Schweden: Defibrillator für Herz-Notfall kam per Drohne

Das Startup Everdrone, das in Schweden einen Notfalldienst für Defibrillator-Lieferung per Drohne betreibt, feiert seinen ersten erfolgreichen Einsatz.

Lesezeit: 3 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 86 Beiträge

(Bild: Everdrone)

Von
  • Axel Kannenberg

Eine Drohne des Start-ups Everdrone hat bei einem Notfall im schwedischen Ort Trollhättan mit der schnellen Lieferung eines Defibrillators zur Lebensrettung eines 71-jährigen Mannes beigetragen. Der Mitteilung von Everdrone zufolge habe der Mann im vergangenen Jahr am Morgen des 9. Dezembers Schnee in seiner Einfahrt geschaufelt, als er mit einem Herzstillstand zusammengebrochen sei. Ein zufällig auf dem Weg zur Arbeit befindlicher Arzt habe das bemerkt und sich mit Wiederbelebungs-Maßnahmen um den Mann gekümmert. Eine weitere Person habe einen Notruf getätigt und die Leitstelle dann den Drohnendienst alarmiert. Drei Minuten danach habe die Drohne einen Defibrillator geliefert, den der Arzt sogleich zum Einsatz brachte.

Mit dem danach eintreffenden Rettungswagen wurde der Mann ins Krankenhaus gebracht und habe sich wieder vollständig erholt, heißt es in der Mitteilung von Everdrone. "Es fühlt sich großartig an", kommentierte der Lebensretter Dr. Mustafa Ali, von Beruf passenderweise Notarzt, den geglückten Einsatz gegenüber Schwedens öffentlich-rechtlichem Hörfunk Sverigesradio.

Everdrone betreibt seit vergangenem Jahr zusammen mit Behörden, dem staatlichen Notrufbetreiber SOS Alarm sowie der medizinischen Hochschule Karolinska-Institut in der schwedischen Provinz Västra Götaland den Drohnenlieferdienst für Defibrillatoren. Dem war eine Studie mit viermonatiger Testphase vorausgegangen. Bei 12 von 53 echten Alarmfällen seien Drohnen bei den Tests in der Luft gewesen – und in sieben Fällen schneller als der Rettungswagen am Ort des Geschehens. Eingesetzt wurden die ausgeflogenen Defibrillatoren in dieser Phase aber noch nicht. Derzeit sei Everdrone mit dem Drohnen-Notdienst an fünf Standorten präsent und könne so 200.000 Personen in Västra Götaland erreichen.

Die Überlebens-Chance für Personen, die außerhalb eines Krankenhauses einen Herzstillstand erlitten, liege bei ungefähr 11 Prozent, heißt es in der Studie zu dem Drohnensystem. Ein Rettungswagen in Schweden benötige derzeit im Schnitt 11 Minuten, um am Ziel zu sein – mit jeder Minute verringere sich die Überlebens-Chance signifikant. Möglichst frühe Herz-Lungen-Wiederbelebung sowie der Einsatz eines Defibrillators erhöhten die Chancen der Patienten. Hier könnten Drohnen mit schnellerer Anlieferung Abhilfe schaffen.

Es sei das erste Mal in der Geschichte der Medizin, dass eine autonome Drohne in der Rettung eines Herzpatienten mitwirke, hieß es von Everdrone. Laut Chef Mats Sällström gebe es aber noch viel zu optimieren, damit sich Everdrone gut in die Lebensrettungskette einfüge. "Wir arbeiten derzeit intensiv daran, wie die Notrufzentrale dem Anrufer helfen und sicherstellen kann, dass der gelieferte Defibrillator auch eingesetzt wird", sagte er dem schwedischen Technikmagazin Nyteknik.

Die Drohnen könnten laut dem Nyteknik-Bericht derzeit maximal etwa sechs Kilometer in einer Richtung fliegen, bei einer Geschwindigkeit von bis zu 60 Kilometern pro Stunde. Nachtflüge seien inzwischen auch möglich, schlechtes Wetter bleibe aber noch ein großes Hindernis.

(axk)