Soziale Medien: Deutlich weniger Falschinformationen nach Trumps Twitter-Sperre

Nachdem Trump diverse Konten in den sozialen Medien verliert, kommen Debatten über angeblichen Wahlbetrug weitgehend zum Erliegen. Das hat eine Analyse ergeben.

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Trumps inzwischen gelöschter Twitter-Auftritt in einer Archivaufnahme.

(Bild: twitter.com / Screenshot)

Von
  • Tilman Wittenhorst

Das Verbreiten von Falschinformationen in den sozialen Medien über die US-Präsidentschaftswahl vom November vergangenen Jahres ist drastisch zurückgegangen, nachdem Twitter und weitere Plattformen die Konten des noch amtierenden Präsidenten Trump gesperrt haben. Die Zahl der Diskussionen über angebliche Wahlfälschung brach in mehreren Kanälen ein, sobald Trump dort nicht mehr aktiv war. Das hat eine Untersuchung des Forschungsunternehmens Zignal Labs aus San Francisco ergeben.

Wie es in einem Bericht der Washington Post heißt, hat Zignal Labs mehrere soziale Medien im Zeitraum vom 9. bis zum 15. Januar 2021 daraufhin untersucht, wie oft dort Falschinformationen über die US-Präsdentschaftswahl geteilt oder diskutiert wurden. Die entsprechenden Erwähnungen sanken um 73 Prozent, sie gingen von etwa 2,5 Millionen auf 688.000 zurück. Welche sozialen Medien Zignal Labs untersucht hat, geht aus dem Bericht der Washington Post nicht hervor.

Twitter hatte schon vor der Präsidentschaftswahl damit begonnen, irreführende Tweets von Donald Trump mit Warnhinweisen zu versehen: etwa darüber, dass eine Briefwahl unsicher und betrugsanfällig sei.

Manche von Trumps Tweets wurden ausgeblendet und mit einer Warnung markiert, weil sie gegen die Richtlinien des Unternehmens verstießen – beispielsweise Trumps Aufruf, dass Briefwähler auch am Wahltag noch einmal persönlich wählen gehen sollten, um eine angebliche Betrugsanfälligkeit des Briefwahlsystems zu demonstrieren; dies konnte als Aufruf zur doppelten Stimmabgabe betrachtet werden, was illegal ist.

Behauptungen Trumps nach dem Wahltag, ihm sei die Wahl "gestohlen" worden, markierte Twitter als "umstritten". Seitdem der Demokrat Joe Biden als offizieller Wahlsieger feststand, ergänzte Twitter diese Information an Tweets, in denen Trump sich als Wahlsieger bezeichnete.

Am 6. Januar 2021 stürmten teils bewaffnete Trump-Anhänger – motiviert von einer Rede Trumps kurz zuvor – das Kapitol in Washington. Der Präsident reagierte zwar später mit einer Videobotschaft und rief darin zur Mäßigung auf, wiederholte jedoch auch seine unbewiesene Behauptung von angeblichem Wahlbetrug. Am Tag darauf markierte Twitter diesen Tweet wegen des "Gewaltrisikos", das er enthalte, und verhinderte das Beantworten, Befürworten und Retweeten. Später löschte Twitter den Tweet.

In der Folge dieser Ereignisse wurde Trumps Twitter-Konto zunächst für 12 Stunden und am Tag darauf dauerhaft gesperrt. Auch Facebook entschloss sich noch am 7. Januar zu diesem Schritt, wobei Trump zugleich den Zugriff auf sein Instagram-Konto einbüßte. Bereits am 8. Januar beobachtete Zignal Labs einen deutlichen Rückgang der Diskussionen und geteilten Inhalte über angeblichen Wahlbetrug und eine "gestohlene" Wahl.

Zignal Labs analysierte auch die Nutzung von Hashtags auf Twitter. So verringerte sich die Verwendung von "#FightforTrump" etwa um 95 Prozent gegenüber dem Zeitraum bis zur Wahl. In gleichem Umfang ging "#HoldTheLine" zurück, ebenso die Phrase "March for Trump".

Außerdem begann Twitter damit, insgesamt über 70.000 Nutzerkonten zu sperren, die Verschwörungspropaganda aus dem Umfeld der Gruppe "QAnon" verbreitet hatten; Anhänger dieser Bewegung waren an der Erstürmung des Kapitols beteiligt. Facebook löschte im selben Zeitraum Beiträge mit dem Slogan "Stop the Steal", in denen ein groß angelegter Wahlbetrug als Tatsachenbehauptung verbreitet wurde.

Diese Maßnahmen dürften mittelfristig dazu beitragen, die Verbreitung von Falschinformationen einzudämmen, zitiert die Washington Post eine Wissenschaftlerin von der Universität Washington, die sich mit Desinformation beschäftigt. Allerdings sei fraglich, ob dies auch auf lange Sicht so bleibe.

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Ein weiterer Forscher mit Schwerpunkt Desinformation sagte der Washington Post, das Stilllegen von Nutzerkonten und Inhalten in den sozialen Medien (auch de-platforming genannt) nehme den betroffenen Gruppen die Fähigkeit und den Schwung, neues Publikum anzusprechen – vor allem, wenn das Stilllegen in diesem Umfang stattfinde, wie Twitter, Facebook und andere es zuletzt getan hätten. Andererseits würden diejenigen, die solche Falschinformationen verbreiteten, durch de-platforming in ihren Ansichten sogar noch bestätigt.

(tiw)