Spectacles 4: Neue Augmented-Reality-Brille von Snapchat

Neue "Spectacles" blenden digitale Inhalte in die reale Welt. Snapchat kommt Apple und Facebook im Wettlauf um die nächste wichtige Computer-Plattform zuvor.

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Neue Spectacles AR-Brille

Neue Spectacles AR-Brille

(Bild: Snap)

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  • dpa

Snapchat-Entwickler Snap hat eine Spezialbrille vorgestellt, mit der sich digitale Inhalte ins Blickfeld des Nutzers einblenden lassen. Solche Brillen werden unter anderem von Apple und Facebook erwartet – aber die Entwicklerfirma Snap überholte sie mit der Präsentation am Donnerstag. Die "Spectacles"-Brille blendet die virtuellen Objekte in einen eingeschränkten Teil des Blickfelds ein. Sie ist zunächst nur für von Snap ausgewählte Nutzer verfügbar und wird nicht zum Kauf angeboten.

Die Kombination aus digitalen Inhalten und der realen Welt ist bekannt unter der Bezeichnung erweiterte Realität (AR, Augmented Reality). Bisher wird die Technik vor allem auf Smartphone-Bildschirmen genutzt. Für Snap ist es bereits die vierte Generation der Spectacles. Spectacles 3 wurde 2019 vorgestellt und bietet 3D-Wirkung dank zwei Kameras. Die Spectacles-Brille ist aktuell dafür gedacht, dass Snapchat-Nutzer coole Videos mit digitalen Effekten erstellen können. Das lässt also ein breites Feld für andere Anwendungsszenarien.

Nach Anfängen in Spaß-Funktionen und digitaler Kunst werde AR immer mehr auch für geschäftliche Anwendungen eingesetzt, sagte Mitgründer und Chef Evan Spiegel der Deutschen Presse-Agentur. Aber voraussichtlich erst in den nächsten zehn Jahren werde man das volle Potenzial der Technologie mit AR-Brillen ausschöpfen können, betonte er. "Bisher nutzten wir AR auf einem kleinen Bildschirm, als würden wir auf die Welt durch eine Toilettenpapier-Hülse blicken. Wenn wir in der Zukunft ein viel weiteres Blickfeld haben und dabei unsere Hände frei benutzen können, wird das ganz neue Möglichkeiten schaffen."

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Die größte Herausforderung bei der Entwicklung der AR-Brillen sei derzeit, die richtige Balance zwischen einem möglichst großen Blickfeld für die digitalen Inhalte und dem Stromverbrauch sowie der Größe der dafür erforderlichen Bauteile zu finden, sagte Spiegel. "Die technischen Einschränkungen der Hardware fordern heute eine Menge Kompromisse ab." Daher dürfte noch ein Jahrzehnt vergehen, bis die Brillen von Verbrauchern breit genutzt werden, schätzte er.

Die Brille Snaps wiegt 134 Gramm und hat vier Kameras. Sie ist deutlich leichter und kompakter als die Hololens-Brille Microsofts, die der Konzern Unternehmen anbietet. Auf der Technik-Messe CES stellte Anfang 2020 auch der deutsche Technologiekonzern Bosch den Prototyp einer leichten und schlanken AR-Brille vor, in der zum Beispiel Routen-Anweisungen oder Chat-Nachrichten angezeigt werden können.

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Bosch wurde in der Branche als möglicher Zulieferer Apples gehandelt – während der iPhone-Konzern nicht einmal die Arbeit an einer Brille bestätigt. Zuletzt gab es Spekulationen, Apple könne bei seiner Anfang Juni anstehenden Entwicklerkonferenz WWDC einen Ausblick auf das Gerät geben.

Spiegel betonte, der Wettbewerb mit den Tech-Schwergewichten schrecke ihn nicht. "Wir werden schon seit der Gründung vor zehn Jahren danach gefragt – und unsere Strategie war immer, uns auf unsere Nutzer zu fokussieren."

Zugleich ist Snapchat selbst nicht gerade klein. Die App hat 500 Millionen mindestens einmal im Monat aktive Nutzer, täglich greifen 280 Millionen auf sie zu. Und Snap will eine zentrale Schnittstelle zwischen der realen Welt und virtuellen Inhalten sein.

(fds)