Forscher: Regierungen müssen an Akzeptanz von Corona-Apps arbeiten

Viele Corona-Apps könnten ihre volle Wirkung nicht erzielen, da die Nutzer den Apps nicht ausreichend vertrauen würden, kritisieren Forscher der ETH Zürich.

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Corona-Warn-App: Datenschutz und persönliche Betroffenheit erhöhen Akzeptanz

(Bild: Marco.Warm / Shutterstock.com)

Von
  • Christoph Böttcher

Schweizer Wissenschaftler sehen angesichts niedriger Nutzungszahlen der Corona-Warn-Apps die Regierungen in der Verantwortung, für eine breitere Akzeptanz zu sorgen. Viele Corona-Apps würden nicht einmal von 30 Prozent der Bevölkerung genutzt, schreiben Effy Vayena und Alessandro Blasimme von der ETH Zürich in einem Beitrag für die Fachzeitschrift Science.

Die Wissenschaftler erklären die niedrige Nutzungsquote mit mangelndem Vertrauen gegenüber den Apps. Angesichts des Überwachungspotenzials der Apps sei Skepsis verbreitet, zudem sei die Wirkung noch nicht ausreichend belegt. Regierungen müssten das Vertrauen in Digital Contact Tracing (DCT) stärken, beispielsweise durch die Einrichtung eines Aufsichtsgremiums zur Kontrolle der App.

Die Forscher verweisen in ihrem Artikel "What's next on COVID-19 apps?" auf Studien aus dem April und Mai: 55 bis 70 Prozent der Erwachsenen in allen Altersgruppen aus den USA, der Schweiz und Italien hätten sich damals zur Nutzung einer Corona-App bereit erklärt. Die tatsächliche Installationsquote in den Ländern liege hingegen bei deutlich unter 30 Prozent.

Vayena und Blasimme erklären das mit der Art und Weise, wie die Apps entwickelt und eingeführt wurden: Dies sei oft ohne Einbindung der Öffentlichkeit geschehen. In demokratischen Ländern führe das allerdings dazu, dass das Vertrauen in die Technik sinke, insbesondere aufgrund des starken Eingriffs in die Privatsphäre und das Überwachungspotenzial durch die Apps.

Die Entwicklung der deutschen Corona-App verlief weniger überhastet als in anderen Ländern und mit einem starken Fokus auf den Datenschutz und die Pseudonymisierung der Nutzerdaten. Ein irisches Forscherteam bezeichnete die deutsche App auch als die technisch vielleicht sauberste in Bezug auf den Datenschutz.

Dennoch liegt die Installationsquote in Deutschland nicht über der anderer Länder: Laut Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) wurde die Corona-App in Deutschland bis Anfang November 22 Millionen Mal heruntergeladen und wird von 18 bis 20 Millionen Menschen täglich genutzt. Das zeige, dass Datenschutzmechanismen alleine nicht ausreichen, um die Nutzerzahlen zu erhöhen, folgern die Wissenschaftler.

Notwendig sei ein ständiger öffentlicher Diskurs über die App, der neuen Erkenntnissen Rechnung trage, empfehlen die Forscher. Ein Aufsichtsgremium aus unterschiedlichen Disziplinen solle den Diskurs unterstützen sowie Weiterentwicklung und Betrieb der Corona-App kontrollieren. Dabei dürften nicht nur Datenschützer und Mediziner eingebunden werden, sondern zum Beispiel auch Sozialwissenschaftler.

Die Gremien sollten beobachten, ob bestimmte gesellschaftliche Gruppen möglicherweise von Vorteilen der Kontaktverfolgung ausgeschlossen werden, weil sie unter Umständen nicht über die nötige technische Ausstattung zu deren Nutzung verfügen. Gleichzeitig sollte geprüft werden, ob bestimmte Gruppen, in denen eine DCT-Nutzung verstärkt auftritt, von deren Nachteilen übermäßig belastet werde.

Durch solche Maßnahmen könne laut Blasimme und Vayena die Zahl der Nutzer erhöht werden, ohne die Belastung einzelner dadurch zu steigern. Gleichzeitig könnten DCT-Apps dann eine bessere Wirksamkeit demonstrieren, was weitere Personen überzeugen würde.

(cbo)