Solar-Boot transportiert in Berlin Pakete für die Post

Die Deutsche Post DHL testet, ob der Transport über Wasser für ihre Zwecke gut geeignet ist. Zunächst auf der Spree in Berlin.

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Mit diesem Solar-Boot transportiert DHL testweise Pakete durch Berlin.

(Bild: Deutsche Post DHL)

Die Deutsche Post DHL hat auf der Spree in Berlin ein vollelektrisch betriebenes Schiff mit Solarmodulen auf dem Dach in Betrieb genommen, um damit Pakete quer durch die Stadt zu transportieren. Mit dem über neun Monate laufenden Pilotprojekt will die Post prüfen, ob und wie sie den Transport auf dem Wasser zukünftig nutzen könne.

Bei dem laut Post deutschlandweit ersten Pilotprojekt dieser Art soll das Solarschiff auf der Spree täglich hunderte Sendungen vom Südhafen Spandau zum Westhafen transportieren. Das Boot ist 10,50 Meter lang und 2,50 Meter breit. Mit der Photovoltaik auf dem Schiffsdach könne ausreichend Strom für den Antrieb und die Bordenergie gewonnen werden, teilte die Post mit. Für Zeiten ohne Sonnenstrahlen wird die Energie in Batterien gespeichert.

Nach einem erfolgreichen Test könnte die Transportroute von Spandau über den Westhafen nach Neukölln und Mariendorf erweitert werden, erläuterte ein Sprecher der Post gegenüber heise online. Die Gespräche mit der Stadt und anderen Beteiligten liefen gut. Wichtig sei dabei, auch zu klären, welche Anlegestellen verfügbar wären und wie der Lieferverkehr durch Schleusen geregelt wird.

Das Schiff bringe es auf eine Leistung von 5 kW und kann bis zu 12 km/h schnell fahren. Im Sonnenschein sei die Fahrtdauer unbegrenzt, ohne Sonne könne das Schiff sechs bis acht Stunden fahren.

Der Transportweg des Schiffs beginnt im Paketzentrum Börnicke bei Nauen. Von dort bringt ein Lkw vier bis fünf Paketwagen mit insgesamt bis zu 250 Paketen in den Südhafen Spandau. Diese werden auf das Solarschiff verladen und innerhalb von rund 100 Minuten zum Westhafen transportiert. Vom Westhafen aus werden die Pakete dann weiter zu den Kunden gebracht, und zwar mit elektrischen Lastenrädern, wie die Post hervorhebt. Davon soll es in Berlin insgesamt 1700 geben.

Berlin ist nicht die erste Stadt, in der DHL auf den Transport auf dem Wasser setzt. Seit zwei Jahren gibt es beispielsweise eine Zustellkette mit einem Schiff auf der Themse, das allerdings nicht emissionsfrei unterwegs ist. In Venedig und Amsterdam betreibt DHL ähnliche Lieferketten.

Hamburg könnte als nächste deutsche Stadt mit Wasserpaketransport hinzukommen, hier möglicherweise in den nächsten drei Jahren in einer Kooperation im Rahmen einer "Water Cargo Barge", wie die Deutsche Post DHL gegenüber heise online erklärte. Eine Machbarkeitsstudie des Fraunhofer-Center für Maritime Logistik und Dienstleistungen hat allerdings ergeben, dass die Liefergeschwindigkeit in Hamburg sehr gering sein könnte.

(anw)