Shell und Vattenfall wollen in Moorburg grünen Wasserstoff produzieren

Das Kohlekraftwerk Hamburg-Moorburg ist seit Dezember vom Netz. Nun hat sich möglicherweise eine Anschlussverwendung für den Standort ergeben.

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Planskizze des Vorhabens

(Bild: Hamburger Senat)

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  • dpa

Am Standort des inzwischen vom Netz gegangenen Kohlekraftwerks Hamburg-Moorburg soll künftig im großen Stil grüner Wasserstoff produziert werden. Der Ölkonzern Shell, der Industriekonzern Mitsubishi Heavy Industries (MHI), der bisherige Kraftwerksbetreiber Vattenfall sowie die kommunale Wärme Hamburg haben dazu eine Absichtserklärung unterzeichnet.

Neben dem Bau eines Elektrolyseurs mit mindestens 100 Megawatt Leistung sei die Entwicklung des Standorts zu einem Green Energy Hub vorgesehen. Dabei soll auch untersucht werden, wie die bestehende Infrastruktur zur Energieerzeugung auf Basis erneuerbarer Energien genutzt werden kann.

Sollten die Partner über ihre Absichtserklärung hinausgehen und sich tatsächlich für Investitionen entscheiden, könnte von 2025 an grüner Wasserstoff erzeugt werden. Zur Verwirklichung des Projekts sollen noch im ersten Quartal bei der Europäischen Union Fördermittel im Rahmen des Programms "Important Projects of Common European Interest" (IP CEI) beantragt werden.

Der Standort Moorburg ist aus Sicht der Partner ideal, weil er sowohl an das nationale 380.000-Volt-Übertragungsnetz als auch an das 110.000-Volt-Netz der Stadt angebunden ist, Überseeschiffe ihn direkt anlaufen und die Kai- und Hafenanlage als Importterminal nutzen können. Zudem seien in der Nähe zahlreiche potenzielle Abnehmer für grünen Wasserstoff angesiedelt.

Noch befindet sich am Standort das lange umstrittene Steinkohlekraftwerk Moorburg, das erst 2015 als eines der größten in Europa ans Netz gegangen war und im vergangenen Dezember den kommerziellen Betrieb eingestellt hatte, nachdem Vattenfall von der Bundesnetzagentur den Zuschlag für eine Stilllegungsprämie erhalten hatte. Noch bis zum Sommer kann das Kraftwerk nach Vattenfall-Angaben im Notfall Strom liefern.

"Vattenfall will innerhalb einer Generation ein fossilfreies Leben ermöglichen und wir werden unsere Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien weiter ausbauen", sagte Deutschland-Chef Christian Barthélémy. Moorburg verfüge über die Infrastruktur, die für die Produktion von Wasserstoff in großem Stil aus erneuerbaren Energien wie Offshore-Wind nötig sei. "Deshalb freuen wir uns, dass wir die Stadt und den Industriestandort Hamburg darin unterstützen können, ihre ambitionierten Klimaziele umzusetzen."

Nach Ansicht von MHI-Vorstand Kentaro Hosomi wird der Bau einer voll in die Hamburger Industrie-Infrastruktur integrierten grünen Wasserstofferzeugung Europa und der Welt zeigen, "dass die Wasserstoffwirtschaft real ist und erheblich zur Dekarbonisierung des Energiesystems und der Schwerindustrie beitragen kann". Für den Deutschland-Chef des Ölkonzerns Shell, Fabian Ziegler, wiederum wird grüner Wasserstoff künftig eine sehr große Rolle im Energiesystem spielen "und damit auch für uns". Er betonte: "Wir halten das Projekt des Konsortiums zusammen mit der Stadt Hamburg für beispielhaft."

(anw)