SoftBank könnte CPU-Entwickler ARM wieder verkaufen

Vor 4 Jahren hat Softbank ARM gekauft. Nun erwägen die Japaner, den britischen Chip-Entwickler durch einen Börsengang oder Verkauf wieder abzustoßen.

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ARM-Chips dominieren den Smartpone-Markt. Bislang wurden mehr als 165 Milliarden ARM-Chips ausgeliefert.

(Bild: Morocko/Shutterstock.com)

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Die japanische SoftBank Group überlegt, den britischen Chip-Entwickler ARM ganz oder teilweise zu verkaufen. Erwogen wird auch ein Börsengang. Das berichten US-Medien unter Berufung auf Eingeweihte. SoftBank soll bereits ein Angebot erhalten haben. Als Berater fungiere das Finanzinstitut Goldman Sachs. ARM-Chips stecken in fast allen Smartphones.

ARM hat seinen Sitz in Großbritannien und entwirft Chip-Architekturen. Diese werden dann an Chip-Hersteller lizenziert. Weitere Lizenznehmer sind Technikfirmen wie Apple und Samsung, die die ARM-Architekturen zu eigenen Prozessoren weiterentwickeln. Insgesamt haben Lizenznehmer bislang mehr als 165 Milliarden ARM-Chips ausgeliefert, davon 22 Milliarden im vergangenen Jahr.

2016 hatte der japanische Telekommunikationskonzern Softbank mitgeteilt, ARM kaufen zu wollen. 2017 wurde die Übernahme des Chip-Entwicklers dann abgeschlossen. Der Kaufpreis: 24 Milliarden Pfund (damals rund 29 Milliarden Euro oder 32 Milliarden Dollar). SoftBank-Chef Masayoshi Son lag die Übernahme persönlich am Herzen, auch wenn nicht ganz deutlich wurde, wie der Zukauf zur Konzernfamilie passt.

Nun aber braucht SoftBank flüssige Mittel, um Milliardenverluste auszugleichen und ein Aktienrückkaufprogramm zu finanzieren. Dafür hat der japanische Konzern angekündigt, Beteiligungen im Wert von bis zu 41 Milliarden US-Dollar zu verkaufen. Alleine von dem im Juni vereinbarten Verkauf von T-Mobile-USA-Aktien an die Deutsche Telekom erwartet Softbank gut 20 Milliarden Dollar.

Vergangene Woche hat ARM eine Reorganisation angekündigt. Zwei Unternehmenssparten für das Internet der Dinge (IoT), nämlich IoT Platform und Treasure Data, sollen noch dieses Jahr ausgegliedert werden, aber im SoftBank-Konzern verbleiben. ARM selbst verspricht sich davon einen besseren Fokus auf das Kerngeschäft der Entwicklung von Prozessorarchitekturen und damit verwandten "Geistigen Eigentums".

Der Supercomputer Fugaku wurde vom japanischen Forschungszentrum RIKEN gemeinsam mit Fujitsu entwickelt. In dem System rechnen mehr als sieben Millionen ARM-Chips.

(Bild: Riken)

Diesen Juni konnte ARM einen besonderen Triumph feiern: Ein japanisches Rechensystem namens Fugaku mit mehr als sieben Millionen ARM-Kernen ist seither der schnellste Supercomputer der Welt. Der US-amerikanische Computer Summit mit IBM und Nvidia-Chips wurde nicht bloß auf Rang 2 verdrängt, sondern regelrecht degradiert: Fugaku schafft 2,8 mal so viele Berechnungen pro Sekunde wie Summit. Gegenüber Deutschlands schnellstem Supercomputer, dem SuperMUC-NG am Leibniz-Rechenzentrum in Garching, liegt der Faktor sogar höher als 21.

(ds)