Simulation: Erde wohl durch Zufall lebenswert für Milliarden Jahre

Dass die Erde so lange Leben ermöglicht hat, bis sich der Mensch entwickelt hat, verdanken wir wohl auch dem Zufall. Das All könnte ziemlich einsam sein.

Lesezeit: 3 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 760 Beiträge

Unsere Erde – auch durch Zufall so lange ein blauer Planet?

(Bild: NASA)

Von
  • Martin Holland

Unsere Erde hat wohl zumindest teilweise durch puren Zufall so lange Leben ermöglicht, dass sich irgendwann wir Menschen entwickeln konnten. Das ist das Ergebnis einer umfangreichen Simulation von 100.000 zufällig generierten Planeten, mit der Erdsystemwissenschaftler Toby Tyrrell von der Universität Southampton herausfinden wollte, wie außergewöhnlich das Schicksal der Erde sein könnte.

Es sei fast mit Sicherheit auch auf Zufall zurückzuführen, dass es unseren Heimatplaneten nicht beispielsweise so ergangen ist wie der Venus oder dem Mars, schlussfolgert er. Das könne auch die erfolgreiche Suche nach außerirdischem Leben auf einer zweiten Erde erschweren.

Wie Tyrrell nun im Fachblatt Communications Earth & Environment des Magazins Nature erläutert, sei es ein Rätsel, wie die Erde über drei bis vier Milliarden Jahre habitabel geblieben ist, also Leben ermöglicht hat. Es erscheine wahrscheinlicher, dass sie irgendwann lebensfeindlich geworden wäre – so wie es beim Mars geschehen zu sein scheint. So sei beispielsweise die Leuchtkraft der Sonne in dieser Zeit um 30 Prozent angestiegen, was eigentlich alles Leben ausgelöscht worden sein müsste. Außerdem sei das Klima haarscharf ausbalanciert. Bislang sei die Wissenschaft davon ausgegangen, dass stabilisierende Mechanismen allein dafür verantwortlich sind, dass die günstigen Verhältnisse erhalten geblieben sind.

Tyrrell hat mit dem Supercomputer seiner Universität 100.000 verschiedene Planeten simuliert, um zu ergründen, wie oft sie bei jeweils 100 Durchläufen für drei Milliarden Jahre lebenswert bleiben würden. Bislang seien solche Simulationen immer nur für einen Planeten durchgeführt worden – die Erde. Tyrrell wollte nun ergründen, ob einige Planeten quasi immer lebenswert blieben und andere nie, oder ob sich die Ergebnisse stärker unterschieden. Die Resultate seien ziemlich klar gewesen, erklärt er. Für die meisten der zumindest teilweise erfolgreichen Planeten habe sich lediglich eine Wahrscheinlichkeit, aber keine Sicherheit ergeben, über den gesamten Zeitraum lebenswerte Verhältnisse zu bewahren.

Von den 100.000 simulierten Planeten konnten demnach etwa neun Prozent (8700) mindestens einmal drei Milliarden Jahre lebenswerte Verhältnisse bieten. Etwa 8000 davon seien aber in weniger als 50 ihrer 100 Durchläufe erfolgreich gewesen, rund 4500 sogar nur weniger als 10 Mal. Das lege nahe, dass Zufall ein wichtiger Faktor ist, wenn es darum geht, über Milliarden Jahre lebenswerte Zustände zu liefern. So gebe es auch in der Erdgeschichte Beispiele für Verhältnisse, in denen fast alles Leben ausgerottet wurde, etwa auf der "Schneeball-Erde". Es dürfte also Exoplaneten geben, die einmal vergleichbare Verhältnisse zu unserer Erde boten, aber irgendwann zu kalt oder heiß wurden. Das könnte die Erfolgsaussichten bei der Suche nach einer zweiten Erde trüben, so Tyrrell.

(mho)