Siri-Whistleblower fordert EU-Untersuchung gegen Apple

Die Aufzeichnung von Siri-Anfragen sei eine massive Datenschutzverletzung und müsse für Apple Konsequenzen haben, so ein ehemaliger Siri-"Mithörer".

Lesezeit: 1 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 80 Beiträge

Apples Sprachassistentin Siri wird immer wieder dafür kritisiert, dass sie schlechter funktioniere als ihre Konkurrenten Google Assistant und Alexa von Amazon.

(Bild: dpa, Daniel Reinhardt)

Von

Ein Siri-Whistleblower hat Datenschützer dazu aufgerufen, Apples Handhabung von Siri-Anfragen eingehend zu prüfen. In einem an europäische Datenschutzbehörden und den europäischen Datenschutzbeauftragten gerichteten offenen Brief fordert der ehemalige Mitarbeiter einer für Apple tätigen Dienstleistungsfirma, dass das "frühere und aktuelle Vorgehen" des Konzerns untersucht und alle dabei gesammelten Daten gesichtet werden müssten. Mitlauschende Sprachassistenten sollten generell gestoppt werden, das gelte nicht nur für Apple, sondern für von anderen Konzernen angebotene Dienste.

Mitarbeiter von Apple-Subunternehmen hatten sich im vergangenen Jahr an Medien gewendet und über ihren Arbeitsalltag berichtet, bei dem Siri-Audiomitschnitte von Nutzern unter offenbar oft laxen Datenschutzpraktiken ausgewertet wurden. In den Aufzeichnungen seien immer wieder intime Details zu hören gewesen sowie persönliche Informationen, die eine Identifizierung ermöglichen würden.

Apple hatte die menschliche Auswertung der Sprachbefehle daraufhin vorübergehend gestoppt und Verbesserungen angekündigt. Seit Herbst 2019 werden Siri-Audiomitschnitte wieder von Menschen ausgewertet, wenn der Nutzer dem zustimmt. Apple verspricht seitdem auch, dass Aufzeichnungen nach einer versehentlichen Siri-Aktivierung gelöscht statt ausgewertet werden – und nur noch eigene Mitarbeiter Zugriff erhalten. Einen detaillierten Einblick in die eigenen, bereits getätigten Siri-Anfragen erhalten Nutzer weiterhin nicht, auch das Löschen zurückliegender Siri-Spracheingaben scheint nur begrenzt möglich.

Die Medienberichte im vergangenen Jahr über die menschliche Auswertung von Siri-Mitschnitten sei nicht genug gewesen, schreibt Thomas Le Bonniec in dem vom Standard veröffentlichten Brief. Er habe deshalb seine Verschwiegenheitsvereinbarung mit dem Subunternehmen gebrochen und trete nun direkt an die Öffentlichkeit, um endlich eine Untersuchung durch Behörden zu erwirken und andere Siri-Auswerter zu einer Aussage zu ermutigen. Das Risiko, das er dabei eingehe, sei es nur wert gewesen, wenn es tatsächlich zu einer richtigen Untersuchung kommt, so Bonniec. (lbe)