Seabed 2030: Knapp 20 Prozent des Ozeanbodens modern kartografiert

Wir wissen mehr über die Oberfläche des Mars als über die Gestalt des Bodens der irdischen Ozeane. Doch die Kartografierung kommt voran.

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Bisherige Karten sind nicht genau genug

(Bild: GEBCO)

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Forscher aus aller Welt haben inzwischen fast ein Fünftel des weltweiten Ozeanbodens kartografiert. Auf diesen Wert kommt das dafür eingerichtete Projekt Seabed 2030, das zuletzt Karten von mehr als 37 Millionen Quadratkilometern zur eigenen Datenbank hinzufügen konnte – etwa die doppelte Fläche Australiens.

Das Vorhaben, den kompletten irdischen Meeresboden zu kartografieren, habe damit deutlich an Fahrt aufgenommen. Finanziert wird das Vorhaben unter anderem von der Nippon Foundation, die Karte soll 2030 fertig sein. Beteiligt ist auch das deutsche Alfred-Wegener-Institut, dass die Kartierung des Antarktischen Ozeans verantwortet.

Seabed 2030 wurde im Juni 2017 von den Vereinten Nationen ins Leben gerufen und soll bis 2030 alle verfügbaren bathymetrischen Karten (Karten des Meeresbodens) zusammentragen, um eine definitive weltweite Karte zur Verfügung zu stellen. Damals seien lediglich sechs Prozent des Meeresbodens nach modernen Standards kartografiert gewesen, erklären die Projektverantwortlichen nun. Seabed 2030 soll nicht nur existierende Daten zusammentragen, sondern auch neue Tiefenmessungen anstoßen. Inzwischen haben die Organisatoren alleine 133 offizielle Partner. In den vergangenen 12 Monaten sei die erreichte Abdeckung von 15 auf 19 Prozent gewachsen.

Erstellt wird die Karte für das UNO-Projekt GEBCO (General Bathymetric Chart of the Oceans). Zwar ist uns auch bisher nicht völlig unbekannt, wie es am Meeresboden aussieht, aber viele Daten stammen nicht von Tiefenmessungen per Echolot, sondern von Erdbeobachtungsatelliten. Die hierbei erreichte Auflösung liegt aber bestenfalls bei ungefähr einem Kilometer, Seabed 2030 zielt auf 100 m × 100 m – zumindest für die 13,7 Prozent des Meeresbodens bis zu einer Tiefe von maximal 1500 Meter. Für den Großteil soll eine Auflösung von 200 × 200 beziehungsweise 400 m × 400 m erreicht werden, für die allertiefsten 2,7 Prozent mindestens 800 m × 800 m

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Die komplette Karte des Ozeanbodens soll nicht nur unser Verständnis von fundamentalen Prozessen im Ozean verbessern, sondern auch eine nachhaltige Nutzung der Ozeane ermöglichen. Praktische Konsequenzen der bislang höchstens lückenhaften Karten des Ozeanbodens zeigten sich etwa 2014 nach dem Absturz des Flugzeugs MH370 der Malaysia Air im Indischen Ozean, wie die Forscher erläutern. An der vermuteten Absturzstelle mussten erst monatelang Tiefenmessungen vorgenommen werden, weil die bestehenden bathymetrischen Karten unzureichend und viel zu alt waren.

(mho)