Sitzheizung & Co.: BMW will mehr Zusatzfunktionen im Abo verkaufen

BMW steigt stärker ins Geschäft mit digitalen Diensten ein, die kostenpflichtig als Software-Upgrade gebucht und aus der Ferne installiert werden.

Lesezeit: 2 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 782 Beiträge

(Bild: fuyu liu/Shutterstock.com)

Von

BMW wandelt weiter auf den Spuren von Tesla und setzt verstärkt auf digitale Geschäftsmodelle. Derzeit bietet der Münchner Autobauer seinen Kunden bereits erste einschlägige Dienste sowie zusätzliche Fahrzeugeigenschaften in Form eines "digitalen Nachverkaufs" an, die teils tief in der Systemsoftware verankert sind. Diese Woche kündigte der Konzern an: "In naher Zukunft werden weitere Funktionen hinzukommen, die auf die bereits vorhandene Hardware und Software des Fahrzeugs zugreifen können."

heise online daily Newsletter

Keine News verpassen! Mit unserem täglichen Newsletter erhalten Sie jeden Morgen alle Nachrichten von heise online der vergangenen 24 Stunden.

Details nannte BMW zunächst nicht. Laut dem IT-Nachrichtendienst Ars Technica plant das Unternehmen, das Bezahlmodell auf Features wie eine fernsteuerbare Sitzheizung zu übertragen. Derzeit verfügbare Beispiele für solche Dienste sind der Fernlichtassistent, das Fahrerassistenzsystem Active Cruise Control (ACC) mit "Stop & Go"-Funktion, der jüngst angekündigte "Driver Recorder", der die Umgebung des Fahrzeugs 40 Sekunden lang mit den integrierten Kameras aufzeichnen kann, ein adaptives Fahrwerk sowie ein vom Filmmusik-Komponisten Hans Zimmer entwickeltes Klangsystem ("IconicSounds").

"Über die Option des Nachbuchens zusätzlicher Fahrzeugfunktionen via ConnectedDrive Store stärkt BMW die Auswahl und Personalisierung für die Kunden und bietet ihnen ein Maximum an Flexibilität", versuchen die Bayern ihr Vorhaben den Kunden schmackhaft zu machen. Man stelle weiterhin diverse Komponenten im Bereich Hard- und Software im Fahrzeug ab Werk zur Verfügung. Diese sollen die Käufer später aber vermehrt nach Bedarf und eigenen Wünschen anpassen können. Vor allem das neue Elektroauto iNext werde "die Möglichkeiten der Personalisierung weiter verbessern".

Dienste, die man zunächst nicht für nötig erachtet habe, ließen sich so nachträglich hinzubuchen, führt BMW aus. Ein Zweitbesitzer habe damit auch die Möglichkeit, das gebrauchte Fahrzeug nach eigenem Gusto zu konfigurieren, als sei es ein Neuwagen. Darüber hinaus will der Hersteller die Buchungszeiträume für einschlägige Services flexibler gestalten. Kunden könnten Produkte so für einen Testzeitraum von einem Monat ausprobieren, im Anschluss seien diese "für ein oder drei Jahre" buchbar.

Die technische Voraussetzung für die Digital-Abonnements bietet der 2018 eingeführte Basisdienst "Remote Software Upgrade". Er ist generell dafür da, Fahrzeuge aktuell zu halten und auch etwa Sicherheitsupdates aus der Ferne einfach ins Auto zu bringen. Selbst für umfangreiche Upgrades werden laut BMW dabei "kaum mehr als 20 Minuten reine Installationszeit benötigt". Der kalifornische Konkurrent Tesla fügt mit seinen Betriebssystem-Updates schon seit langem regelmäßig neue Funktionen ein und verkauft ebenfalls den Zugang etwa zu speziellen Fahrassistenztechniken.

Näher erläutert hat der Autobauer zudem seine Datenstrategie. Viele der neuen Dienste und Funktionen, die mit einem Upgrade in die Fahrzeuge einziehen, wären ohne Messwerte aus der Umwelt nicht realisierbar, heißt es in München. Ziel sei es, damit Komfort und Effizienz zu verbessern, ohne aber Kompromisse beim Datenschutz und der IT-Sicherheit einzugehen. BMW erhebe und nutze daher Informationen ausschließlich zweckgebunden. Die Kunden könnten über das Datenschutzmenü wählen, welche digitalen Services sie nutzen und hierfür relevante Messwerte aus dem Fahrzeug übermitteln möchten.

Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen bereits mehr als 14 Millionen vernetzte Fahrzeuge auf die Straße gebracht: "Alle 24 Stunden hat die BMW-Flotte 98,5 Prozent des gesamten deutschen Autobahnnetzes befahren. Sie sichtet und verarbeitet täglich weltweit 25 Millionen Verkehrsschilder und übermittelt über 700 Millionen GPS-Punkte zur Verkehrssituation." Man verarbeite diese Informationen "ausschließlich in anonymisierter Form", werte sie mithilfe von maschinellem Lernen aus und entwickele so neue Algorithmen und Angebote, von denen die gesamte Flotte profitiere.

(bme)