Schwarzes Loch statt Planet 9: Neues Teleskop soll Gewissheit bringen

Theorien zufolge könnte sich am Rand des Sonnensystems ein Schwarzes Loch verstecken. Ein bald aktives Teleskop wird Gewissheit bringen, meinen Forscher.

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Objekte, die von dem Schwarzen Loch geschluckt werden, könnten es verraten.

(Bild: M. Weiss)

Von
  • Martin Holland

Sollte sich am Rand des Sonnensystems tatsächlich ein Schwarzes Loch und kein Planet Neun verstecken, sollte es innerhalb eines Jahres mit dem neuen Vera C. Rubin Observatory in Chile entdeckt werden. Das jedenfalls haben Forscher der Harvard-Universität in den Vereinigten Staaten ermittelt, deren Studie nun vom Fachmagazin The Astrophysical Journal Letters zur Veröffentlichung angenommen wurde. Das in Chile errichtete Teleskop wird demnach das erste sein, dass die Spuren aufglühender Objekte nachweisen kann, die in ein möglicherweise existierendes Schwarzes Loch gerissen werden.

Astronomen suchen seit Jahren nach einem bislang nur theoretisch beschriebenen neunten Planeten weit außen am Rand des Sonnensystems. Bestärkt werden sie dabei immer wieder durch die Entdeckung von Himmelskörpern mit außergewöhnlichen Umlaufbahnen, die aber durch ein massives Objekt weit außerhalb der Bahn des Neptun erklärt werden könnte. Eine systematische Suche mit dem NASA-Weltraumteleskop Wise hatte aber schon 2014 ergeben, dass kein Himmelskörper von mindestens der Größe des Saturn die Sonne in einer Entfernung von maximal 10.000 AE (Astronomische Einheiten) umkreist. Einen Planeten von der Größe des Jupiter gibt es bis in eine Entfernung von 26.000 AE nicht.

Zuletzt hatte der Vorschlag an Aufmerksamkeit gewonnen, dass es sich bei dem möglichen massiven Objekt an der Grenze des Sonnensystems nicht um einen Planeten, sondern ein Schwarzes Loch handeln könnte. Das würde erklären, warum bislang keine Lichtspur eines neunten Planeten entdeckt wurde. Vorgeschlagen wurde ein Schwarzes Loch in der Größe einer Grapefruit, das etwa die fünf- bis zehnfache Masse der Erde auf sich vereint, erklären die Harvard-Forscher nun. Es würde mehrmals jährlich Objekte aus der Oortschen Wolke einfangen, meinen sie und deren Spuren wären künftig nachweisbar.

Gegenwärtig eingesetzte Technik sei gut darin, gezielt bestimmte Punkte am Himmel zu untersuchen, das helfe bei der Suche nach einem neunten Planeten nicht, erklären die Forscher um Avi Loeb. Das Vera C. Rubin Observatory (vormals Legacy Survey of Space and Time, LSST) dagegen könne auch in einem größeren Areal die schwachen Spuren solcher Objekte registrieren, die in ein Schwarzes Loch gerissen werden, sagen sie. Das Teleskop soll noch dieses Jahr in Betrieb genommen werden. Wenn es die volle Einsatzfähigkeit erreicht hat, sollte es innerhalb eines Jahres ein mögliches Schwarzes Loch im Sonnensystem finden oder ausschließen können, so die Forscher.

(mho)