Siri: Warum sich Apple gegen die Öffnung für weitere Sprachassistenten wehrt

Der Digital Markets Act der EU zwingt Apple, weitere Sprachassistenten zuzulassen. Was der IT-Konzern in Gesprächen mit der EU dagegen vorbringt.

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(Bild: mki / heise online)

Von
  • Malte Kirchner

Apple hat sich offenbar bis zur letzten Minute in Brüssel gegen Bestimmungen des Digital Markets Act (DMA) gestemmt, dass "Big Player" wie der iPhone-Konzern künftig Alternativen zu ihren Diensten zulassen müssen. Dies betrifft laut einer E-Mail, deren Herausgabe von einer NGO erwirkt wurde, besonders den Bereich der Sprachassistenten. Der Schriftverkehr mit der EU-Kommission lässt Einblicke zu, wie das Selbstverständnis Apples in Sachen Siri aussieht und wie in Cupertino die Mitbewerber von Google und Amazon gesehen werden.

So warnen die Lobbyisten Apples in der Mail eindringlich davor, dass das Zulassen weiterer Sprachassistenten neben Siri ein erhebliches Datenschutzproblem zur Folge hätte. Schon heute können Alexa und Googles Sprachassistent auch auf Apple-Geräten ausgeführt werden – allerdings nur in deren Apps und nicht durch direkte Sprachaktivierung wie auf den eigenen Geräten der Hersteller. Auf iPhone, iPad, Mac und Co. reagiert hingegen nur Siri auf Sprachaktivierung. Das soll sich nach den Vorgaben des DMA künftig ändern.

Apple führt ins Feld, dass die Siri-Integration in iOS zum Beispiel Blinden Texte vorlese, die sensible Informationen zu Sicherheit und Finanzen enthalten können. Das Zulassen von anderen Sprachassistenten erlaube es diesen, permanent das Mikrofon des Geräts im Hintergrund abzuhören. Die Marktposition der Mitbewerber würde damit zudem gefestigt und sie hätten Zugriff auf noch mehr Nutzerdaten.

Seinen eigenen virtuellen Assistenten, Siri, sieht Apple hingegen nicht als Standalone-Lösung, sondern als Interface des Betriebssystems. Der IT-Konzern betont zudem seine Anstrengungen im Datenschutz, sei es durch lokale Verarbeitung der Spracheingaben auf dem Gerät und dadurch, dass auf Server übertragene Sprachfragmente nicht mit der Apple-ID des Nutzers in Verbindung gebracht werden, sondern über eine zufällig generierte Kennung zugeordnet werden. Allerdings hatte auch Apple in der Vergangenheit mit Kritik am Datenschutz zu kämpfen. So erlaubte ein Bug in iOS 15 das Mithören von Siri-Audiomitschnitten durch Apple-Mitarbeiter.

Apple sieht den Anspruch der EU, dass große Hersteller auch Mitbewerber auf ihren Plattformen zulassen müssen, überdies durch den neuen Smart-Home-Standard Matter abgedeckt, der im Herbst eingeführt werden soll. Dadurch könnten künftig auch Geräte anderer Smart-Home-Hersteller über Siri angesprochen werden. Neben den E-Mails habe es im Frühjahr auch Treffen mit Mitarbeitern der EU-Kommission gegeben, wo Apple seinen Standpunkt erläutert habe. Genützt habe es offenbar nichts. Die Vorschrift wurde nicht abgeändert.

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(mki)