Sideloading-Verbot beim iPhone: Apple verteidigt sich erneut mit der Sicherheit

Die EU-Kommission will, dass der Konzern seine Plattform aufmacht. In einem Papier verteidigt Apple seine Abschottung. Android sei von Malware geplagt.

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(Bild: Tada Images/Shutterstock.com)

Von
  • Ben Schwan

Apple warnt erneut verschärft vor Plänen der EU-Kommission, die iPhone-Plattform zu öffnen. Nutzer wären viel mehr gefährlichen Apps ausgesetzt und das Unternehmen könne sie schlechter davor schützen, argumentierte der Konzern in einem am Mittwoch veröffentlichten rund 30-seitigen Papier, würden dem App Store andere Softwareläden sowie das sogenannte Sideloading beigestellt.

Auf dem iPhone können Apps aktuell nur aus der hauseigenen Plattform des Konzerns heraus installiert werden. Apple verweist darauf, dass damit alle Apps und Updates auf seiner Plattform von Software und menschlichen Prüfern untersucht werden, um schädliche Apps herauszufiltern. Das gelingt allerdings nicht immer. Außerdem müssten sich Entwickler an Apples Vorgaben zum Datenschutz halten. Beim Sideloading, bei dem Apps auf das iPhone aus anderen Quellen als dem offiziellen Store geladen werden, entfielen diese Sicherheitsvorkehrungen komplett, warnt Apple.

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Behauptet wird unter anderem, dass das Konkurrenzsystem Android aufgrund seiner Sideloading-Fähigkeiten "zwischen 16- und 47-mal mehr Infektionen" als das iPhone aufweise. Eine Studie habe gezeigt, dass 98 Prozent der mobilen Malware auf Android-Geräte abgestellt sei. Nutzer, die unter Android Apps per Sideloading auf ihr Gerät holten, seien "8-mal häufiger von problematischen Apps betreffen".

In dem Digital Markets Act (DMA), der gerade in der EU entwickelt wird, ist geplant, die Öffnung von Plattformen für konkurrierende Anbieter vorzuschreiben, um den Wettbewerb zu stärken. Bei digitalen Artikeln und Dienstleistungen, die über Apples Plattform verkauft werden, wird eine Abgabe von 15 oder 30 Prozent an den Konzern fällig. Auf Geräten mit dem Google-System Android gibt es bei Verkäufen über den Play Store des Konzerns eine ähnliche Kommission an Google – auf der Plattform sind aber auch andere App Stores erlaubt. Apple stellte sich bereits im Juni gegen die EU-Pläne und veröffentlichte ein entsprechendes Papier.

"Sideloading über direkte Downloads oder andere App Stores würde Apples Schutzmechanismen für Sicherheit und Privatsphäre untergraben", warnte der iPhone-Konzern in seinem neuen Papier. Das sei nicht im Interesse der Nutzer. Apple spricht unter anderem von gefälschten Apps, die sich als populäre Anwendungen tarnten und manipulierten Updates des Betriebssystems. Speziell verweist der Konzern auf gefährliche Android-Apps, die im Umlauf sind und zum Beispiel versuchen, an Login-Informationen und andere Daten zu kommen. Die Online-Kriminellen bekämen bei einer Öffnung mehr Anreize, auch das iPhone anzugreifen, hieß es.

Apple-Kritiker verweisen darauf, dass auf den Mac-Computern des Konzerns Programme aus allen möglichen Quellen geladen werden können. Apple kontert, dass die Lage bei Smartphones anders sei, weil sie viel privatere Informationen enthielten. Auch US-Gesetzesentwürfe für mehr Wettbewerb in der Tech-Branche nehmen das Geschäftsmodell ins Visier. In den USA konnte Apple jüngst aber einen Erfolg bei der Verteidigung seines App-Systems auf dem iPhone verbuchen. Eine Richterin lehnte die Forderung der Spielefirma Epic Games nach einer Öffnung der Plattform für andere App Stores ab. (mit Material der dpa) / (bsc)