Roboter-Barkeeper Brillo interagiert mit Menschen sozial

Die Akzeptanz von Robotern hängt davon ab, wie persönlich sie mit Menschen interagieren. Ein Forscherteam hat dazu den Barkeeper-Roboter Brillo entwickelt.

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(Bild: Universität Neapel Federico II (Screenshot))

Von
  • Oliver Bünte

An so mancher Bar werden persönliche Gespräche geführt, in denen der Barkeeper oder die Barkeeperin mehr oder minder die Funktion eines Psychologen übernimmt, zugleich müssen dann noch die Drinks richtig zusammengemixt werden. Ein Forscherteam der Universität Neapel Federico II haben ihr interaktives Robotersystem Brillo ausgebaut, das für Bars konzipiert ist. Statt nur Bestellungen abzuarbeiten und Cocktails zu mixen, soll der Roboter nun auch mit den Kundinnen und Kunden persönlich interagieren können – zumindest, wenn er sie schon länger "kennt".

An einer Bar zu arbeiten, ist für einen Roboter eine große Herausforderung, sagt Silvia Rossi, Professorin an der Universität Neapel Federico II und wissenschaftliche Koordinatorin der Studie "Personalized Human-Robot Interaction with a Robot Bartender", die in UMAOP '22 Adjunct: Adjunct Proceedings of the 30th ACM Conference on User Modelling, Adaption and Personalization veröffentlicht wurde. Zum einen muss der Roboter in der Lage sein, effizient komplexe Objektmanipulationen durchzuführen, um vernünftig schmeckende Getränke herzustellen. Zum anderen muss er auch mit den Gästen sozial interagieren können. Gerade letzteres werde jedoch bei herkömmlichen Roboter-Barkeepern vernachlässigt, sagt Rossi und macht damit den wesentlichen Unterschied ihres Barkeeper-Roboters deutlich.

Das Team geht bei der sozialen Interaktion aber noch einen Schritt weiter: Der Barkeeper-Roboter soll nicht nur mit Menschen umgehen können, sondern sich auch deren persönlichen Vorlieben merken und bei Bedarf abrufen können. So ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass der Roboter als Barkeeper persönlich wirkt und der Service gemocht und weiter genutzt wird. "Wir sind der Meinung, dass sich ein Barkeeper nicht nur Ihren Geschmack, sondern auch Ihre Interessen und Ihr tägliches Leben merken sollte. Genau wie menschliche Barkeeper sollten sie manchmal wie enge Freunde wirken", umreißt Rossi den Forschungsansatz des Teams.

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Einige grundlegende Eigenschaften bringt der Barkeeper-Roboter Brillo bereits mit: Er sieht im Ansatz humanoid aus, wenngleich ihm Beine fehlen. Er besitzt zwei Roboter-Arme von Kuka mit Greifern, mit denen er Objekte manipulieren kann, sowie ein monitorgestütztes Gesicht, um damit verschiedene Gesichtsausdrücke abbilden zu können. Mikrofon und Kamera ermöglichen es ihm, gesprochenes Wort und Bilder zu erfassen, um etwa Aufnahmen vom Gast zu machen, um ihn wiedererkennen zu können und die Körpersprache wahrzunehmen. Über einen Lautsprecher spricht der Roboter mit seinen Gästen.

Brillo ist so konzipiert, dass er auf den Nutzer abgestimmte persönliche Empfehlungen auf Grundlage ihrer Vorlieben geben kann. Dabei verarbeitet er verbale als auch nonverbale Informationen. Daraus erstellt Brillo zusammen mit den Fotos der Gäste jeweils Nutzerprofile, um bei einem nächsten Besuch den Gast wiedererkennen und auf seine Interessen abgestimmte Gespräche führen zu können. Wie die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ausführen, weiß der Roboter beispielsweise, ob jemand ernste oder lustige Gespräche bevorzugt.

Die Personalisierung erfolgt dabei durch eine Kombination eines "system of record" und eines "system of engagement". Das "system of record" speichert beispielsweise Themen und Art der Interaktionen. Darunter fallen beispielsweise auch die bevorzugten Getränke eines Gastes und andere Vorlieben. Das "system of engagement" bewertet fortwährend, wie gut eine Interaktion verläuft und nimmt gegebenenfalls Verbesserungen vor. Dabei berücksichtigt der Roboter auch, in welcher Stimmung sich der Gast gerade befindet.

"Natürlich ist es nicht unser Ziel, Roboter-Barkeeper zu bauen, aber dieses Szenario ist ein herausforderndes Testfeld, um zu untersuchen, wie ein Roboter ein Benutzerprofil aufrechterhalten und aktualisieren kann, um seine Interaktion kontinuierlich an ein sich ständig änderndes Profil anzupassen", sagt Rossi. "Wir glauben, dass diese Art der Personalisierung der Schlüssel für die langfristige Akzeptanz von Robotern in unserem Leben und mit verschiedenen Service- und Assistenzfunktionen darstellt."

Unter Laborbedingungen funktioniert das bereits. Nun will das Forschungsteam die experimentelle Umgebung verlassen und Brillo in einer realen Umgebung und über einen längeren Zeitraum testen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollen so herausfinden, wie sich ihr Barkeeper-Roboter schlägt, wenn er auf viele unterschiedliche Menschen trifft.

(olb)