Schulalltag: Digitale Medien noch wenig genutzt, Breitband nicht für alle​

An deutschen Schulen gibt laut einer Umfrage nach wie vor viele Hürden bei der Digitalisierung und Defizite beim Online-Lernen. Der Digitalpakt greift langsam.

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(Bild: BGStock72/Shutterstock.com)

Von
  • Stefan Krempl

Trotz intensiver staatlicher Förderung durch den Digitalpakt findet digitaler Unterricht an deutschen Schulen noch nicht flächendeckend statt: An vielen Bildungsstätten ist Breitband-Internet noch nicht für alle verfügbar. Schulleitungen beklagen eine unzureichende Ausstattung der Schüler mit Laptops oder Tablets. Dies zeigt eine jetzt veröffentlichte Studie der Internationalen Hochschule (IU) in Erfurt.

Für die Analyse ließ die IU 683 Lehrer und Leitungspersonal der Schulen sowie 944 Eltern von insgesamt 1268 schulpflichtigen Kindern befragen. Weniger als die Hälfte (44,8 Prozent) der Schulvertreter gab dabei an, dass digitale Medien im Unterricht regelmäßig genutzt werden. Laut 35,1 Prozent findet dies allenfalls sporadisch statt.

2,2 Prozent des Schulpersonals bestätigten, dass Konzepte wie "Flipped Classrooms", bei denen die Schüler den Stoff eigenständig erarbeiten und abwechselnde Präsenz- und Onlinephasen zur Vertiefung genutzt werden, an ihren Einrichtungen umgesetzt werden. An jeder zehnten Schule soll aber bereits Unterricht unter hauptsächlicher Nutzung digitaler Medien erfolgen.

Aus Sicht der Eltern ist die Lücke größer: Knapp 37,9 Prozent geben an, dass ihre Kinder in der Schule mindestens regelmäßig digital und multimedial unterwegs sind. 51,6 Prozent kritisieren, dass digitale Medien in der Schule ihres Kindes zu selten verwendet werden. Außerdem wünschen sich viele eine bessere Ausstattung mit tragbaren Computern. Ihrer Erfahrung nach gibt es in 32,2 Prozent der Fälle Tablet-Klassensätze, die bei Bedarf eingesetzt werden können. 47,3 Prozent der Eltern fordern solche Geräte. Das Schulpersonal nimmt dies anders wahr: 65,8 Prozent davon meinten, ihre Klassen seien mit ausreichend Tablets ausgestattet.

98,5 Prozent der Ausbilder sagten, dass ihre Schulen mit dem Internet per Breitband verbunden sind. Diese Anschlüsse ermöglichen für 70,7 Prozent Videokonferenzen und Live-Streaming von Unterricht. Bei 68,6 Prozent gibt es Internet in allen benötigten Räumen. Die befragten Eltern erklärten, dass 93,7 Prozent der Schulen ihrer Kinder über eine Internet-Anbindung verfügen. Sie haben aber den Eindruck, dass nur in 40,6 Prozent aller benötigten Räumen Internetzugriff möglich ist.

Für 76,1 Prozent des Schulpersonals existieren in den Klassenzimmern WLAN-Zugangspunkte. Desktop-PCs oder Laptops sowie Projektoren sollen jeweils in mehr als der Hälfte der Unterrichtsräume vorhanden sein. Intelligente Tafeln (Smartboards) stehen aber nur 45,1 Prozent der befragten Ausbilder im Klassenzimmer zur Verfügung. Steckdosen an Schulpulten für Laptops oder Smartphones? Mangelware. 2,9 Prozent der Lehrer sehen hier eine ausreichende Abdeckung. Die Eltern sehen hier dementsprechend großen Nachholbedarf.

Für digitalen Unterricht muss auch das Schulpersonal in der Nutzung digitaler Medien firm sein. Dies sehen auch die befragten Mitglieder der Schulleitung so: Laut ihnen stellt die unzureichende Ausstattung der Schüler mit digitalen Geräten die größte Hürde der Digitalisierung dar (65,7 Prozent), direkt danach folgt mit 63,7 Prozent die Digitalkompetenz der Lehrer.

Die Eigenwahrnehmung der Ausbilder ist anders: 99,5 Prozent betonten, sie bewegten sich routiniert durch das Internet. 22,3 Prozent von ihnen können Inhalte für Blogs und Videokanäle erstellen, 8,1 Prozent besitzen Programmierkenntnisse. Ihr digitales Know-how erlangen die Lehrer nach eigenen Angaben vor allem im Austausch mit Kollegen (81,5 Prozent) und durch Trial-and-Error (70,4 Prozent).

"Oft werden Schulen und Kommunen von Partnern beraten, die nicht die benötigte Kompetenz an der Schnittstelle von Digitalisierung und Pädagogik besitzen", sagte Ulrike Lichtinger, IU-Professorin für Schulpädagogik. Dazu komme, dass Geräte wie Smartboards sehr komplex zu handhaben seien und nicht alle Lehrer sie verwenden könnten. Die Anschaffung auch von Ausrüstung für Schüler sei zudem ein großer Kostenfaktor und gerade für einkommensschwache Eltern eine "große Herausforderung".

Trotz des Kostenfaktors bestätigten nur 41,5 Prozent des leitenden Personals, dass ihre Schulen bereits mit Mitteln aus dem milliardenschweren Digitalpakt von Bund und Ländern arbeiten. Laut weiteren 40 Prozent wurde zumindest schon ein Antrag gestellt oder bewilligt. Bei der Ausarbeitung schulischer Digitalisierungsstrategie werden der Umfrage zufolge in 67,3 Prozent der Fälle externe Experten hinzugezogen.

(vbr)