Sony ZV1: Kleine Kompaktkamera mit Videoschwerpunkt

Sony baut die RX100-Linie um, heraus kommt die ZV1. Die Kompakte soll angehende Youtuber und Vlogger ansprechen. Dafür kommt sie mit vielen Helferlein.

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Sony will ein Stück vom Kuchen des Wirtschaftszweiges "Influencer-Videos" auf YouTube und anderen sozialen Netzwerken abbekommen. In einem Pressebriefing an dem auch heise online teilgenommen hat, spart der Hersteller nicht mit großen Zahlen, um sein Anliegen zu untermauern. So würden die zehn erfolgreichsten YouTuber/Vlogger im Jahr jeweils mehr als zehn Millionen US-Dollar verdienen. Allein auf Youtube werde täglich so viel neuer Content hochgeladen, dass man damit 82 Jahre füllen könnte. Und längst wolle jedes vierte Kind Vlogger oder YouTuber werden.

Um die möglichst einfach an ihren Berufswunsch heranzuführen, hat Sony nun seine etablierte RX100-Serie umgebaut und stark auf Video zugeschnitten. Die ZV1 setzt auf die RX100 VII beziehungsweise die RX100 V auf und arbeitet wie diese mit einem Typ-1-Zoll-Sensor (13,2 × 8,8 Millimeter) und einer Auflösung von 20 Megapixeln. Das Objektiv deckt den universellen, Kleinbild-äquivalenten Brennweitenbereich von 24 bis 70 Millimetern ab und bleibt dabei mit f/1.8 bis f/2.8 vergleichsweise lichtstark.

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Im Labor zeigte die Optik ein ähnliches Verhalten wie die der RX-Schwester: einigermaßen gleichmäßig über die Brennweitenstufen, am langen Ende dabei etwas weicher. Seine beste Abbildungsleistung zeigt das Objektiv bereits bei fast geöffneter Blende von f/2.0 bis f/2.8. Das Rauschverhalten ist typisch für den Typ-1-Zoll-Sensor und die Ergebnisse selbst bei hohen ISO-Zahlen wie 1600 noch gut und detailreich.

Bei hohen ISO-Werten wie 1600 (rechts) hält die ZV1 noch angenehm viele Details im Bild.

Das Objektiv der ZV1 fühlt sich eher bei geöffneter Blende wohl:
links: f/2.8
rechts: f/5.6

Auch die Videofertigkeiten sind praktisch deckungsgleich zu den beiden RX-Modellen. So zeichnet die Kleine 4K-Videos mit einer Framerate von bis zu 30 Bildern pro Sekunde, Full-HD-Videos schafft sie mit bis zu 120 B/s. Als Formate stehen das Sony-eigene XAVC S beziehungsweise AVCHD zur Verfügung. Für Slow-Motion-Aufnahmen beherrscht die Kamera besonders hohe Bildwiederholraten von bis zu 960 B/s. Das liest sich im Vergleich zu aktuellen Smartphone-Generationen wenig spektakulär.

Sony möchte die ZV1 allerdings als Einsteiger-Kamera positionieren und sich vor allem mit einem vereinfachten Handling absetzen. Auffälligstes Feature ist da ein Windschutz für das interne Mikrofon, der in den Blitzschuh der ZV1 eingeklickt wird. Wollen sich die YouTuber nicht auf die interne Technik verlassen, können sie freilich ein externes Mikrofon über Klinkenstecker oder professioneller über den Multifunktionsschuh anschließen.

Außerdem besetzt Sony die Funktionstasten C1 und C2 mit nützlichen Helferlein. C1 bedient den sogenannten Bokeh-Switch mit den Optionen "klar" und "defokussiert". Letztere sorgt für ein geschmeidiges Bokeh im Hintergrund. Die Umsetzung ist Sony gut gelungen, denn die Effekte fließen angenehm weich ineinander über. Da man bei Videoaufnahmen bei den Belichtungszeiten deutlich eingeschränkter ist als beim Fotografieren, besitzt die ZV1 einen integrierten ND-Filter, der die Belichtungszeiten auch bei weiter geöffneter Blende im Rahmen halten soll.

Mit einem Druck auf "C2" aktivieren Nutzer die Einstellungen für "Produktpräsentation" und deaktivieren damit unter anderem die Gesichts- beziehungsweise Augen-Priorität des Autofokus, sodass er auch auf die gezeigten Produkte springt, sobald diese sich nähern. Gleichzeitig schaltet sich der SteadyShot (Movie) aus, da die Kamera für solche Filme eher auf einem Stativ steht.

Nützlich hierbei ist außerdem, dass der rückseitige Monitor frei schwenkbar ist. Seine Auflösung ist mit 1,23 Mio. Pixeln (860 × 480 Bildpunkte) zwar nicht übermäßig hoch, die Abbildung ist aber angenehm klar und kontrastreich. Einen Sucher hat die ZV1 nicht.

Ab Ende Mai soll die 294 Gramm leichte Sony ZV1 in den Handel kommen und dann voraussichtlich 800 Euro kosten.

(ssi)