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c't Fotografie

Selbstgemacht: Belichtung manuell messen

Motivkontrast ermitteln

Inhaltsverzeichnis

Bei der "Handbelichtung" habe ich vor Ort notiert, welche relativen EV-Werte die Kamera (EOS 50D) mit Spotmessung in verschiedenen Motivbereichen angezeigt hat.

Messung auf das Schneefeld im Vordergrund - Anzeige +2 EV (also zwei Lichtwerte Überbelichtung) bei 1/640 und f/5,0.

Hier wurde auf den besonnten Schnee im Vordergrund gemessen. Man stellt mit dem Spot-Messkreis rasch fest, dass dies der hellste Bereich im Motiv ist, und dass er deutlich heller ist als der Himmel (nächstes Bild), eine für Schneelandschaften typische Situation bei Sonnenlicht von hinten oder schräg hinten. Bei Vorwahl einer Blende von f/5,0 und Belichtungszeit von 1/640 bei ISO 100 ging hier der Zeiger auf +2EV, blinkte aber noch nicht. Oder anders formuliert: Anders als die Automatik stellen wir hier bewußt die Belichtung so ein, dass der Messzeiger die maximal zulässige "Überbelichtung" (oder auch "Lichtermessung") anzeigt, die noch nicht zum Verlust von Zeichnung führt, nachdem wir festgestellt haben, dass das Schneefeld der hellste Bereich im Motiv ist, aber bildwichtig – denn es ist ja der Vordergrund, auf dem sich das Publikum bewegt.

Die Messung auf den Himmel, der in diesem Bild nicht den hellsten Motivbereich darstellt, ergibt nur ein leichtes Plus von +0,6 EV. 1/640 s bei f/5,0; LW 13,97

Läßt man die genannten Belichtungseinstellungen, also 1/640 s bei Blende 5,0 und ISO 100 unverändert, misst aber mit dem Spot-Messkreis (symbolisiert durch den gestrichelten Kreis im Bild) den Himmel an, beträgt der Zeigerausschlag nur noch +0,6 EV. Meistens ist der Himmel, besonders wenn er sonnenbeschienene Wolken enthält, der hellste Bereich im Motiv – hier ist es anders. Auf jeden Fall kann man bei dieser Belichtung erwarten, dass das Blau des Himmels und die leichten Schleicherwolken gut durchgezeichnet werden.

Die Messung auf die dunstige Bergwand im Hintergrund ergibt einen Belichtungswert von 0 EV. Der zugehörige Histogrammbalken ist etwas links der Mitte (mittleres Grau bei 116) zu sehen.

Eine Kontrollmessung auf das im Dunst liegende Bermassiv ganz im Hintergrund ergibt einen Lichtwert von 0 EV. Zufällig könnte dieses Bergmassiv also als "Graukarte" in der Landschaft dienen. Allerdings ist es nicht neutralgrau, sondern etwas bläulich, was man hier nicht erkennt, da das Teilhistogramm auf Luminanz (nur Helligkeitswert) eingestellt ist. Ohnehin würde man für den Weißabgleich eher die Schneeflächen heranziehen.

Nun eine Messung in die "Schatten", die dunkelste Partie im Motiv besteht hier aus den winterbraunen Bäumen in der Mitte, die tatsächlich im Schatten des rechten Hanges liegen. Der Wert von -1,6 EV besagt, dass hier noch reichlich Reserven für die Schattendurchzeichnung vorhanden sind. In der Praxis kann es vorkommen, dass dunkle Motivteile unter -2 EV liegen und womöglich gar die Anzeige zu blinken beginnt (Unterbelichtungswarnung). Dann muss man sich entscheiden, ob man lieber auf eine perfekte Schattenzeichnung verzichten will oder ein Überstrahlen von Lichtern in Kauf nehmen.

Messung in die winterbraune Baumgruppe im Schatten. Das Luminanzhistogramm zeigt einen schmalen Balken am linken Ende der Skala, die Messwertanzeige im Sucher betrug -1,6 EV.

Allerdings ist der Spielraum in den Schattenbereichen größer als in den Lichtern, er reicht etwa bis -6 EV, was die Skala der Belichtungsmessung im Sucher leider nicht mehr anzeigt. Würde man die Belichtung um zwei Blendenstufen erhöhen (z. B. die Zeit auf das vierfache verlängern, also in diesem Fall von 1/640 auf 1/160), so würde man bei -6 EV eine Anzeige von -2 EV erhalten. So eine dunkle Partie kommt aber in diesem Motiv gar nicht vor, man kann sich also ganz darauf konzentrieren, die hellsten Stellen ("Lichter") gut zu belichten. Auf diese Weise kann man aber prüfen, wie stark die Unterbelichtung in den Schatten ausfällt. Und wenn Sie es genau wissen wollen, testen Sie ihre Kamera einmal dahingehend aus.