Schweiz: Geteilte Meinung der Bevölkerung über 5G-Netzausbau

Zehn Prozent der Schweizer sind gegen den Ausbau des 5G-Netzes, zeigt eine Online-Umfrage der ETH Zürich. Viele haben zudem Bedenken wegen der Strahlung.

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(Bild: Iaremenko Sergii/Shutterstock.com)

Von
  • Tom Sperlich

In der Schweiz hegt die Bevölkerung eine beinah exakt geteilte Meinung hinsichtlich des Ausbaus der fünften Mobilfunkgeneration (5G). Dies ergab eine repräsentative Online-Umfrage der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) im Rahmen des Schweizer Umweltpanels. Auch sonstige Antworten so zum Beispiel mit Einschätzungen zu "gefühlten gesundheitlichen Beeinträchtigungen" durch die Mobilfunktechnik sind teils bemerkenswert.

Schwerpunkt: 5G - Das Netz der Zukunft

Insgesamt haben fast alle rund 7300 Umfrage-Teilnehmer schon einmal von dem Begriff "5G" gehört, heißt es in der Zusammenfassung der Studie. Allerdings gab über die Hälfte der Befragten an, sich bisher gar nicht oder kaum mit dem Thema beschäftigt zu haben. Bei vielen Fragen ist die Meinung der teilnehmenden Bevölkerung denn aber recht gespalten, und das oft in ähnlich großen Anteilen.

Laut der Studie antworteten beispielsweise jeweils rund ein Drittel der Befragten, dass sie betreffend eines Ausbaus von 5G in der Schweiz "dagegen", "teils/teils" oder "dafür" sind. Im Detail waren rund zehn Prozent "stark gegen" einen Ausbau des 5G-Netzes (10,9 Prozent), während etwas mehr als zehn Prozent der Befragten "stark dafür" sind (12,7 Prozent). Die restlichen Voten waren "eher dafür" (27,1 Prozent), "teils/teils" (25,6 Prozent) und "eher dagegen" (23,6 Prozent).

Außerdem wurden die Teilnehmer gebeten, die möglichen Nachteile des 5G-Mobilfunks für die "Gesundheit", "Datensicherheit", respektive hinsichtlich der so genannten "Elektrosensibilität" nach Wichtigkeit zu ordnen. Mögliche gesundheitliche Auswirkungen wurden mit 58,4 Prozent am häufigsten auf Platz 1 der Nachteile gesetzt. Darauf folgen die Datensicherheit mit 29,8 Prozent und die Elektrosensibilität mit 11,8 Prozent.

Obwohl die derzeit laufende Einführung von 5G in Frequenzbereichen erfolgt, die bereits für den Mobilfunk und für WLAN eingesetzt werden, ist die Mehrheit der Befragten (57 Prozent) der Ansicht, dass ihre Gesundheit "mehr", "viel mehr" und "sehr viel mehr" durch die Strahlung der 5G-Anlagen im Vergleich zu der von 3G-/4G-Antennen belastet sei.

Etwas weniger als 30 Prozent der Umfrage-Teilnehmer gaben an, sich "gleich viel" belastet zu fühlen. 11,7 Prozent der Befragten fühlen sich überhaupt nicht durch Mobilfunkantennen belastet. Nur ganz wenige Befragte gaben an, so schreiben es die Autoren des Studienberichts, dass sie sich durch 5G-Anlagen gesundheitlich weniger belastet fühlen als durch ältere Mobilfunk-Antennentechnik.

Bei der Frage an die Teilnehmer, wie sie denken, dass die Wissenschaft gesundheitliche Risiken von Mobilfunkstrahlung bewerte, konnten die Befragten zwischen sieben Optionen auswählen, die von "sehr einig, dass sie bestehen" über "uneinig, ob sie bestehen oder nicht bestehen" bis zu "sehr einig, dass keine bestehen" reichten. Ein Großteil der Befragten gehen davon aus, so der Studienbericht, dass die Wissenschaft sich uneins ist über gesundheitliche Risiken.

Die Teilnehmer an der Studie konnten außerdem angeben, ob sie in ihrer Gesundheit oder ihrem Wohlbefinden Beeinträchtigungen verspüren, die sie auf elektromagnetische Felder zurückführen. Ob sie sich also selbst als elektrosensibel bezeichnen würden, bejahen 10,6 Prozent der Befragten. 30,9 Prozent sind sich nicht sicher und 58,4 Prozent bezeichnen sich selbst nicht als elektrosensibel.

Vergleichbar fühlt sich die Mehrheit (59,5 Prozent) der Studienteilnehmer durch die elektromagnetische Strahlung von Mobiltelefonen, Tablets und Computern wenig (34,1 Prozent) bis gar nicht (25,4 Prozent) belastet. "Mittel belastet" fühlen sich 27,7 Prozent. "Im Vergleich zu Befragungen in den letzten beiden Jahren sehen wir einen leichten Anstieg von Befragten, die sich mittel bis sehr stark belastet fühlen", heißt es in dem Studienbericht.

Auch zwischen den Geschlechtern zeigen sich Unterschiede, wenn auch nicht allzu große. Es zeige sich, so der Bericht, dass sich männliche Befragte tendenziell mehr mit dem Thema 5G beschäftigt haben als Umfrageteilnehmerinnen. Männer, vor allem junge, sehen im Ausbau des 5G-Netzes deutlich mehr Vorteile für sich als Frauen. Männer sind auch häufiger für einen Ausbau des 5G-Netzes. Frauen sind hingegen häufiger als Männer der Auffassung, Bund und Kantone würden die Bevölkerung nicht ausreichend vor Strahlung schützen.

Insgesamt sind knapp zwei Drittel aller Befragten der Ansicht, dass die Bevölkerung nicht ausreichend vor Strahlung von Mobilfunkantennen geschützt wird. Gut ein Drittel findet den Schutz genau richtig, und kaum jemand ist der Meinung, dass die Bevölkerung zu stark geschützt wird. "Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Vorsorge beim Schutz vor Strahlung von Mobilfunkantennen im Interesse der Bevölkerung liegt", führt der Projektverantwortliche Thomas Bernauer, ETH-Professor für Politikwissenschaft (Internationale Beziehungen), aus.

Was aber erwarten die Befragten daher von der Politik? "Die Mehrheit spricht sich dafür aus, die bestehenden Grenzwerte für Mobilfunkantennen beizubehalten, auch wenn dies mit einem eher langsamen Ausbau von 5G für die ganze Schweiz verbunden ist", wird Thomas Bernauer in einer Medienmitteilung der ETHZ zitiert. Wenn sich die Befragten zwischen verschiedenen Wegen des 5G-Ausbaus entscheiden müssten, so die Studie, bevorzugen sie eher viele Standorte mit niedriger Strahlung pro Antenne, im Gegensatz zu wenigen Standorten mit hoher Strahlung. "Zudem würden sie sich eher für Maßnahmenpakete entscheiden, die Gesundheitsrisiken bereits vor dem Ausbau erforschen", sagt Franziska Quoß, Projektkoordinatorin in Bernauers Gruppe.

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Die jetzt veröffentlichten Ergebnisse stammen aus einer Befragung aus dem Sommer 2020, die die ETH Zürich in Kooperation mit dem Bundesamt für Umwelt (Bafu) seit 2018 zweimal im Jahr durchführt. Sie wurden im Rahmen des Schweizer Umweltpanels veröffentlicht. Dieses ist eine Panelbefragung, d.h. die gleichen Personen werden wiederholt befragt.

(tiw)