Sorgen über Ukraine-Krieg bremsen Snapchats Werbegeschäft

Snap verzeichnet mehr Nutzer und Umsatz, aber wieder Verluste. Viele Werbekunden treten nach Russlands Angriff auf die Ukraine auf die Kostenbremse.

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Snapchat-Logo auf einem Smartphone-Bildschirm

(Bild: BigTunaOnline/Shutterstock.com)

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  • Frank Schräer
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Die Sorgen um wirtschaftliche Folgen des russischen Angriffs auf die Ukraine schlagen auf das Werbegeschäft der Foto-App Snapchat durch. Das vergangene Quartal habe das US-Unternehmen vor größere Herausforderungen gestellt als erwartet, sagte der Chef der Mutterfirma Snap, Evan Spiegel, am Donnerstag.

"Wir glauben, dass der Krieg in der Ukraine erhebliche Folgen hatte", erklärte Finanzchef Derek Andersen. Direkt nach dem russischen Einmarsch am 24. Februar hätten viele Werbekunden ihre Anzeigenkampagnen gestoppt. Die meisten von ihnen seien zwar nach zehn Tagen wieder zurückgekommen, aber das Wachstum habe sich im Jahresvergleich verlangsamt. Die Anzeigenkunden machten sich unter anderem Sorgen um geopolitische Risiken wegen des Krieges in der Ukraine, heißt es seitens Snap. Auch Inflationsängste seien ein Faktor.

Snap verbucht im ersten Quartal 2022 ein Umsatzplus von 38 Prozent auf 1,06 Milliarden US-Dollar (circa 980 Millionen Euro). Dabei konnte Snap den Betriebsverlust im Jahresvergleich um elf Prozent, von 304 Millionen Dollar auf zuletzt 272 Millionen Dollar, reduzieren. Der Nettoverlust ist hingegen um ein Viertel auf 360 Millionen Dollar gestiegen. Dieser Anstieg geht Snap zufolge auf einen Bewertungsverlust von 92 Millionen Dollar bei einer Investition zurück.

Finanzchef Andersen erklärte, Snap habe die Infrastrukturkosten pro Nutzer auf den niedrigsten Stand in über fünf Jahren reduziert. Im Schlussquartal 2021 hat Snap den ersten Quartalsgewinn in der über elfjährigen Firmengeschichte eingefahren.

Die Zahl der täglich aktiven Nutzer ist binnen drei Monaten von 319 auf 332 Millionen gestiegen – ein Viertel davon aus Europa. Insgesamt sind dies 18 Prozent mehr Nutzer als noch vor einem Jahr. Während die Zuwachsraten in Nordamerika und Europa im Jahresabstand bei fünf beziehungsweise zehn Prozent lagen, konnte Snapchat im Rest der Welt um 36 Prozent wachsen. Die Firma führt dies auf Investitionen in mehr Sprachen, lokale Partnerschaften und die Unterstützung lokaler Communitys zurück.

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Snapchat ist zunächst mit von allein verschwindenden Bildern bekannt geworden, arbeitet inzwischen aber unter anderem daran, als Plattform für Shopping und Medieninhalte erfolgreich zu sein. Insbesondere setzt Snap dabei auf Augmented Reality (AR), bei der digitale Inhalte auf dem Bildschirm in die echte Umgebung integriert werden. Snapchat lässt so etwa Schuhe oder Kosmetik virtuell ausprobieren – und nimmt Geld von den Unternehmen dafür. Auf verschiedene AR-Anwendungen haben im Schnitt mehr als 250 Millionen Nutzer täglich zugegriffen, sagte Spiegel.

Die Aktie ging nach der Zahlenvorlage im nachbörslichen Handel auf eine Achterbahn-Fahrt: Auf zunächst deutliche Kursverluste folgte ein Plus von rund acht Prozent, das dann wieder zusammengeschmolzen ist. Am Ende stand ein Plus von 0,7 Prozent gegenüber dem regulären Schlusskurs. Dieser lag jedoch 4,3 Prozent unter dem Vortagswert. Finanzanalysten haben unter anderem mit etwas mehr Umsatz gerechnet.

Im laufenden Quartal liegt der Umsatz bisher um 30 Prozent über dem Vorjahreswert. Snap befürchtet jedoch weitere Kürzungen bei Werbebudgets und prognostiziert für das Vierteljahr nur ein Plus von 20 bis 25 Prozent. Die Entwicklung des Geschäfts sei schwerer vorherzusagen denn je in jüngster Zeit, bedauerte Finanzchef Andersen. (mit Material der dpa) /

(fds)