Siemens: Führungswechsel im Februar, robustes Quartal trotz Corona

Der Zeitplan für den Chefwechsel inmitten der Pandemie und einen tief greifenden Konzernumbau steht bei Siemens.

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(Bild: Michael Vi/Shutterstock.com)

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  • Axel Kannenberg
  • mit Material der dpa

Der Zeitpunkt des Führungswechsels bei Siemens ist zementiert. Der langjährige Vorstandschef Joe Kaeser wird den Stab mit Ablauf der Hauptversammlung im Februar an Roland Busch übergeben, wie der Aufsichtsrat des Technologiekonzerns am Mittwoch entschied. Allerdings wird Busch, wie bereits bekannt, am 1. Oktober 2020 bereits die Verantwortung für die Geschäftsaktivitäten und damit das Geschäftsjahr 2021 übernehmen, wie Siemens mitteilte. Joe Kaeser werde den Übergang "aktiv" begleiten.

Zudem wurden auch die restlichen Weichen für das neue Vorstandsteam gestellt. Der langjährige Vorstand Klaus Helmrich, zuletzt verantwortlich für das Geschäft mit der digitalen Industrie, geht Ende März 2021 nach Ablauf seines Vertrages in den Ruhestand, wie es weiter hieß. Sein Nachfolger werde bereits zum 1. Oktober 2020 Cedrik Neike, derzeit Vorstandsmitglied für das Segment intelligente Infrastruktur. Neikes Posten übernimmt den Angaben zufolge Matthias Rebellius, der derzeit im Management der Sparte das operative Geschäft verantwortet. Rebellius wurde nun zum Vorstandsmitglied des Konzerns bestellt und mit einem Fünfjahresvertrag ausgestattet.

Damit hat sich Siemens auch personell für die laufende Neuausrichtung gerüstet. Das Unternehmen will sich künftig verstärkt auf die Digitalisierung konzentrieren. In den vergangenen Jahren hat Kaeser daher eine Reihe von Bereichen in die Selbstständigkeit entlassen. So fusionierte Siemens das Windanlagengeschäft mit dem spanischen Konkurrenten Gamesa und brachte die Medizintechnik unter dem Namen Healthineers an die Börse. Derzeit läuft die Abspaltung des Energiegeschäfts Siemens Energy, das ab Ende November ebenfalls an der Börse notiert sein wird.

Zudem gibt es noch weitere Abspaltungspläne. So soll die Antriebstochter Flender ausgegliedert und an der Börse notiert werden. Die Produkte des Unternehmens werden in Windkraftanlagen sowie zahlreichen anderen Industriebereichen eingesetzt. Offen bleibt die strategische Überprüfung der Zugsparte, nachdem die Fusion mit dem französischen Konkurrenten Alstom im vergangenen Jahr am Veto der europäischen Wettbewerbshüter gescheitert war.

Der neue Vorstand muss zudem die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie managen. Im dritten Quartal zeigte sich das Unternehmen einigermaßen robust trotz Corona. Zwar sei weiter die Nachfrageschwäche in Schlüsselindustrien wie der Autobranche und dem Maschinenbau spürbar – aber dennoch schnitt Siemens deutlich besser ab als von Analysten erwartet. Unter dem Strich belastete die Ausgliederung des Energiegeschäfts und führte zu einem deutlichen Gewinnrückgang. Für das Ende September auslaufende Geschäftsjahr bleibt das Management weiterhin vorsichtig.

Die Corona-Pandemie beeinträchtigte im dritten Geschäftsquartal die Auftragslage, das Neugeschäft ging in den drei Monaten per Ende Juni um 7 Prozent auf 14,4 Milliarden Euro zurück. Dabei sanken die Aufträge in allen Bereichen mit Ausnahme des Zuggeschäfts. Der Umsatz nahm um fünf Prozent auf 13,5 Milliarden Euro ab.

Das bereinigte operative Ergebnis der Industriegeschäfte (Ebita) stieg hingegen um 8 Prozent auf knapp 1,8 Milliarden Euro. Einsparungen wirkten dabei positiv. Dazu kam ein höherer Ergebnisbeitrag aus der Digitalisierungssparte, die von einem starken Softwaregeschäft sowie einem positiven Bewertungseffekt von Bentley Systems profitierte. Analysten hatten mit einem Rückgang gerechnet.

Unter dem Strich verzeichnete Siemens hingegen einen Gewinneinbruch, ausgelöst vor allem durch die vor der Abspaltung stehende Siemens Energy. Dazu kam eine höhere Steuerquote. Netto verdiente Siemens nur noch 539 Millionen, nach rund 1 Milliarde Euro im Vorjahresquartal. Kosten für die Ausgliederung belasteten dabei ebenso wie Abschreibungen in diesem Zusammenhang.

Dazu kamen hohe Verluste des Windanlagenbauers Siemens Gamesa. Die von Siemens gehaltene Mehrheitsbeteiligung wird in dem neuen Energiekonzern aufgehen. An den Abspaltungs- und Börsenplänen hält Siemens trotz der Corona-Pandemie fest. Ende September soll die Börsennotierung von Siemens Energy erfolgen.

Für das Geschäftsjahr 2020 erwartet Siemens weiter einen moderaten vergleichbaren Umsatzrückgang um bis zu 5 Prozent. Eine Ergebnisprognose gab der Konzern noch immer nicht ab. Die Münchner gehen jedoch davon aus, dass die Corona-Pandemie auch das vierte Quartal stark beeinträchtigen wird.

(axk)