Menü
c't Fotografie

Selbstgemacht: Belichtung manuell messen

Messarten: Spot, Selektiv, Integral

Inhaltsverzeichnis

Spiegelreflexkameras bieten – neben zahlreichen Programmmodi – bis zu vier verschiedene Messmethoden alleine für die Belichtung: Mehrfeldmessung, Mittenbetont integral, Selektivmessung und bei den besseren Modellen noch Spotmessung – letztere ist die beste, um präzise "manuell" belichten zu können, Selektivmessung wäre die zweite Wahl. In der Bilderreihe sind die jeweiligen Messbereiche hell dargestellt, das dunkle Umfeld wird nicht berücksichtigt bzw. – bei mittenbetont integral – nur abgeschwächt in die Messung einbezogen. Bitte suchen Sie in der Gebrauchsanleitung Ihrer Kamera die Hinweise zu den Messmethoden und vergleichen Sie die Schemata mit den hier gezeigten Abbildungen.

Die drei Bilder (siehe Bilderstrecke) illustrieren die ungefähr bei Spotmessung, Selektivmessung und mittenbetonter Integralmessung über den Sucher angemessenen Bereiche. Die aus den hell hervorgehobenen Bereichen erstellten lokalen Histogramme zeigen, wie unterschiedlich die erfassten Tonwerte ausfallen. Der Blick auf einen kleinen See weist genau in der Bildmitte einen besonders hellen Bereich auf: Die Spiegelung des bewölkten Himmels im Wasser. Beim nächsten Beispiel "Skigebiet Sudelfeld" ist es genau umgekehrt – in der Bildmitte befindet sich der dunkelste Bereich, und unten im Vordergrund der hellste, der Himmel ist dagegen kaum mehr als "mittelgrau", von der Helligkeit her gesehen!

Blick auf das Skigebiet Sudelfeld: Schnee in der Sonne, winterliche Bäume im Schatten, Himmel, dunstige Bergrücken in der Ferne ... die Vollautomatische Belichtung mit einer Canon EOS 50D ergibt ein Bild, in dem der Himmel gut durchgezeichnet, das Schneefeld aber leicht überbelichtet ist. 1/320 s bei f/6,3 = LW 13,63 (ca. 13 2/3).

Das erste Foto, mit Vollautomatik aufgenommen, zeigt im Schneefeld eine leichte Überbelichtung, während der Himmel im Hintergrund recht schön durchzeichnet. Ursache für die Überbelichtung ist der dunkle Bereich in Bildmitte. Automatiken sind auf das Verhalten von fotografischen Laien ausgelegt, die meistens mit dem Mittelpunkt des Sucherbildes auf das zielen, was sie eigentlich fotografieren wollen. Das führt dann zu Portraits, bei welchen die Gesichter der Personen in der Bildmitte liegen, darüber ist viel nutzloser Himmel und unten ist der Körper irgendwo abgeschnitten. Wichtig ist es aber, dass das Gesicht im fertigen Foto, wie es als JPEG aus der Kamera kommt, weder zu dunkel oder zu hell erscheint. Eine Nachbearbeitung ist unerwünscht. Beim Aufnehmen im RAW-Format haben Sie sehr viel mehr Freiheiten, ohne Qualitätsverlust nachträglich Tonwertverschiebungen vorzunehmen. Gleichzeitig nutzen Sie die gezielte Belichtung dazu, möglichst alle Motivdetails in den Bereich zu legen, den der Sensor kontrastmäßig auflösen kann. Sie haben also die bestmögliche Schatten- und Lichterzeichnung vorab gesichert, die schönste Bildwirkung wird – falls erforderlich – nachträglich eingestellt.

Mit "Programmautomatik" und der auch in der Vollautomatik wirksamen Mehrfehldmessung entstand ohne Eingriff seitens des Fotografen ein stark überbelichtetes Bild, das erst nach einer Korrektur (bei der Aufnahme!) um -1 EV aktzeptabel wird. Dabei wurde hier derselbe Belichtungsmodus "Mehrfeldmessung" eingestellt, den ausweislich der Aufnahmedaten auch die Vollautomatik verwendet. Offenbar setzt diese noch zusätzliche Heuristiken ein, die hier zwar ziemlich gut gearbeitet haben, für den Fotografen aber nicht durchschaubar sind.

Wie voriges Bild, aber im "P(rogramm)-Modus" mit Matrixmessung. Ergibt seltsamerweise eine starke Überbelichtung (obwohl die Automatik auch mit Mehrfeld- resp. Matrixmessung arbeitet): 1/500 s bei f/4,0 = LW 12,97 (praktisch LW 13).

Wenn die Automatik ein Bild perfekt belichtet, brauchen Sie nichts weiter zu machen. Wenn das Bild aber anscheinend über- oder unterbelichtet wird, müssen Sie eine Korrektur anwenden – oder eine andere Messmethode einstellen. Dabei führt aber die gewünschte Bildwirkung im Mittenbereich leicht zum Überstrahlen von Lichtern oder Absaufen von Schatten. Experten sagen: Es kostet weniger Zeit, die richtige Belichtung von Hand festzulegen und eventell ein- oder zweimal zu korrigieren, als herauszufinden, welches automatische Programm von selbst korrekt belichtet. Und wenn Sie eine Korrektur einstellen müssen (die abzustellen man leicht vergisst), bedeutet dies mindestens den gleichen Aufwand wie eine Belichtungsmessung "von Hand". Es ist viel einfacher, die Grenzen des Motivs auszumessen, als für eine automatische Messmethode die notwendige Korrektur zu bestimmen.