So möchte die Bundesverwaltung klimaneutral werden

Das Bundeskabinett hat ein neues "Maßnahmenprogramm Nachhaltigkeit" beschlossen. Es reicht weit, von Druckerpapier über Reisen bis zum Heizen.

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Bundeskanzleramt

Das Bundeskanzleramtsgebäude zu Berlin

(Bild: Rolf Heinrich aus Köln CC BY 3.0)

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Klimaneutral soll Deutschlands Bundesverwaltung bereits 2030 sein. Dafür hat die Bundesregierung am Mittwoch ein neues "Maßnahmenprogramm Nachhaltigkeit" beschlossen. Es ersetzt die bisherige Version aus dem Jahr 2015. Planänderungen gibt es unter anderem im Gebäudebereich, bei der Mobilität und Veranstaltungen. In vier Jahren wird das Programm überprüft.

Die Bundesverwaltung möchte nicht bloß das Klimaschutzgesetz umsetzen, sondern Vorbild sein und "Treibhausgasemissionen vorrangig vermeiden und reduzieren", widrigenfalls kompensieren. Jede Einrichtung soll sich selbst bemühen, für die Streitkräfte und die Geheimdienste des Bundes sind Ausnahmen möglich. Vorgeschrieben werden jährliche Berichte über die Umsetzung.

Die 2020 eingerichtete Koordinierungsstelle Klimaneutrale Bundesverwaltung (KKB) muss dieses Jahr ein Datenformat für die Berichterstattung der Bundesstellen über ihre CO2-Gebarung ausarbeiten. Nächstes Jahr folgt ein "Pilotvorhaben zur intelligenten Steuerung von An- und Abwesenheiten mit zehn Behörden". Ortsunabhängiges, mobiles Arbeiten soll CO2-Emissionen vermeiden. Darüber hinaus wird die KKB mit den Ministerien deren vor- und nachgelagerte Emissionen erheben, Maßnahmen suchen und Indikatoren zur Erfolgsmessung entwickeln.

Videokonferenzen sollen Dienstreisen ersetzen. Innerdeutsche Flüge sind laut der neuen Vorgaben zu vermeiden, bei Taxifahrten oder Kfz-Mieten sind emissionsarme Autos - möglichst Elektrofahrzeuge – zu bevorzugen. Alle Dienststellen sollen für Dienstreisen am Dienstort zeitnah bedarfsgerecht Dienst- und Elektrofahrräder zur Verfügung stellen und deren Einsatz bewerben.

Der Fuhrpark des Bundes soll in den gängigen Klassen Kfz "mit alternativen und umweltschonenden Antriebstechnologien (Batterieelektro-, Brennstoffzellen- oder Hybridelektrofahrzeuge) wählen". Bis 2025 sollen mindestens 50 Prozent der Fahrzeuge Elektro- oder Hybridantriebe haben.

Informationstechnik soll mit weniger Strom auskommen, wobei künftig die mittelbare Bundesverwaltung einbezogen wird, die nur der Rechtsaufsicht der öffentlichen Hand unterliegt. Neue Beschaffungskriterien für Green IT werden erst ausgearbeitet. Rechenzentren sollen die Kriterien des einschlägigen Blauen Engels (DE-UZ 161) berücksichtigen – das gilt auch für externe Rechenzentren.

Der gesamte Gebäudebestand des Bundes soll bis spätestens 2045 saniert werden. Für Neubauten gilt das Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB). Bei Veranstaltungen soll im Winter nicht über 20 Grad Celsius geheizt und im Sommer nicht mehr als 6 Grad unter Außentemperatur gekühlt werden. Ab Ende 2024 soll der gesamte nicht selbst erzeugte Strom Ökostrom sein. Die Regierung rechnet dafür mit rund zwei TWh.

(ds)