Softwaredefiniertes Fahren: Eclipse Foundation verstärkt Automotive-Initiative

Die auf das Software-Defined Vehicle (SDV) ausgelegte Arbeitsgruppe der Eclipse Foundation erhält Zuwachs: Neue Mitglieder und sieben Projekte treten ihr bei.

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(Bild: Outflow_Designs / Shutterstock.com)

Von
  • Silke Hahn

Die Eclipse Foundation stockt ihre Arbeitsgruppe zum Thema softwaredefiniertes Fahrzeug auf: Sieben neue Projekte sind der Stiftung soeben beigetreten, und die Mitgliederzahl der zuständigen Working Group steigt auf 19 Unternehmen (rund ein Drittel mehr als bisher). Neu beigetreten sind laut Pressemitteilung die VW-Tochter Cariad, das türkische Software- und Cloudunternehmen Eteration, die kalifornische Forschungstochter von Huawei namens FutureWei, der niederländische Halbleiterhersteller NXP und der multinationale Automobilhersteller Toyota.

In der Software-Defined Vehicle (SDV) Working Group konzentrieren die Projekte sich auf den Ansatz Code First und auf die Entwicklung eines branchenspezifischen Stacks an Open-Source-Software. Laut Mitwirkenden würde es sich dabei um den ersten seiner Art handeln, auch entsprechende Werkzeuge für die Kernfunktionen einer neuen Fahrzeugklasse stehen offenbar auf der Agenda. Neue Projekte von in der Branche führenden Unternehmen wie Bosch, Microsoft, Continental, ZF, CARIAD oder Accenture stellen der Pressemeldung zufolge bereits ihre Software allen Unternehmen zur Verfügung, die sie zur eigenen Fahrzeugentwicklung nutzen möchten. Der Ansatz scheint einen größeren Trend abzubilden und ist ein Versuch, die Brücke beziehungsweise Lücke zwischen traditionellem Autobau und den softwaredefinierten Fahrzeugen kommender Generationen zu schließen.

Mike Milinkovich, Executive Director der Eclipse Foundation, gibt sich begeistert von der (in seinen Worten) positiven Reaktion der Industrie auf die Software-Defined Vehicle Working Group der von ihm vertretenen Stiftung. "In nur wenigen Monaten sind sieben Projekte dazugekommen, die gemeinsam direkt einsetzbaren Code für alle Bereiche des automobilen Software-Ökosystems entwickeln werden", erklärt Milinkovich. Er erwarte, dass die Dynamik in den kommenden Monaten weiter zunehmen werde.

Passend zum Thema findet am 7. Juli 2022 in Stuttgart die "EXPO 2022: Startup Autobahn" statt, bei der es unter anderem um Supply Chain Security und das Ökosystem für die Softwarelieferketten im softwaredefinierten Automobilbereich geht.

Mehr Informationen dazu sind auf der Veranstaltungswebsite der EXPO 2022 zu finden. Unter anderem werden dort der CEO von Mercedes-Benz Ola Källenius, die CDO von Bosch Tanja Rückert und weitere bekannte Keynotesprecher sowie zahlreiche Start-ups aus dem Automotive- und Software-Security-Bereich präsent sein.

Die sieben Projekten, die die SDV Working Group der Eclipse Foundation neu in ihr Portfolio aufgenommen hat, stehen allesamt im Zusammenhang mit dem softwaredefinierten Fahren. Konkret sind es die folgenden:

  • Eclipse Velocitas für skalierbare, modulare und quelloffene Toolchain-Entwicklung in containerisierten sowie nicht-containerisierten fahrzeuginternen Anwendungen,
  • Eclipse Muto mit einem adaptiven Framework und einer Runtime-Plattform für dynamisch zusammenstellbare, Modell-getriebene ROS Software Stacks in autonomen Fahrzeugen und in der Robotik,
  • Eclipse eCAL (enhanced Communication Abstraction Layer): eine Middleware für skalierbare, leistungsfähige Kommunikation von Prozessen untereinander auf einzelnen Computer-Knotenpunkten in einem Netzwerk,
  • Eclipse Leda zum Kombinieren unterschiedlicher Komponenten zu einem in sich zusammenhängenen Ganzen, die auf einer "SDV Distribution" fußt,
  • Eclipse Chariott zum Bereitstellen von Middleware- und Abstraktions-Layern mit Metadaten, die das Steuern fahrzeuginterner Funktionen durch digitale Repräsentationen des Fahrzeugzustands erlauben,
  • Eclipse ADAAA (Adaptive Cruise Control Demo Application for Adaptive AUTOSAR), das ein Tutorial mit einfachen Codebeispielen für adaptive AUTOSAR-Methoden und Funktionscluster bereitstellt sowie
  • Eclipse SommR zum Implementieren von Spezifikationen für eingebettete Linux-Systeme gemeinsam mit den passenden Entwicklungstools.

Wesentliche Akteure der Technologieszene (auch aus dem Start-up-Bereich) und aus der Automobilbranche arbeiten der Eclipse Foundation zufolge gemeinsam an der Entwicklung eines Open-Source-Runtime-Stacks. Die entstehende Software soll für Fahrzeuganwendungen, cloudbasierte Fahrzeugprozesse und hochintegrierte Entwicklungs-Toolchains dienen. Die Open-Source-Initiative für softwaredefiniertes Fahren zielt demzufolge darauf ab, produktionsreifen Quellcode für fahrzeuginterne Software langfristig bereitzustellen, und zwar für sämtliche Fahrzeugmodelle, Produktlinien, Marken und Organisationen.

Der Ansatz soll die Komplexität der Entwicklung neuer Fahrzeuge reduzieren und zugleich deren Effizienz steigern. In der Branche besteht offenbar Bedarf, die Geschwindigkeit und Skalierung der Produktion zu erhöhen und in neue Bahnen zu finden. Ein Ziel der Eclipse Foundation und der in ihr organisierten Mitglieder ist demzufolge, dass die Akteure aus der Industrie bei generischen Elementen wie Echtzeitbetriebssystemen, Middleware-Schichten und Kommunikationsprotokollen keine unnötigen Energien in isolierte Eigenentwicklungen vergeuden sollten.

Die Eclipse Foundation betrachtet sich als gut aufgestellt für die Bewältigung der Koordination dieser Aufgabe, da sie über langjährige Erfahrung beim Steuern komplexer Technologieinitiativen verfügt. Herstellerneutralität sowie eine einheitliche Sprache sollen die Arbeitsgruppe zusätzlich attraktiv machen für neue Mitglieder aus Teilbereichen der Industrie. Die an der Working Group Beteiligten wie Bosch, CARIAD, Conti und Eteration äußerten sich in individuellen Stellungnahmen erwartungsfroh und gaben an, den Code-First-Ansatz der Eclipse SDV nach Kräften fördern zu wollen.

Weiterführende Informationen, technische Details und Informationen zu den Mitgliedern aus der Automotive-Industrie lassen sich der Website der SDV Working Group entnehmen.

(sih)