Smartphones: Marktführer wachsen, Chipkrise bedroht die Kleinen​

Samsung und Apple, aber auch Xiaomi, Oppo und Vivo verkaufen nach dem Pandemiejahr wieder mehr Geräte. Für kleine Hersteller wird es eng, meinen Marktforscher.​

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(Bild: bodnar.photo/Shutterstock.com)

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  • Volker Briegleb

Nach dem schwierigen Pandemiejahr 2020 hat sich der weltweite Smartphoneabsatz zum Jahresbeginn wieder erholt. Im ersten Quartal 2021 haben die Hersteller knapp 378 Millionen Geräte an Endverbraucher verkauft. Das ist ein gutes Viertel mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Das geht aus Berechnungen hervor, die das Marktforschungsinstitut Gartner am Montag veröffentlicht hat.

"Bessere Aussichten für Verbraucher, anhaltendes Lernen und Arbeiten von zu Hause aus sowie die aufgestaute Nachfrage aus dem Jahr 2020 haben den Absatz von Smartphones im ersten Quartal angekurbelt", erklärte Gartner-Analyst Anshul Gupta laut einer Mitteilung. "Verbraucher geben nun wieder Geld für Luxusartikel aus, da sich die Pandemie-Situation in vielen Teilen der Welt verbessert hat und die Märkte wieder geöffnet wurden."

Gartner verweist darauf, dass die Vergleichszahlen für 2020 pandemiebedingt sehr niedrig waren und die Steigerungswerte deshalb nicht überzubewerten ist. So konnte Samsung dank preiswerter Einsteigergeräte und einem frühen Angebot von 5G-Smartphones seinen Absatz deutlich steigern und die Marktführung von Apple zurückerobern, deren erstes 5G-fähiges iPhone sich einer anhaltenden Nachfrage erfreut. "5G wird der wichtigste Wachstumstreiber für Apple im Jahr 2021 sein", sagte Gupta.

Hinter Samsung und Apple haben sich die chinesischen Hersteller Xiaomi, Oppo und Vivo eingerichtet. Sie profitieren einerseits vom Rückzug des südkoreanischen Herstellers LG und andererseits von den Problemen, die Huawei plagen. Der chinesische Riese, der einst Ambitionen auf die Marktführung hegte, hat mit US-Sanktionen zu schaffen und seine Tochtermarke Honor zum Jahreswechsel verkauft. Damit fehlt dem einst mächtigen Hersteller ein Viertel seines bisherigen Absatzvolumens.

Smartphone-Verkäufe Q1 2021 nach Hersteller (Gartner)
1. Quartal 2021 1. Quartal 2020
Hersteller Geräte MA Geräte MA Geräte +/-
Samsung 76,61 Mio. 20,3 % 55,33 Mio. 18,4 % +38,5 %
Apple 58,55 Mio. 15,5 % 40,92 Mio. 13,6 % +43,1 %
Xiaomi 48,94 Mio. 12,9 % 29,68 Mio. 9,9 % +64,9 %
Vivo 38,72 Mio. 10,2 % 22,32 Mio. 7,4 % +73,4 %
Oppo 38,39 Mio. 10,2 % 23,95 Mio. 8,0 % +60,3 %
Andere 116,78 Mio. 30,9 % 127,84 Mio. 42,6 % -8,6 %
Gesamt 377,99 Mio. 300,04 Mio. +26,0 %
Gartner, Juni 2020

In der Gartner-Statistik wird Huawei nun unter "Andere" ausgewiesen. "Honor ist nicht in den Top 10, deshalb wurde es nicht aufgeführt", erklärte Gupta gegenüber heise online. "Die Verkäufe von Huawei und Honor an Endkunden im ersten Quartal 2021 betrugen 19,5 Millionen beziehungsweise 6,6 Millionen." Im ersten Quartal des vergangenen Jahres hatten Huawei und Honor zusammen noch rund 42,5 Millionen Smartphones verkauft, was für den zweiten Platz hinter Samsung reichte.

Während die führenden Anbieter ihre Marktanteile ausbauen können, dürften kleinere Hersteller in Zukunft unter Druck geraten. Der Lieferengpass bei Halbleitern sei noch nicht auf die Smartphone Hersteller durchgeschlagen, führen die Gartner-Analysten aus. In der Lieferkette herrsche noch ein Gleichgewicht aus Angebot und Nachfrage. Das könnte sich in den kommenden Quartalen aber ändern und unter anderem in höheren Preisen niederschlagen.

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Dann seien besonders kleinere Hersteller gefährdet, sagte Gupta der dpa. Für Schwergewichte mit großen Ordervolumen sei es zum einen einfacher, sich bei Zulieferern knappe Bauteile zu sichern. "Zum anderen wird es für die kleinen Player immer schwieriger, die Komponenten zu wettbewerbsfähigen Preisen zu bekommen."

Das treibe kleinere Smartphone-Anbieter in die Enge: Ihre Kosten steigen, sie haben aber kaum Spielraum, dies als Preiserhöhungen an die Kunden weiterzugeben. Wegen der Bauteile-Knappheit hätten einige von ihnen bereits Produktstarts aufgeschoben. "In den nächsten sechs bis zwölf Monaten dürften die Großen ihre Marktanteile weiter ausbauen, während die kleineren Player Probleme haben werden, sich im Geschäft zu halten", prognostizierte Gupta.

(vbr)