Speedtests: Satelliteninternet Starlink teilweise deutlich langsamer geworden

Die mittleren Downloadgeschwindigkeiten mit Starlink sind in mehreren Staaten zuletzt deutlich zurückgegangen. Das zeigen Speedtests von Ookla.

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Je mehr Menschen das Satelliteninternet Starlink buchen, desto stärker scheinen die durchschnittliche Down- und Uploadgeschwindigkeiten zurückzugehen. Das legen Zahlen der US-Firma Ookla nahe. Die bietet einen der beliebtesten Geschwindigkeitstests für Internetverbindungen an.

In den USA werden demnach mit Starlink noch rund 63 MBit/s bei Downloads erreicht, Ende 2021 waren es deutlich über 100 MBit/s, im ersten Quartal dieses Jahres etwa 90 MBit/s. In Deutschland ist der ermittelte Durchschnitt den Zahlen zufolge von über 110 MBit/s auf zuletzt 95 MBit/s gefallen. Deutlich langsamer geworden ist der Dienst demnach auch in Kanada und Großbritannien.

Die in den sechs Märkten Kanada, Frankreich, Deutschland, Neuseeland, Großbritannien und den USA ermittelten Geschwindigkeitsrückgänge zwischen dem ersten und zweiten Quartal dieses Jahres liegen bei 9 bis 54 Prozent. Am langsamsten ist Starlink demnach in den USA, es folgen Kanada, Großbritannien, Deutschland, Neuseeland und Frankreich. In genau dieser Reihenfolge war Starlink in diesen Ländern auch freigegeben worden.

Die mittleren Downloadgeschwindigkeiten von 60 MBit/s in Nordamerika seien aber immer noch "mehr als genug, um mit mindestens einem angeschlossenen Gerät die meisten Anwendungen im Internet zu nutzen, darunter Videostreaming, Spieledownloads und Chats", meint Ookla.

In Europa sieht die Situation den Zahlen zufolge besser aus als in Nordamerika. In 16 Staaten waren die für Starlink ermittelten Geschwindigkeiten höher als die jeweils mittleren Geschwindigkeiten bei breitbandigen Festnetzanschlüssen, in zehn Staaten wurden im Mittel über 100 MBit/s erreicht. Am schnellsten ist Starlink laut den Ookla-Zahlen zuletzt in Portugal und den Niederlanden gewesen, mit im Mittel über 120 MBit/s im Download.

Nur bei der Latenz muss Starlink überall Federn lassen, im Schnitt am schnellsten reagierte die Verbindung demnach in Großbritannien und Spanien mit jeweils etwas unter 40 ms. Die höchsten durchschnittlichen Latenzen beim Internet über eine Kabelanbindung in den analysierten Ländern liegen dagegen bei 14 ms.

Dass Starlink mit wachsender Nutzerzahl Kapazitätsprobleme bekommen würde, war absehbar. Auch SpaceX-Chef Elon Musk hatte das immer wieder eingestanden. Jüngsten Zahlen zufolge hatte der Dienst Anfang Juni weltweit fast 500.000 Kunden und Kundinnen. Mit der stetig wachsenden Zahl von Satelliten sollen sich die Geschwindigkeiten aber verbessern, heißt es von Starlink.

Inzwischen hat das Unternehmen mehr als 3000 aktive Satelliten im All und führt auf allen Kontinenten mindestens Tests mit Starlink durch. Die darüber erreichten Werte bei Geschwindigkeit und Latenz liegen trotz der Verlangsamungen deutlich über dem anderer Dienste für Satelliteninternet. Im August hat Starlink die Monatsgebühr teilweise deutlich gesenkt.

SpaceX baut Starlink seit 2019 auf, damit sollen vorgeblich Orte einen schnellen Internetzugang bekommen, die mit anderer Technik nicht wirtschaftlich angebunden werden können. Starlink ist das erste und mit Abstand am weitesten fortgeschrittene Projekt zum Aufbau einer sogenannten Megakonstellation. Es gibt weitere Pläne für alternative Angebote, etwa von OneWeb oder Amazon mit dem Project Kuiper. Als die US-Telekommunikationsaufsicht FCC vergangenen Monat entschieden hat, dass SpaceX doch nicht fast eine Milliarde US-Dollar aus der US-Staatskasse bekommt, um abgelegene ländliche Regionen über Starlink mit Satelliteninternet zu versorgen, basierte das unter anderem auf Speedtests. SpaceX hat dagegen Berufung eingelegt.

(mho)