LoRaWAN: Netcologne vernetzt die Dinge in Köln

Von Parkplatzüberwachung bis zur Baustellenerfassung: Mit dem energiesparenden IoT-Funk will Netcologne die Digitalisierung in der Stadt Köln voranbringen.

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(Bild: Netcologne)

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  • Torsten Kleinz

Der regionale Netzbetreiber Netcologne hat am Donnerstag sein Schmalband-Funknetz für das Internet der Dinge (IoT) in Köln eingeweiht. Das energiesparsame Long Range Wide Area Network (LoRaWAN) wird bereits von den Stadtwerken für Anwendungen wie der Füllstandsanzeige bei Müllcontainern genutzt, soll aber auch die Wohnungswirtschaft in der Stadt ansprechen.

LoRaWAN arbeitet im zuteilungsfreien Frequenzbereich bei 868 MHz. Der Vorteil ist eine große Reichweite bei gleichzeitiger hoher Durchdringung. Für das Kölner Stadtgebiet reichen 40 Antennen aus. "Damit können wir jeden Quadratmeter in Köln ausleuchten", sagte Timo von Lepel, Geschäftsführer NetCologne, zur Vorstellung des neuen Angebots auf der Messe PolisMobility.

Dank der guten Gebäudedurchdringung erreicht das Netz auch Sensoren in den Kellern von Gebäuden. Der Nachteil: das Netz ist nur für kleine Datenmengen geeignet. Eine Überwachungskamera könnte zwar einen Alarm an eine Zentrale melden, allerdings keine Bilder über LoRaWAN übermitteln.

Die Anwendungen ähneln denen, die Mobilfunknetzbetreiber gerne für 5G anführen: Vom Parkplatzsensor über die Baustellenerfassung bis hin zur Heizungssteuerung für Straßenbahngleise. Damit wildert der Lokalprovider in dem Geschäftsbereich der Mobilfunker, deren Funkzellen Netcologne mit seinem Glasfasernetz anbinden will.

Von einer Konkurrenzsituation wollte von Lepel deshalb nicht sprechen. Der Netcologne-Chef betonte aber, dass eigene Infrastrukturen wichtig seien. "Es ist auch ein klares Ziel von uns, nicht auf andere zu warten". Auch der Glasfaserausbau in Köln sei nur durch Eigeninitiative zustande gekommen.

Beim Aufbau des Netzes hat sich der Provider Unterstützung bei anderen Betrieben der Stadt gesucht: Die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) wollen mit LoRaWAN ihre Gleise überwachen, die Abfallwirtschaft ihre Müllcontainer und der Stromversorger Rheinenergie hat seine Kabelverteilerschränke mit Sensoren ausgestattet, um zum Beispiel Überhitzungen oder ein offenstehendes Gehäuse zu melden.

Gleisüberwachung bei der KVB.

(Bild: Netcologne)

Für kritische Anwendungen eignet sich die Funktechnik allerdings nicht. Als erstes will sich Netcologne nun an die Wohnungswirtschaft wenden, die zum Beispiel Heizkostenverteiler per Funk erreichbar machen oder sich durch Sensoren vor Rohrbrüchen warnen lassen können.

An das LoRaWAN-Netz angeschlossen ist das ThingsNet, die eigene IoT-Plattform von Netcologne, in denen Kunden auf die Sensordaten zugreifen können und mit der sie Steuerbefehle aussenden können. Zum Beispiel kann eine Lüftungsanlage aktiviert werden, wenn der CO₂-Wert an einem Sensor zu hoch ist oder eine Heizungsanlage aktiviert werden, wenn Nachfrost gemeldet wird.

Als Vorteile gegenüber anderen Techniken nennt Netcologne zum einen die Energieersparnis: Theoretisch können LoRaWAN-Sensoren bis zu zehn Jahren ohne Batteriewechsel auskommen - allerdings nur, wenn die Sensoren pro Tag nur kurze Zeit erwachen, um kleine Datenpakete zu verschicken. Inwieweit sich diese Werte in der Praxis bewahrheiten, muss sich aber noch zeigen. Zudem stehe insbesondere durch die Verbreitung von LoRaWAN in Asien bereits heute eine breite Auswahl kostengünstiger Sensoren zur Verfügung.

Als weiteren Vorteil sieht das Unternehmen die Datenhoheit ihrer Kunden. Die Sensordaten sollen nur in den lokalen Rechenzentren verarbeitet werden, sofern sie vom Kunden nicht selbst weitergeleitet werden. Ein Privatkunden-Angebot plant Netcologne für das neue Netzwerk nicht, es gibt auch kein festes Preisschema.

(vbr)