andere kommen in irgendwie so ähnlicher Form wieder. So nimmt die von der Stuttgarter Semi-Verwaltung registrierte Marke Meyer-Optik-Görlitz der den Klang der Marke Meyer-Optik der früheren Optisch-Mechanischen Industrie-Anstalt von Hugo Meyer in Görlitz wieder auf und sieht sich in deren Tradition.

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Manch andere Marke wie AgfaPhoto oder Kodak sind zwar noch da, aber inzwischen nur noch ein Schatten ihrer früheren Bedeutung. Andere Marken finden sich heute wie Polaroid auf allen möglichen Produkten bis hin zur Energiesparlampe.

Hier eine alphabetische Übersicht über einige verschwundene Firmen- und Produktnamen, wobei die hinterlegten Links auf eine entsprechende eBay-Suche führen. Einen ausführlichen Artikel über Analogkameras im Digitalzeitalter ist in der c't Fotografie 6/15 erschienen. Besonderen Dank auch an Kurt Tauber vom Kameramuseum Plech für die Bilder.

A.Schacht war ein Objektivhersteller in Ulm. Das Werk ging später auf Mannesmann und seinen Druckerhersteller Mannesmann Tally über. Die Maschinen der optischen Fertigung gingen an Will Wetzlar, die 1988 Teil der Helmut Hund GmbH wurde.

Die Argenta-Fabrik photographischer Papiere in München-Pasing hat die Produktion schon vor vielen Jahren eingestellt.

Balda war die Marke der Kameraproduktion von Max Baldeweg in Dresden, der nach dem Krieg in Bünde eine neue Kamerafertigung aufgebaut hatte. Balda produzierte neben den unter eigener Marke verkauften Produkten auch für Minox, Ernst Leitz sowie Voigtländer/Rollei/Plusfoto. Die Nachfolger des heute in Bad Oyenhausen angesiedelten Unternehmens haben sich aus dem Fotosegment zurückgezogen und die Werkzeuge der letzten analogen Kleinbildkamera nach China verkauft, wo sie eine Zeit lang unter dem Namen Yangtse-Balda noch produziert wurde.

Biogon war der Name eines Weitwinkelobjektivs von Carl Zeiss.

Die Braun AG in Frankfurt/Kronberg war im Fotobereich in der Hauptsache für Blitzgeräte und Diaprojektoren bekannt. Die Blitzgerätesparte wurde später zusammen mit den Schmalfilmkameras der Münchener Marke Nizo an Bosch verkauft, die auch die Marke Bauer besaßen.

Carl Zeiss wurde vom Optik-Konzern Carl Zeiss über Jahrzehnte als Marke für seine Objektive genutzt. Inzwischen wird die Marke unter Verzicht auf den "Carl" auf Zeiss umgestellt.

Cenei war eine Marke von Carl Neithold, einem Hersteller von Fotozubehör wie Filter und Diabetrachter in Frankfurt und später in Schwalbach im Taunus.

Cibachrome später Ilfochrome war die Marke eines 1960er Jahren vom Schweizer Chemikonzern Ciba-Geigy entwickelten und im schweizerischen Marly produzierten Fotopapiers für die direkte Ausbelichtung von Dias. Die Produktion wurde eingestellt. Die Herstellerfirma ist insolvent.

Contaflex und Contarex waren Marken für Kameras der früheren Zeiss Ikon AG.

Contax ist eine Marke, die für Carl Zeiss in über 50 Ländern noch registriert ist und die bis 2005 von Kyocera für Kameras genutzt wurde. Derzeit wird die Marke Contax nicht genutzt.

Dacora war der Markenname des von Bernhard Dangelmaier in Reutlingen gegründen Kameraherstellers. Die Dacora - Kamerawerk GmbH stellte jedoch 1972 die Produktion von Kameras ein. Eine Wiederbelebung wurde später unter der Regie des Nürnberger Diaprojektorenherstellers Weber versucht, damals mit der Weber SL75 auch die letzte Contarex-Entwicklung übernehmen wollte.

Duolux Hiller war ein Blitzgerätehersteller aus Dornstetten im Nordschwarzwald, der seine Fertigung nach Hongkong verlegte und dann wenige Jahre später vom Markt verschwand.

Edixa war die Marke des Wiesbadener Kameraherstellers Gebrüder Wirgin. Die Produktion wurde 1971 eingestellt. Die Marke Edixa wurde später als Handelsmarke genutzt.

Enna war eine Münchener Objektivmarke. Das Unternehmen war auch für seine Diaprojektoren bekannt, deren Vermarktung später jedoch auf die Carl Braun Phototechnik in Nünberg übertragen wurde. Produziert werden Diaprojektoren von dem inzwischen in Wegscheid bei Passau angesiedelten Unternehmen auch heute noch, jedoch nicht mehr unter der eigenen Marke verkauft.

Futura war die Marke einer Messsucherkamera, die in den 1950er-Jahren von Fritz Kuhnert in Freiburg/Gundelfingen produziert wurde.

Hanimex war die Vertriebsmarke des nach Australien ausgewanderten Deutschen Jack D. Hannes. Das Unternehmen produzierte Diaprojektoren in Australien und in Cork/Irland. In den USA vertrieb man Praktica-Kameras und in Europa Wechselobjektive und Blitzgeräte. Später übernahm man die Kalifornische Firma Vivitar und wurde selbst von der japanischen Fujifilm übernommen. Die Marke Hanimex wird nicht mehr genutzt. Das "H"-Logo nutzt heute der australische Yachthändler Premier Marine von Steve Hannes.

Isco-Göttingen und seine Projar-Objektive waren zu Zeiten der Diaprojektion aus kaum einem Haushalt wegzudenken. Die Marke war danach im Bereich der Kino-Projektion noch aktiv und fiel zuletzt den Umstrukturierungen der Bad Kreuznacher Jos. Schneider-Gruppe zum Opfer.

Miranda war die Marke eines gleichnamigen japanischen Kameraherstellers, der in den USA von AIC (Allied Impex Corp.) erst vertrieben und dann auch erworben wurde. AIC war die Gründung von Victor und Ben Silverman. Bruno Multer und Ralph Lowenstein, die als deutsche Juden vor den Nazis geflohen waren. Nach dem Ende der Kameraproduktion bei Miranda kam die Marke zu einer Vertriebsgesellschaft in Nürnberg, die verschiedene japanische Fotoprodukte unter dieser Marke sowie die Anfänge der Exakta 66 begleitete. Später erwarb die inzwischen insolvente Dixons-Gruppe in Großbritannien die Marke Miranda. Sie wird inzwischen jedoch nicht mehr genutzt.

Noblex ist eine Marke der Kamerawerke Dresden für analoge Panoramakameras für Kleinbild und Mittelformat. Die Produktion ist eingestellt, die Werkzeuge verschrottet.

Paffrath & Kemper (PK euroblitz) war die Marke eines Kölner Blitzgeräteherstellers, der für siene Ringblitze bekannt war und später von Kindermann in Ochsenfurt übernommen wurde.

Phenix ist die Marke des chinesischen Kameraherstellers Phenix Optical Instrument Company, der auf der Basis der von Kyocera übernommenen Werkzeuge für die Yashica FX-3 nicht nur als verlängerte Werkbank an Kyocera lieferte, sondern in der Folge zahlreiche SLR-Kameras unter den Marken Kenko, Braun, Seagull, Jessops, Popcon, etc. lieferte. Auch die kleinste japanische Kameramarke Yasuhara kooperierte mit Phenix. Für die Lomografische Gesellschaft in Wien soll Phenix die Lomo LC-A+ produzieren. Unter der eigenen Marke Phenix werden in Deutschland keine Fotoprodukte mehr angeboten.

Die Plawa Feinwerktechnik in Uhingen war ein Hersteller von Filmspulen und Diarähmchen, importierte Diaprojektoren der französischen Firma Presinox unter dem Namen Condor und war später Importeur von Polaroid- und AgfaPhoto-Digitalkameras. Plawa musste Anfang 2014 Insolvenz anmelden. Wenn man wie geplant 1916 die Insolvenz verlassen kann, liegt der Schwerpunkt des Unternehmens jedoch nicht mehr im Bereich der Fototechnik, sondern bei Küchenmaschinen.

Die ebenfalls aus Dresden stammende Marke Praktica gehörte zuletzt zur Schneider-Kreuznach-Tochter Pentacon. Der Vertrieb von Produkten der seit 1949 bestehenden Marke Praktica wurde im Sommer 2015 aufgegeben. Die Marke wurde nach Großbritannien verkauft, wo es noch ein früheres Tochterunternehmen gleichen Namens gibt.

Revue war eine Marke der mit dem Untergang der Arcandor AG vom Markt verschwundenen Foto Quelle. Seine Kameras bezog Foto-Quelle von Alpa, Konica, Praktica, Yashica, Chinon und Cosina.

Der Zubehörhersteller Rowi (Robert Widmer) International in Neuburg an der Donau stellte im Jahre 2004 den Betrieb ein.

Sakura war die Filmmarke von Konishiroku Photo Industry, die sich später mit Minolta zu KonicaMinolta zusammenschlossen und die Filmgießanlagen an DNP (Dai Nippon Printing) verkauften, die inzwischen jedoch die Produktion von Fotofilmen einstellten.

Schiansky war ein Münchener Hersteller von Neigern, Kugelköpfen und Stativen aus Aluminium-Profil.

Seagull ist eine chinesische Marke, die im Raum Shanghai von mehreren Unternehmen für fototechnische Produkte genutzt wurde. Zum Ende der Hochzeit der analogen Kameras hat Seagull auch Kameras der Marke Minolta produziert. Die zweiäugigen Mittelformatkameras von Brenner in Weiden wurden auch von einem der Seagull-Unternehmen produziert.

Die Marke Soligor war ursprünglich der Name der von AIC aus Japan importierten Wechselobjektive und wurde später auch zum Firmennamen der deutschen Vertriebsfirma in Leinfelden-Echterdingen. Nach der Insolvenz der zuletzt zur Hongkonger Maxwell-Gruppe zählenden Soligor GmbH im Jahre 2011 wurde die Marke von der Sphere Vertriebs GmbH genutzt, hinter der die Polat Fotorafcilik in Istanbul stand. Inzwischen wird die Marke in Deutschland jedoch nicht mehr genutzt .

Tura war ein Hersteller von Filmen und Fotopapieren in Düren-Mariaweiler mit der einprägsamen Adresse An Gut Nazareth 18. Das teilweise unter Denkmalschutz stehende ehemalige Tura-Werk soll künftig wieder gewerblich und durch Wohnbebauung genutzt werden.

Unomat war ein Hersteller von Fotozubehör und Diaprojektoren in Reutlingen. In der Folge eines Großbrandes wurde das Unternehmen insolvent. Die Markenrechte wurden 2008 von der Uhinger Plawa Feinwerktechnik ersteigert und im Herbst 2011 an die Jamaica Trading Co. LLC. in Dubai verkauft.

Vivitar war die Marke des 1938 in Hollywood gegründeten amerikanischen Vertriebsunternehmens Ponder & Best, Inc., Gründer waren die beiden vor den Nazis aus Deutschland geflohenen Juden John C. Best und sein Schwager Max Ponde. Bekannt wurde Vivitar in den 1970er-Jahren durch die Objektive der Serie 1, die mehrheitlich aus Japan bezogen wurden. Die Spiegellinsenobjektive kamen jedoch von Perkin Elmer aus US-amerikanischer Produktion.

Vredeborch war die Marke des gleichnamigen Kamerahersteller aus Nordenham, der zuletzt auch Diabetrachter für die damals noch deutsche Marke Hähnel produzierte, 1986 jedoch Insolvenez anmelden musste.

Weber war ein Nürnberger Hersteller von einfachen Diaprojektoren für Foto-Quelle. Später hat man auch für Porst und Soligor produziert und über Batavia unter eigenem Namen verkauft. Ein geplanter Überblendprojektor ging jedoch ebensowenig in Serie wie die Spiegelreflexkamera Weber Sl75 aus dem Nachlass von Zeiss Ikon.

Die japanische Marke Yashica , die 1983 vom Industriekeramikkonzern Kyocera übernommen wurde, hatte noch ein kurzes Leben in Ländern wie Italien, wo für eine geraume Zeit noch vorhandenen Lieferverträge mit zugekauften Produkten erfüllt wurden. Später wurde die Marke an die MF Jebsen Group in Hongkong verkauft und über deren Tochter JNC Datum Tech International vermarktet.

Zenza Bronica war die Marke eines 1958 von Zenzaburo Yoshino gegründeter japanischer Mittelformatkameraherstellers, der später zum Sony-Konzern gehörte und 1995 an Tamron verkauft wurde. Zehn Jahre darauf wurde die Kameraproduktion eingestellt.

Zeiss Ikon wurde von Carl Zeiss bis vor Kurzem nochmals als Marke für eine von Cosina produzierte Messsucherkamera mit M-Bajonett genutzt.

Zoomar war ein Name für die Kilar-Objektive von Heinz Kilfitt, nachdem das Unternehmen in Großhessellohe von der auf Long Island/New York angesiedelten Firma Zoomar Inc, des Wieners Dr. Frank G. Back übernommen wurde. Nach dem Ende der Produktion in Deutschland wurde der Name Zoomar von Ringfoto für Voigtländer-Zoom-Wechselobjektive genutzt.

[Update 26. Dez. 2015, 12:27: Der Abschnitt über Vivitar wurde überarbeitet] (keh)