Sony A7 IV: Allrounder-Spiegellose mit 33-Megapixel-Vollformatsensor

Nach knapp vier Jahren kündigt Sony eine neue A7 an. Die vierte Generation besitzt einen neuen Sensor und beherrscht viele Funktionen der großen Schwestern.

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(Bild: Sony)

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Von
  • Sophia Zimmermann

Schon lange wirft die spiegellose Vollformatkamera Sony A7 IV ihre Schatten voraus. Technische Daten und erste Produktbilder geistern bereits seit Monaten durch das Netz, nun ist es offiziell: Die Sony A7 IV soll im Dezember auf den Markt kommen und dann ohne Objektiv knapp 2800 Euro kosten. Sie richtet sich an ambitionierte Fotografinnen und Fotografen, die ein universelles Gerät für Stand- und Bewegtbild suchen. Am Markt geht sie damit in die direkte Konkurrenz beispielsweise zur Nikon Z6 II (ab 1819 €), die mit einem günstigeren Preis an den Start ging.

Von der 2018 eingeführten Vorgängerin Sony A7 III setzt sie sich vorwiegend mit einem neuen Sensor ab. Dieser bietet nun eine etwas höhere Auflösung von 33 Megapixeln, was allerdings zulasten der Größe der einzelnen Pixel geht. Ob sich damit die Bildqualität im Vergleich zur dritten Generation verbessert, die mit lediglich 24 Megapixeln arbeitet, muss sich noch zeigen. Der Hersteller verspricht zumindest eine größere Detailtreue, natürlichere Hauttöne und auch eine bessere Durchzeichnung bei schlechten Lichtbedingungen. Ein paar Aufnahmen im High-ISO-Bereich konnten wir während einer Produktvorstellung anfertigen. Sie sehen diese in der Bilderstrecke. Eine Einordnung gelingt allerdings nur im Vergleich, den wir schnellstmöglich nachreichen werden.

Sony A7 IV: Beispielbilder bei High-ISO (10 Bilder)

Sony A7 IV mit SEL24105G bei 40 mm, f/5.6, 1/20 s, ISO 6400

Der Sensor ist rückwärtig aufgebaut (BSI) und flexibel gelagert, um Verwacklungen auch bei längeren Belichtungszeiten auszugleichen. Zwei Bionz-XR-Prozessoren springen dem Chip zur Seite und sorgen für eine schnelle Datenverarbeitung, es handelt sich um dieselbe Bildverarbeitungs-Engine wie in den größeren Geschwistern Sony A1 und Sony A7S III.

Dank der schnelleren Signalverarbeitung bietet Sony außerdem eine integrierte beziehungsweise rudimentäre "Bildentwicklung" an – beispielsweise in Form von Schattenaufhellung, einer veränderten Farbsättigung oder Schwarzweißlooks. Von Herstellern wie Fujifilm kennt man die interne Raw-Entwicklung bereits seit Längerem.

Das Gehäuse der Sony A7 IV ist noch einmal bulliger als das Vorgängermodell. Es erinnert stark an die A7S III.

Ansonsten sprechen die technischen Neuerungen für eine erwartbare Weiterentwicklung der A7-Familie. Die Serienbildrate bleibt trotz der hohen Auflösung bei 10 Bildern pro Sekunde, 800 Aufnahmen (Raw+JPEG) sollen Fotografinnen und Fotografen dabei am Stück beziehungsweise kontinuierlich aufzeichnen können. Die Nikon Z6 II schafft bereits 14 Bilder pro Sekunde, die im Preis ebenfalls vergleichbare Canon EOS R6 (ab 2449 €) kommt sogar auf 20, bietet allerdings auch eine deutlich geringere Auflösung von 20 Megapixel.

Der Autofokus muss da entsprechend mithalten können. Er kombiniert wie in dieser Klasse üblich Phasen- und Kontrastmethode und seine 759 Autofokuspunkte decken 94 Prozent der Sensorfläche ab. Sony setzt in der A7 IV die aus dem Top-Modell A1 bekannten Algorithmen ein – inklusive Echtzeit-Augen-Autofokus für Menschen und Tiere (auch im Video). Das Augen-Echtzeit-Tracking soll noch noch bis f/22 zuverlässig arbeiten. Bei einer klassischen Spiegelreflexkamera wären solche Werte unvorstellbar.

Dazu beherrscht der Autofokus Funktionen wie eine Focus-Breathing-Kompensation, die Ausschnittsverschiebungen durchs Fokussieren ausgleich, was vorrangig für Video-Anwendungen interessant ist. Dies funktioniert freilich nur mit Sony-eigenen Objektiven und wird über einen Crop beziehungsweise einen minimalen Beschnitt erreicht.

Bewegtbilder zeichnet die Spiegellose in 4k-Auflösung und mit maximal 60 Bildern pro Sekunde auf (10 Bit 4:2:2) bei voller Sensorauslesung, aber mit leichtem Crop. Die A7 III kam hier nur auf 30 Bilder pro Sekunde. Vergleichbar ist die A7 IV in mancherlei Hinsicht mit der Low-Light-Schwester A7S III, die sich als Videospezialistin positioniert.

Eine ausreichende Hitzeableitung soll dafür sorgen, dass man mehrere Stunden am Stück aufzeichnen kann. Eine externe Kühlung oder eine offizielle, empfohlene Beschränkungen gibt es nicht. Die Kamera schaltet aber ab, bevor die Hitze das Gehäuse und sein Innenleben schädigt. Live-Streaming beherrscht die Kamera via USB (über den PC zu den entsprechenden Netzwerken) in FullHD mit 60 Bildern pro Sekunde (oder 4k bei 15p).

Das Gehäuse bringt Sony ebenfalls auf den aktuell gängigen Standard, es entspricht mit Abzügen der A7S III inklusive einer exponierten Videotaste. Es liegt dank des ergonomische ausgeformten und tieferen Griffwulsts sehr sicher und gut in den Händen. Das ist für die Serie eine sehr positive Entwicklung. Bei Sucher und Display bleibt Sony dagegen sehr zurückhaltend: Der Sucher bietet eine Auflösung von 3,7 Megapixeln und entspricht dem, was in dieser Kameraklasse aktuell üblich ist. Das rückseitige Display ist schwenkbar, löst aber nur äußerst magere 1,03 Millionen Pixel auf. In dieser Hinisicht ist Nikons Z6 II schon weiter.

Ein wenig hat der Hersteller auch das Bedienkonzept überarbeitet und so ist in das Moduswahlrad nun die Wahl zwischen Video und Foto integriert. Das Menü hat Sony ebenfalls von der A7S III übernommen und damit auch den etwas bunteren, vertikalen Aufbau.

Auch das Menü ist deutlich bunter geworden. Ob man es auch als übersichtlicher empfindet, ist sicher Geschmackssache.

Zeitgemäß sind auch die integrierten Anschlüsse inklusive HDMI-Typ A, USB-C (10 Gbps, Ladefunktion) sowie des älteres Micro-USB. Außerdem können Daten via FTP-Background-Transfer (5 GHz) direkt übertragen werden – Raw-Files eingeschlossen.

Damit die Speicherkarten nicht der Flaschenhals für die schnelle A7 IV sind, besitzt sie zwei Kartenslots für SD- (UHS-II) und CF-Express-Typ-A-Karten.

Nach dem ersten Eindruck, den wir von der Kamera gewinnen konnten, scheint die Sony A7 IV eine gelungene Weiterentwicklung der Serie zu sein. Doch während die Serie während ihres Anfangs in 2013 noch völlig konkurrenzlos da stand, haben mittlerweile sowohl Canon als auch Nikon und Panasonic vergleichbare Geräte auf dem Markt, die in einer ähnlichen Preisklasse spielen, sich aber dennoch mit Spezialisierungen absetzen können – wie beispielsweise die Canon EOS R6 mit ihrer reduzierten Auflösung und der hohen Geschwindigkeit.

Ein Pfund mit dem Sony allerdings immer noch sehr gut wuchern kann, ist das Objektivangebot. Allein für die Vollformatkameras mit E-Mount bietet der Hersteller selbst gerade mehr als 40 Optiken an. Insgesamt, also APS-C-Modelle eingeschlossen, sind es mehr als 60. Dazu kommt ein umfassendes Angebot auch von Fremdherstellern.

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(ssi)