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c't Fotografie

Selbstgemacht: Belichtung manuell messen

Manuelle Belichtungseinstellung

Inhaltsverzeichnis

Wenn die Kamera bei einer bestimmten Einstellung von Zeit- und Blendenwerten bei einem vorgegebenen ISO-Wert im Sucher "0 EV" anzeigt, also dies hier zu sehen ist:

So oder so ähnlich sieht die Belichtungsmesseranzeige im Sucher oder auf dem Display der Kamera aus. Steht der unten abgebildete "Zeiger" in der Mitte bei dem zentralen Dreieck, so liest man das als "+/- 0 EV" - oder "mittlere Belichtung für ein 18prozentiges Grau".

dann bedeutet das: Die angemessene Stelle im Motiv wird als mittleres Grau wiedergegeben, falls sie eine einheitliche Helligkeit aufweist. Oder auch: Die im Messbereich enthaltenen Helligkeitswerte gleichen sich so aus, dass im Mittel eine ausgewogene Belichtung entsteht (was aber nicht garantiert, dass darin nicht Spitzlichter oder kleinflächige dunkle Schatten ohne Zeichnung vorkommen). Jede Abweichung nach links in Richtung Minus bedeutet "Unterbelichtung" bzw. dunkler als mittleres Grau, jede Abweichung nach rechts: heller als mittleres Grau. Die Punkte zwischen den Zahlenwerten stehen für 1/3-Blendenstufe. Misst man ein und dieselbe Stelle im Motiv per Spot-Messung an und verstellt eine (!) der drei Größen Zeit, Blende oder ISO, so zeigt der Zeiger durch seinen nach links oder rechts wandernden Ausschlag an, um wie viel dieser Motivbereich unter- oder überbelichtet wird.Wo diese Werte helligkeitsmäßig im endgültigen Bild liegen, kann man im Nachhinein noch in weiten Grenzen beeinflussen – aber das ist das Thema der nächsten Folge (Lieber Raw – Rohkost für Feinschmecker).

Steht der Zeiger ganz rechts unter der 2 (+2 EV), so bedeutet dies "helle Lichter, die gerade noch zeichnen". Manchmal sollte man den Messwert in Lichtern noch etwas tiefer halten, etwa bei +1,6EV (zwei Teilstriche über +1EV), da selbst mit dem Spot-Messfeld, mehr noch mit dem breiteren selektiven Messfeld anvisierte Bildteile häufig noch in sich eine Differenzierung, also hellere und dunklere Details, enthalten, von denen dann einzelne noch überbelichtet erscheinen können. Werden dadurch andere Bildteile zu dunkel, korrigieren wir dies später bei der Raw-Entwicklung.

Steht der Zeiger ganz links bei -2, so sind dies ziemlich dunkle Bereiche, die noch gut Zeichnung aufweisen und mindestens noch einmal zwei Lichtwerte Reserve nach unten (bis ca. -6 EV) haben.

Leider reicht die im Sucher oder auf dem Display angezeigte Skala der Belichtungsmesswerte üblicherweise nur von -2EV bis +2EV, wenn man aber davon ausgeht, dass der Spielraum der Kameras im positiven Bereich kaum über + 2EV hinausgeht (allenfalls bis +2,5EV, bei besonders toleranten Modellen bis +3EV), man zusätzlich die blinkende Überbelichtungs-Warnanzeige des Zeigers sowie blinkende Bildbereiche im aufgenommenen Foto auf dem Display und das Histogramm auswerten kann, dann kommt man damit recht gut zurecht. Das Histogramm zeigt dagegen einen breiteren Bereich von ca. -6 EV bis + 3 EV an.

Bilderstrecke: Die von Hand ausgemessene Aufnahme fällt deutlich besser aus als die Ergebnisse automatischer Messungen. Sie zieht die Belichtung um ca. 0,3 EV-Stufen gegenüber der Vollautomatik und gegenüber der P-Matrixmessung um eine ganze Blendenstufe nach unten. Messen Sie einmal "vorsätzlich" bei einem entsprechenden Motiv mit der Spotmessung auf sehr helle oder sehr dunkle Bereiche, dann erhalten Sie Ergebnisse wie auf den zwei nächsten Beispielen. Die demonstrieren die typischen Fehlbelichtungen, die man manchmal mit Belichtungsautomatiken erhält.