Sexuelle Belästigung: Microsoft lässt konzerninterne Richtlinien überprüfen

Auf Druck von Aktionären will Microsoft seine Richtlinien zur sexuellen Belästigung überarbeiten und entsprechende Vorfälle untersuchen lassen.

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(Bild: Denis Linine/Shutterstock.com)

Von
  • Oliver Bünte

Der Vorstand von Microsoft lässt die Richtlinien des Konzerns zu sexueller Belästigung und geschlechtsspezifischer Diskriminierung überprüfen, wie US-Medien am Donnerstag berichten. Im Zuge dessen will Microsoft auch eine Zusammenfassung früherer Untersuchungsergebnisse zu Belästigungsvorwürfen von Führungskräften veröffentlichen – darunter die gegen Microsoft-Mitgründer Bill Gates. Der Vorstand von Microsoft reagiert damit auf einen Antrag auf stärkere Offenlegung von Fragen sexueller Belästigung, der von 78 Prozent der Aktionäre auf der Microsoft-Jahreshauptversammlung im November 2021 durchgesetzt worden war.

Den Antrag ins Rollen gebracht hatten Berichte über zahlreiche Vorwürfe sexueller Belästigung und des Versagens, diese "angemessen und transparent" aufzuarbeiten, wie es in der Erklärung zu den Forderungen der Aktionäre heißt. Dabei spielten insbesondere Berichte über mutmaßlich unangemessene Beziehungen und sexuelle Annäherungsversuche gegen mindestens zwei Microsoft-Mitarbeiter durch Bill Gates eine Rolle. Gates soll nach Angaben der New York Times 2007 nach einer Präsentation eine Mitarbeiterin eine E-Mail geschickt haben, in der er um ein Date bat. Führungskräfte, die davon erfuhren, rieten Gates dringend von solchen unangemessenen E-Mails und Annäherungsversuchen von führenden Management-Mitgliedern gegenüber ihren Untergebenen ab.

Zusätzlich habe Gates eine sexuelle Affäre mit einer Mitarbeiterin gehabt, die Ende 2019 herauskam. Ein Microsoft-Sprecher bestätigte die ab 2000 bestehende Beziehung, die aber freundschaftlich geendet haben soll. Eine eingeleitete Untersuchung des Vorfalls verlief weitgehend ins Leere. Gates schied jedoch kurz darauf aus dem Vorstand aus, einen Zusammenhang mit seinem Ausscheiden und den Untersuchungsergebnissen soll es aber nicht gegeben haben. Auch weibliche Angestellte der Melinda & Bill Gates Foundation habe Gates nachgestellt. Bill Gates und seine Frau Melinda kündigten im Mai 2021 ihre Scheidung an.

Microsoft-Chef Satya Nadella sagte, dass Microsofts Unternehmenskultur oberste Priorität habe. Der gesamte Vorstand sei sich bewusst, "wie wichtig ein sicheres und integratives Umfeld für alle Microsoft-Mitarbeiter ist", schreibt das Wall Street Journal. Eine unabhängige Untersuchung soll von der Anwaltskanzlei Arent Fox LLP durchgeführt werden. Sie sei mit solchen Themen vertraut und außerdem nur in geringem Umfang für Microsoft tätig gewesen, sodass eine Unabhängigkeit gegeben sei. Erste Ergebnisse der Untersuchungen sollen der Geschäftsleitung und dem Vorstand im Frühjahr 2022 vorliegen. Diesen Bericht wolle Microsoft laut Nadella nicht nur prüfen, sondern auch nutzen, um aus "der Bewertung zu lernen", wie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter besser zu schützen sind.

Konkret soll ein Transparenzbericht veröffentlicht werden, der die Fälle sexueller Belästigung und geschlechtsspezifischer Diskriminierung detailliert auflistet und die unternommenen Schritte dagegen auswertet, heißt es im Bericht des Wall Street Journal. Zugleich wolle Microsoft seine Richtlinien überarbeiten, um sexuelle Belästigung und Diskriminierung einzudämmen. Dabei wolle sich Microsoft an bereits ergriffenen "Best Practices" anderer Unternehmen orientieren.

Natasha Lamb, Portfoliomanagerin von Arjuna Capital, das Unternehmen, das den Aktionärsantrag eingereicht hatte, sieht die unabhängige Untersuchung, die Microsoft durchführen lassen will, positiv: "Es sieht so aus, als ob Microsoft sich der Situation stellen und das tun wird, was sie tun müssen", sagte sie.

(olb)