Semtech übernimmt Sierra Wireless – für einen "smarteren Planeten"

LoRa-Entwickler Semtech übernimmt den kanadischen IoT-Konzern Sierra Wireless für 1,2 Milliarden US-Dollar. Damit will Semtech eine LoRa-Schwäche ausbügeln.

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Modem mit zahlreichen Steckdosen

Sierra Wireless' Airlink XR90 hat unter anderem zwei 5G-Modems eingebaut.

(Bild: Sierra Wireless)

Von
  • Daniel AJ Sokolov

Der kalifornische Halbleiter-Spezialist Semtech übernimmt das kanadische Funk- und IoT-Unternehmen Sierra Wireless. Der bar zu zahlende Kaufpreis beläuft sich auf etwa 1,2 Milliarden US-Dollar und wird zum Teil schuldenfinanziert. Die 1960 gegründete Semtech ist derzeit vor allem für LoRa bekannt, eine proprietäre Übertragungstechnik für die Funkanbindung von Maschinen (Internet der Dinge, IoT). Sierra Wireless setzt auch auf IoT, dabei allerdings auf Anbindung über Mobilfunknetze.

Daher, meinen die Manager beider Firmen, sei ein Zusammenschluss erbaulich. LoRa nutzt ein lizenzfreies ISM-Band für die Funkübertragungen, mit all den damit verbundenen Vor- und Nachteilen. Zwar fallen für die Nutzung keine Gebühren an, dafür muss man sich ein ISM-Band mit potenziell sehr vielen anderen Anwendern teilen und je nach Land andere gesetzliche Anforderungen beachten. Ein Mobilfunkdienst kostet zwar Gebühren, funktioniert aber unter Umständen verlässlicher als Funkfrequenzen, die jedermann verwenden darf.

LoRa kann für "Long Range" oder auch für "Low Radiation" stehen, der Hersteller löst die Mehrdeutigkeit nicht auf. Mit LoRa werden kleine Datenpakete (bis zu 256 Byte) mit geringem Energieeinsatz über große Entfernungen transportiert. Der funktechnische Trick: LoRa als physische Schicht besteht aus einem schmalbandigen Träger, der in einem vergleichsweise breiten Kanal auf- oder abbewegt wird. Diese "Chirps" genannten Übertragungen sind gut im allgemeinen Rauschen erkennbar und somit sehr robust gegenüber Störungen.

Das Verfahren ist auf Nutzlasten von wenigen Byte optimiert, man denke an Stromzählerdaten, Temperaturmesswerte oder GPS-Koordinaten von Trackern. LoRa ist die physische Übertragungstechnik für das Netzwerkprotokoll LoRaWAN, das für Netzstruktur, Adressierung, Verschlüsselung und Kanalvorgaben zuständig ist.

Während die Patente für LoRa bei Semtech liegen, ist LoRaWAN ein offener Standard der LoRa Alliance. Ihr gehören neben Semtech selbst Netzwerkausrüster wie Cisco, globale Telecom-Konzerne sowie Hunderte weitere Unternehmen an. Semtech stellt LoRa-Transceiver (Sender-Empfänger-Kombination) selbst her oder erteilt anderen Chipherstellern Lizenzen dafür.

Sierra Wireless wurde 1993 in Vancouver gegründet und bietet verschiedene Module, Modems und Antennen für drahtlose Kommunikation an, insbesondere Mobilfunkmodems, Bluetooth-Module, Satellitenortung und so weiter. Hinzu kommen Software, Clouddienste sowie ein mehr oder weniger weltweiter Mobilfunkdienst (MVNO) für IoT.

"Wir glauben, dass die nächste Ära des Technikwachstums die volle Digitalisierung der industrialisierten Welt ist – das Internet of Everything", sagte Semtech-Chef Mohan Maheswaran, "Unsere Vision ist, eine simple, horizontale Plattform zu bauen, mit dem Ziel, diese Transformation zu beschleunigen, und einen smarteren und nachhaltigeren Planeten herbeizuführen." Die hohe Gewinnspanne der Sierra-Wireless-Clouddienste hat es Maheswaran besonders angetan.

Außerdem bringt Sierra Wireless bestehende Kundenbeziehungen mit. Mit dem zugekauften Team möchte Semtech in den Bereichen Logistik, Asset Management, vernetzte Städte, öffentliche Sicherheit, vernetzte Landwirtschaft, öffentliche Versorgungsbetriebe samt Zählerablesungen sowie Schutz bedrohter Tierarten wachsen.

Die Übernahme muss noch von Wettbewerbshütern sowie den Sierra-Wireless-Aktionären genehmigt werden. Letztere dürften dem Verkauf angesichts eines Aufschlags von 25 Prozent auf den Schlusskurs vom 29. Juli wohlgeneigt sein. Semtech erwartet das Closing noch im laufenden Finanzjahr 2023 (bis Ende April 2023).

(ds)