Schweiz schafft Ticketautomaten ab – Fahrkarten ab 2035 nur noch online

Anonymes Bahn- und Busfahren wird in der Schweiz 2035 abgeschafft. Bis dahin sollen die Fahrkarten-Automaten verschwinden und alle per Handy oder PC zahlen.

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Eine Frau bedient einen Billettautomaten der SBB

Auslaufmodell Billettautomat. Beförderungsfälle sollen bitte ihre eigenen Geräte nutzen.

(Bild: SBB CFF FFS)

Fahrausweise für den öffentlichen Verkehr der Schweiz sollen ab 2035 nur noch per Handy und über Webseiten erhältlich sein. Das haben die Verkehrsbetreiber des Landes beschlossen. Die verbreiteten Billettautomaten werden abgeschafft, was auch das Aus für anonyme Fahrten mit sich bringt. Vom einst üblichen Schalterverkauf ist schon jetzt kaum noch etwas übrig.

Die Automaten seien teuer im Betrieb und würden weniger genutzt als früher, weil Fahrscheine vermehrt online gekauft würden. So argumentiert der Tarifbranchenverband Alliance Swisspass gegenüber dem SRF (Schweizer Rundfunk und Fernsehen) die Abschaffung der Automaten. Der Verband verspricht, dass auch nach 2035 Menschen ohne Handy und Kreditkarte, darunter viele Kinder, noch befördert werden. Wie das ohne reale Verkaufsstellen geschehen soll, ist offen.

Die staatlichen Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) sitzen auf einem Schuldenberg von elf Milliarden Franken (Stand Ende 2021). Das ist zwar viel weniger als bei DB oder ÖBB, aber mehr als Doppelte als von der Regierung vorgegeben. Die SBB reduzieren daher Investitionen in Züge, Gebäude und eben Fahrkartenautomaten, gleichzeitig wollen sie aber den Freizeitverkehr ankurbeln. Der Bund verschiebt Geld von einer Tasche in die andere, indem er die Schienenmaut senkt.

Die Schweiz ist berühmt für das Generalabonnement – ein Ende des 19. Jahrhunderts eingeführter Fahrausweis, der inzwischen für fast alle öffentlichen Verkehrsmittel der Eidgenossenschaft und des Fürstentums Liechtenstein gilt. Seit 2015 muss für das Generalabonnement der Swisspass mit zwei RFID-Chips genutzt werden. Gleiches gilt für das Halbtax-Abo, das zum Erwerb von Fahrkarten zum halben Preis berechtigt. 2019 erreichte das Generalabo mit einer halben Million Kunden seinen Rekordabsatz. Doch seither ist der Verkauf um etwa 20 Prozent eingebrochen.

Einerseits arbeiten infolge der Coronavirus-Pandemie deutlich mehr Schweizer von zu Hause, andererseits könnte eine Preisschwelle überschritten worden sein: Seit 1990 ist das Generalabo um 80 Prozent teurer geworden, was ein Vielfaches der Inflation ist. Während in Österreich 1095 Euro im Jahr für das Klimaticket anfallen und beim Deutschlandticket von zunächst 49 Euro im Monat (588 Euro im Jahr exklusive Fernverkehr) die Rede ist, kostet das schweizerische Generalabo 2. Klasse bei jährlicher Zahlung 3860 Franken, umgerechnet mehr als 3.900 Euro.

(ds)