Signal-Messenger integriert Handy-Bezahlfunktion auf Blockchain-Basis

Durch die Integration der Krypto-Währung MobileCoin will Signal das Bezahlen mit dem Handy ermöglichen. Der Beta-Test hat bereits begonnen.

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(Bild: Signal)

Von
  • Jürgen Schmidt

Die Entwickler des Messengers Signal rufen dazu auf, die neue Bezahlfunktion in ihrer Software zu testen. Dazu enthält die soeben veröffentlichte Beta-Version eine Unterstützung für MobileCoin. Mit der soll man in Großbritannien (und wie es aussieht, nur dort), Transaktionen mit der Kryptowährung MOB vornehmen können.

Anders als in Deutschland ist in vielen Ländern das Bezahlen mit dem Smartphone bereits weitverbreitet. Typischerweise kommt dabei ein Dienst wie Google oder Apple Pay zum Einsatz, der dabei natürlich alle Bezahlvorgänge sieht. Signal möchte hingegen einen anderen Weg beschreiten und stellt den Schutz der Privatsphäre in den Vordergrund. Dazu integrieren sie Schnittstellen zu MobileCoin und dessen Währung MOB. Signal soll dabei lediglich als Zwischenstation dienen und keinen Zugriff auf die Transaktionsdaten haben.

MobileCoin ist eine Kryptowährung und beruht ähnlich wie Bitcoin auf Blockchain-Technologie (was die Signal-Entwickler aber nicht einmal erwähnen). MobileCoin setzt dabei stark auf Open Source, ist aber andererseits auch sehr eng mit Intels proprietärer SGX-Technologie verkoppelt. Diese stellt auf Intel-basierten Systemen einen speziell geschützten Bereich bereit, den MobileCoin für seinen Konsens-Dienst nutzt. Die genauen Interna dieser Software Guard Extensions (Intel SGX) kennt letztlich nur Intel.

Signal ist Vorreiter in Sachen Privacy und Datenschutz. Seine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung verbirgt den Inhalt der damit gesicherten Kommunikation nicht nur vor Lauschern im Internet, sondern auch vor den Betreibern der Server. Auch bei der Vermeidung von Metadaten – also dem "wer spricht mit wem wann wie oft" – haben die Entwickler etwa mit dem verborgenen Absender wichtige Pionierarbeit geleistet.

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Ob die neuen Bezahlfunktionen ebenfalls ein Meilenstein für Datenschutz und Privatsphäre darstellen oder vielmehr den Verrat dieser Ideale dokumentieren, dürfte jetzt für viel Diskussion sorgen. Immerhin bieten Blockchains und Intels SGX eine Reihe Ansatzpunkte für berechtigte Kritik; für viele Aktivisten sind beide Technologien geradezu rote Tücher. Für ein Urteil ist es zum jetzigen Zeitpunkt aber noch zu früh, dazu muss Signals Konzept zunächst besser verstanden werden.

(ju)