Schusswaffen aus 3D-Drucker: Spanische Polizei hebt Werkstatt aus

Auf Teneriffa hat die Polizei schon im Herbst eine Werkstatt entdeckt, in der mit 3D-Druckern Schusswaffen hergestellt wurden. Eine Person wurde festgenommen.

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(Bild: Policía Nacional)

Von
  • Martin Holland

In Spanien hat die Polizei erstmals eine illegale Werkstatt entdeckt, in der mithilfe von 3D-Druckern Schusswaffen hergestellt wurden. Das teilten die Strafverfolger nun mit. Die Razzia in Santa Cruz de Tenerife auf Teneriffa hatte bereits im September stattgefunden, wurde aber bislang geheim gehalten. Den nun freigegebenen Informationen zufolge konnte eine Person festgenommen werden, darüber hinaus wurden demnach unter anderem zwei 3D-Drucker, 11 Filamentspulen, Dutzende Handbücher, verschiedene IT-Geräte und 19 3D-gedruckte Rahmen von Kurzwaffen sichergestellt. Außerdem fand die Polizei vor Ort Taser, eine Machete, ein Katana und Gegenstände mit rassistischer beziehungsweise nationalsozialistischer Symbolik. Sogar chemische Substanzen für die Herstellung von Sprengstoffen wurden gefunden.

Wie die Ermittlungsbehörde nun ausführt, war sie der Werkstatt auf die Spur gekommen, nachdem sie auf eine Person aufmerksam geworden war, die im Internet Einzelteile von Schusswaffen und explosive Substanzen gekauft habe. Bei insgesamt vier Durchsuchungen am 14. September wurden dann in einer der Räumlichkeiten einen 3D-Drucker vorgefunden, der dabei war, einen Rahmen für eine Schusswaffe herzustellen. Bei den sichergestellten Handbüchern habe es sich unter anderem um solche über den Guerillakampf in Städten, ein "Terroristen-Handbuch", und mehrere zum Gebrauch und zur Handhabung von Schusswaffen und 3D-gedruckten Waffen gehandelt. Beim Eigentümer der Werkstatt handelt es sich laut El País um einen 55-jährigen Spanier, der ein Altenpflegeheim leitet. Ob er auch 3D-gedruckte Waffen verkauft hat, ist demnach unklar.

Schusswaffen aus dem 3D-Drucker werden seit Jahren immer wieder heiß diskutiert, ausgelöst vor allem in Verbindung mit dem US-Amerikaner Cody Wilson. Der hatte 2013 die weltweit ersten Dateien für den 3D-Druck einer kompletten Waffe online gestellt. Damit ist es möglich, eine scharfe Pistole mit einem handelsüblichen 3D-Drucker nahezu komplett aus Kunststoff herzustellen. Solch eine Waffe ist etwa für Metalldetektoren nicht aufzuspüren. Außerdem kann die Geschichte einer solchen Waffe ohne Seriennummer nicht rekonstruiert werden. Um Wilsons Plattform gab es langes juristisches Hin und Her. Im vergangenen Jahr stellte sie 3D-Druckdateien für verschiedene Schusswaffen ins Internet, darauf zugreifen dürfen aber angeblich nur US-Amerikaner.

(mho)