Slackware als Basis: Live-System Slacko Puppy Linux 7.0 erschienen

Die Puppy-Familie hat mit "Slacko Puppy 7.0" Nachwuchs bekommen, der nach vier Jahren die lange bestehende Slackware-Linie der Live-Systeme fortsetzt.

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(Bild: Screenshot)

Von
  • David Wolski

Ein Einzelkämpfer aus der sehr aktiven Entwicklergemeinde um Puppy Linux hat vor wenigen Tagen eine neue Ausgabe des schlanken Live-Systems veröffentlicht. Das Besondere: Slacko Puppy Linux 7.0 führt nach gut vier Jahren Entwicklungszeit die Slackware-Linie von Puppy Linux fort – die letzte "Slacko"-Ausgabe (6.3.0) war im Februar 2015 erschienen. Der aktuellen Veröffentlichung vorausgegangen war im September vergangenen Jahres das Ubuntu-basierte Puppy-Linux 9.5.

Die neue Version 7.0 des Live-Systems wurde aus den Quellen von Slackware 14.2 neu gebaut. Sie liegt in einer 32- sowie in einer 64-Bit-Variante ("Slacko64") vor und bootet in letzterer nun auch im UEFI-Modus. Die selbst für Puppy Linux sehr schlicht geratene Oberfläche umfasst die neue Version 2.3.6 des in C geschriebenen Window-Managers "Joe's Window Manager" (JWM), umgestaltete Konfigurationstools sowie den neuen Installer "FrugalPup". Der Kernel der 64-Bit-Version ist, dem Stand von Slackware 14.2 entsprechend, noch bei der LTS-Version 4.19, welche noch bis 2024 Bugfixes erhält. Die 32-Bit-Version nutzt derweil noch Kernel 4.4.

Laut Entwickler wurden die Bootscripts der initialen Ramdisk (Initrd) komplett neu geschrieben, sodass das System mit Hilfe von Grub 2 auch aus einer ISO-Datei heraus bootfähig ist.

Puppy Linux ist keine Linux-Distribution im herkömmlichen Sinne, sondern vielmehr eine ganze Familie von Live-Systemen. Alle offiziellen und inoffiziellen Mitglieder stammen vom Build-System "Woof-CE" ab, einer Sammlung von Skripten, die aus den Paketquellen von Ubuntu, Debian, Slackware und inzwischen auch vom Debian-Derivat Raspberry Pi OS minimale Systeme erstellen und die Bootumgebung und Tools für den Live-Betrieb ergänzen.

Während viele Projekte Linux-Systeme als Grundlage nehmen, die mit weiteren Ergänzungen ausgebaut werden, geht Puppy den umgekehrten Weg und entfernt zunächst viele systemspezifische Komponenten wie Scripts zur Hardwareerkennung, Installer, Network Manager, Desktop-Umgebungen und Programme. Mittels Woof-CE erhalten sie eine neue Auswahl von Skripten und Tools sowie eine minimale Softwareausstattung. Das Ergebnis sind besonders kompakte Live-Systeme: Das aktuelle Puppy Linux 7.0 "Slacko" umfasst in der 64-Bit-Variante beispielsweise nur 343 MByte. Geeignet sind solche Systeme vor allem dazu, selbst auf besonders alter PC-Hardware bei Bedarf einen funktionalen Linux-Desktop zu starten.

Ganz schlüsselfertig ist Puppy Linux nie und "Slacko" ist da keine Ausnahme: Neben den eigenen Tools zur Konfiguration und Installation ist wenig vorinstalliert. In der vorliegenden Puppy-Ausgabe ist Firefox ESR 68.12 von August 2020 als umfangreichste Anwendung vertreten. Um die WLAN-Verbindung kümmert sich das alternative Konfigurationswerkzeug "Frisbee" statt dem Network Manager. Statt einer Office-Suite sind als platzsparende Alternativen Abiword und Gnumeric vorhanden.

Weitere Pakete, die während des Betriebs des Live-Systems oder bei einer installierten Variante nachinstallierbar sind, ergänzen Puppy bei Bedarf. Dazu gibt es in Puppy Linux 7.0 unter "Applications --> System" einen Paketmanager, der aus den Quellen von Slackware 14.2 schöpft. Auf die Schnelle können weitere Browser wie Chromium, Opera und Vivaldi per Script unter "Setup" heruntergeladen werden. Wie auch in anderen Puppy-Versionen ist der Standardbenutzer als root angemeldet. Auf Wunsch können die Webbrowser in einem unprivilegierten Benutzerkonto gestartet werden.

Im Unterschied zu den vielen modifizierten Puppy-Varianten handelt es sich bei Slacko Puppy 7.0 um ein offizielles Release, weshalb auf der offiziellen Website zu Puppy Linux auch Release Notes bereitstehen. Dort sind auch die 32- und 64-Bit-Downloads verlinkt.

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(ovw)