Weltraumteleskop Hubble: Speicherfehler als Symptom - womöglich anderer Defekt

Das Weltraumteleskop Hubble konnte immer noch nicht wieder hochgefahren werden. Bei der NASA vermutet man nun, dass nicht der Speicher defekt ist.

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(Bild: NASA/ESA)

Von
  • Martin Holland

Bei der NASA hat man Hinweise darauf gefunden, dass sich das Weltraumteleskop Hubble nicht wegen eines Fehlers in einem altersschwachen Speicher abgeschaltet hat, sondern wegen eines anderen Hardware-Problems. Das teilte die US-Weltraumagentur nun mit.

Die NASA erklärte, dass jetzt geprüft werden soll, ob das sogenannte Standard Interface (STINT) oder das Central Processing Module (CPM) des Nutzlast-Computers verantwortlich seien. Dazu würden Tests entwickelt, die in den kommenden Tagen durchgeführt werden sollen. Sollte das Problem dann nicht behoben werden können, bereite man sich darauf vor, auf Teile des zweiten Nutzlast-Computers auszuweichen, der als Backup vorgehalten wird.

Hubble hat am 13. Juni selbstständig die Arbeit eingestellt, nachdem der Hauptcomputer von dem Nutzlastcomputer keine Daten mehr erhalten hatte. Der ist für die Koordinierung der wissenschaftlichen Instrumente zuständig. Zuerst hatte das verantwortliche Team bei der NASA vermutet, dass ein altersschwaches Speichermodul für den Ausfall verantwortlich war. Von denen stehen drei als Backups bereits, ein Wechsel darauf hatte aber nicht funktioniert. Nach verschiedenen Tests aus der Ferne haben die Verantwortlichen nun eine andere Vermutung, der Speicherfehler wäre dann lediglich ein Symptom. Erst einmal müssen sie das aber nun ebenfalls überprüfen. Außerdem müssen sie herausfinden, welche Teile noch einwandfrei funktionieren, erklärt die NASA.

Sollten tatsächlich die jetzt verdächtigen Komponenten des Nutzlast-Computers fehlerhaft sein und nicht repariert werden können, könne man auf STINT und CPM des Backup-Rechners wechseln. Man habe bereits damit begonnen, den Wechsel zu üben und die nötigen Befehle zu verifizieren. Sollte der Wechsel tatsächlich nötig werden, würde es mehrere Tage dauern, die Performance des Backup-Computers zu testen, erklärt die US-Weltraumagentur. Immerhin wurde der seit der Installation 2009 nicht eingeschaltet. Damals waren zum letzten Mal Menschen zur Wartung vor Ort, sie waren an Bord das Space Shuttle Atlantis gekommen. Seit dem Ende des Shuttle-Programms können keine Raumfahrenden zu dem weltberühmten Instrument fliegen und Reparaturen durchführen.

Das gemeinsam von der NASA und ESA verantwortete Weltraumteleskop Hubble ist seit 1990 in Betrieb und hat nach Startschwierigkeiten in den vergangenen drei Jahrzehnten mit unzähligen Aufnahmen von Sternen, Galaxien und etlichem unser Bild vom Universum grundlegend verändert und geprägt. Zuletzt zeigte sich aber wiederholt das hohe Alter des Instruments. So wurde der nun betroffene Computer in den 1980er-Jahren gebaut und noch früher entwickelt. Mit dem James Webb Space Telescope wird seit Jahren an einem Nachfolger gebaut, dessen Start lässt aber immer noch auf sich warten. In diesem Jahr soll es nun aber soweit sein.

Weltraumteleskop Hubble (105 Bilder)

Der Affenkopfnebel im Orion
(Bild: ESA/Hubble)

(mho)