Smart oder dumb: Fernseher richtig auswählen

Sie überlegen, sich für die kommenden Winterabende ein neues TV zuzulegen? Dann hätten wir ein paar Ratschläge für Sie.

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Von
  • Ulrike Kuhlmann
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Wer aktuell ein neues Fernsehgerät kaufen möchte, wird eine Menge Angebote finden. Die große Auswahl machts zwar preiswerter, aber nicht unbedingt leichter. Deshalb sollten Sie einige grundlegende Entscheidungskriterien festlegen: Welche Größe und welche Ausstattung sind das Minimum, wo liegt das Preislimit.

Die Auflösungsfrage stellt sich aktuell nicht: Alles über 32 Zoll Diagonale (80 Zentimeter) sollte 4K-Auflösung mit 3840 × 2160 Pixeln haben. Noch mehr Pixel wie sie 8K-Displays haben, bringen derzeit wenig – es fehlen die Inhalte. Auf die vermeintliche Zukunftssicherheit sollte man nicht setzen: Wer heute ein 8K-TV kauft, wird damit eher nicht für die nächsten Jahre gerüstet sein. Dafür ändert sich noch zu viel bei den Videoformaten und Schnittstellen.

Manch einer sucht möglicherweise gar keinen Fernseher, sondern eigentlich nur ein großes Display: Ein "dummes" TV, also ein Smart-TV ohne smarte Funktionen, lässt sich mit einem Streaming-Client fit machen für Netflix & Co. Solche Fernseher gibt es zwar, in den Ladenregalen von Saturn, Expert & Co. wird man sie aber kaum finden. Dort stehen stattdessen Smart-TVs, die außer Tuner auch Apps fürs Streaming eingebaut haben.

Große Displays ohne smarte Funktionen und ohne TV-Tuner sind meist deutlich teurer als ihre smarten Kollegen. Der Grund: Sie sind für den 24/7-Betrieb ausgelegt. Es gibt einige wenige "dumme" TVs mit Tuner, aber ohne Internetanbindung. Diese haben allerdings Nachteile gegenüber den Smart-TVs: Ihnen fehlen typischerweise spezielle Prozessoren für die Bildaufbereitung wie eine Bewegtbildkompensation, wirksame Rauschfilter oder ausgefeilte Bildpresets. Hier haben die Smart-TVs im Allgemeinen deutlich mehr zu bieten.

Statt die eingebauten Streaming-Apps zu nutzen kann man das TV-Display auch mit einem Streaming-Client wie Googles Chromecast aufrüsten.

Bei der TV-Suche wird man mit diversen Techniken konfrontiert: LCD, QLED, LED, OLED oder auch Mikro-LED. Bei den drei Erstgenannten handelt es sich um Fernseher mit Flüssigkristallschirm, Mikro-LED meint ebenfalls LCD-TV oder beschreibt eine ganz neue Displayvariante, OLED-TVs nutzen ein organisches Display.

Will man nicht mehr als 1000 Euro ausgeben, stellt sich die Frage ob LCD oder OLED derzeit kaum – OLED-TVs sind im Allgemeinen teurer. Für sehr helle Räume empfehlen sich LCD-TVs, weil sie dank ihrer höheren maximalen Leuchtdichte auch dann ausreichend kontraststarke Bilder präsentieren. Achtung: Bei den billigsten Flüssigkristallschirmen sparen die Hersteller am Backlight, für solche Geräte gilt das nicht.

OLED-TVs sind prinzipiell sehr kontraststark, weil ihre Pixel an den Stellen, an denen der Bildinhalt schwarz ist, einfach aus bleiben. Auch die Farbwahrnehmung profitiert vom satten Schwarz. Allerdings ist die maximale Helligkeit von OLED-TVs geringer und der Schwarzwert steigt durch Reflexionen am Schirm in heller Umgebung. Deshalb verblasst die Darstellung am OLED-TV im lichtdurchfluteten Wohnzimmer. OLED-Displays bieten die größten Einblickwinkel, also kontrast- und farbstarke Bilder, selbst wenn man seitlich draufschaut.

Bei Displays mit Mikro-LED-Technik muss man unterscheiden zwischen herkömmlichen LCDs, in deren Rücken viele kleine Dioden die LC-Schicht beleuchten, und Displays, bei denen die LEDs selbst als Pixel dienen. Letztere sind noch Zukunftsmusik. Kaufen können Sie dagegen bereits LCD-TVs mit einem Direct-LED-Backlight und Local Dimming (FALD): Besitzt das TV sehr viele LED-Zonen, sorgt das für beeindruckende Kontraste, was insbesondere HDR-Inhalten zugutekommt. Der Schwarzwert der LCD-Pixel ist dadurch allerdings nicht besser und gegen die Blickwinkelabhängigkeit vieler LCD-TVs hilft das FALD-Backlight auch nicht.

Im Wärmebild wird deutlich, welcher Fernseher ein Direct-LED-Backlight nutzt (links) und wer auf LED-Streifen des Edge-LED setzt (rechts).

Moderne Fernseher beherrschen fast durchweg die Wiedergabe kontraststarker HDR-Inhalte. Allerdings hängt das Ergebnis stark vom Gerät ab und die TVs unterstützen je nach Hersteller und Modell unterschiedliche HDR-Formate: HDR10 und HLG beherrschen fast alle, an HDR 10+ und Dolby Vision scheiden sich dagegen die Geister. Bei HDR10+ und Dolby Vision werden die Videodaten dynamisch an den jeweiligen Bildinhalt angepasst: Samsung setzt auf HDR 10+, Sony und LG auf Dolby Vision, Hersteller wie Panasonic und Philips umgehen mögliche Konflikte und unterstützen einfach beides.

Werden keine HDR-Formate zugespielt, etwa beim Fernsehgucken, können die meisten TVs ihre Darstellung dennoch HDR-mäßig aufbereiten. Im Ergebnis bekommt man dann oft knallbunte, überstrahlte Bilder zu sehen.

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