Softbank: Vorläufiger Abschied von humanoidem Roboter Pepper

Die Nachfrage nach dem humanoiden Service-Roboter sei nicht groß genug. Zudem strukturiert Softbank seine Robotik-Sparte um.

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Roboter Pepper von Softbank

(Bild: dpa, Ole Spata)

Von
  • Kristina Beer

Softbank strukturiert seine Robotik-Sparte um und stampft damit auch vorerst die Produktion des humanoiden Service-Roboters Pepper ein. Dies gehe aus Dokumenten hervor, die Reuters vorliegen. Zudem sollen weitere Quellen die Schritte bestätigt haben.

Die Produktion von Pepper soll schon im vergangenen Jahr beendet worden sein. Die Fertigung wieder aufzunehmen, sei laut zweier Quellen zu kostspielig. Zudem habe der humanoide Roboter nicht genügend Abnehmer für sich gewinnen können. Insgesamt seien nur etwa 27.000 Roboter produziert worden. Foxconn aus China hatte die Herstellung übernommen.

Zwar wolle man die Produktion des Roboters wieder aufnehmen, wenn sich eine entsprechende Nachfrage ergebe, erklärte Softbank gegenüber Nikkei Asia, allerdings schlage das japanische Unternehmen laut Reuters in der Robotik ohnehin neue Wege ein.

Dies zeige sich etwa durch die Konzentration auf den nicht humanoiden Reinigungsroboter Whiz, aber auch durch Umstrukturierungen und Jobstreichungen in einigen Ländern, die laut den Quellen von Reuters unter anderem auf einige Unstimmigkeiten zwischen Softbank und Aldebaran Robotics in Frankreich zurückgehen sollen. Softbank hatte das französische Unternehmen 2012 gekauft. Der humanoide Service-Roboter Pepper feierte dann 2014 in Japan seinen Marktstart. Er war zusammen mit Aldebaran Robotics entwickelt worden.

Der "Neue" (genannt Whiz)

(Bild: Softbank)

Während schon in den USA und Großbritannien Stellen gestrichen wurden, sollen in Frankreich nun im Herbst dieses Jahres noch rund 330 Arbeitsplätze entfallen. Die Verhandlungen dazu seien aber noch nicht abgeschlossen.

Ein weiterer Hinweis auf die Neuausrichtung in der Robotik liefern neue Kooperationen und Verkäufe. So hat Softbank laut Nikkei Anfang des Jahres eine Kooperation mit der japanischen Firma Iris Ohyama initiiert. Zusammen wolle man Roboter entwickeln, um etwa Essen zu servieren. Zugleich trennte sich Softbank jüngst von dem Großteil seiner Anteile an Boston Dynamics. Dort übernimmt nun Hyundai die Geschäfte.

Der humanoide Service-Roboter Pepper ist 1,20 Meter hoch, besitzt Arme, Kopf und Touchscreen sowie einen fahrenden Unterbau. Das Echtzeit-Betriebssytem NAOqi steuert die Roboter-Mechanik der Sensoren und Kameras, während die "Emotion Engine" ein Cloud-Service ist, der via WLAN mit Pepper kommuniziert.

Serviceroboter Pepper kommt nach Europa (9 Bilder)

1,20 m groß ist die Plastikfigur
(Bild: Aldebaran)

Pepper wird vor allem eingesetzt, um Fragen von Kundinnen und Kunden zu beantworten. Der Roboter ist darauf programmiert, in der Interaktion auch die Emotionen von Menschen durch deren Mimik oder Stimme zu erkennen und entsprechend darauf zu reagieren.

In der Coronavirus-Pandemie spielen einige Pepper-Roboter ihre Stärken aus und tragen zum Infektionsschutz bei. Sie stellen aktuelle Informationen bereit und helfen dabei Mensch-zu-Mensch-Kontakte zu unterbinden. Ein Exemplar wurde dafür eingesetzt, um das Sportprogramm in einem Seniorenheim anzuleiten. Pepper kennt aber auch kuriosere Jobs – der Roboter übernimmt zum Beispiel Aufgaben von Mönchen.

(kbe)